Gefährlicher Standard

Impfstoff-Entwicklung: Wie ein Teil der Bevölkerung vergessen wird

20. November 2020 - 11:09 Uhr

Medikamente vor allem für Europäer entwickelt

Durch die Corona-Pandemie ist die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Und nicht nur das: Auch die Vorgehensweise dabei steht nun in der Kritik. Denn neue Impfstoffe werden meist auf Grundlage der Forschung an Europäern entwickelt. Damit werden nicht-europäische Bevölkerungsgruppen benachteiligt, denn bei ihnen wirken die Medikamente teilweise anders. Welche Auswirkungen das auf die Menschen haben kann und wie Forschungsinstitute in Afrika etwas ändern wollen, zeigt uns RTL-Korrespondentin Nicole Macheraux-Denault im Video.

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Derzeitige Medikamentenentwicklung könnte Menschenleben kosten

Um Krankheiten mit neuen Medikamenten heilen zu können, muss man erst verstehen, wie die Erkrankungen funktionieren.

Und genau da kommt die Genomforschung ins Spiel: Sie ist die wohl zukunftsträchtigste Wissenschaft, die Biologie, Medizin und Natur- und Ingenieurwissenschaften verbindet. Sie erklärt die Zusammenhänge, die wir kennen müssen, um Krankheiten zu verstehen.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Derzeit stammen 78 Prozent der Forschungsproben in den Genom-Biobanken von weißen Europäern. Die Forschungsgrundlage besteht also Großteils aus Urin-, Blut- und Speichelproben von nur einer Bevölkerungsgruppe. Mutationen und Variationen, die in anderen Populationen vorherrschen, werden deshalb nicht entdeckt - schlimmer noch: Sie werden auch bei der Medikamentenentwicklung nicht berücksichtigt. Das ist nicht nur undemokratisch, sondern gefährlich und könnte Menschenleben kosten.

Beispiel: Asthma-Medikament wirkt nicht bei allen gleich

Das gängigste Asthma-Medikament wirkt bei Patienten afrikanischer und lateinamerikanischer Herkunft nicht so gut, wie bei Menschen europäischer Herkunft. Ursache ist eine Genvariation, die bisher noch nicht erforscht wurde, weil nicht genügend breit gefächerter Forschungs-Proben vorhanden sind.

Deshalb bauen derzeit zahlreiche Organisationen in Afrika und Asien neue Biobanken auf. Sie wollen die Genomforschung demokratisieren.