Entschlacken: Kann und muss man seinen Körper wirklich entgiften?

08. März 2018 - 14:56 Uhr

Was steckt hinter der Theorie, seinen Körper entschlacken zu können?

Stress, eine schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung führen dazu, dass wir uns ausgelaugt fühlen, einen fahlen Teint haben, hier und da ein paar Pölsterchen zu viel ansetzen und schneller krank werden. Um dem entgegen zu wirken, schwören viele Menschen auf ein Entschlacken ihres Körpers. Was steckt hinter der Methode und ist sie tatsächlich wirksam?

Hin und wieder werden wir einfach schwach, ernähren uns ungesund, haben keine Lust auf regelmäßige Bewegung und geben auch sonst dem Konsum von Genussmitteln wie Rauchen und Alkohol schnell mal nach. Da kommt die Idee, seinen Körper zu entschlacken und alle schädlichen Stoffe und Gifte auszuschwemmen, doch gerade recht, oder? Doch können wir mit Heilfasten, Detox-Diäten und Entschlackungskuren tatsächlich unseren Körper entgiften?

Körper entschlacken: Die Idee dahinter

Die Alternativmedizin geht beim Entschlacken davon aus, dass sich in unserem Körper sogenannte Säureschlacken, also vermeintlich schädliche Stoffwechselprodukte sammeln und ablagern. Sie entstünden unter anderem durch zu viel Essen, Nikotin, Alkohol und verschiedene Chemikalien. Normalerweise würden diese Säuren durch Niere, Haut und Lunge ausgeschieden, doch sei der Konsum säurebildender Lebensmittel zu hoch, könne es zu einem Säure-Stau kommen. Die Folgen davon könnten unter anderem chronische Erkrankungen, Entzündungen und Infektionen sein.

Beim Entschlacken soll unser Körper deshalb einer kompletten Grundreinigung unterzogen und die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktiviert werden. Dabei ist eine basische Ernährung in Form von viel Gemüse, Obst und Milchprodukten eine mögliche Maßnahme. Auf säurebildende Lebensmittel wie Fleisch, Käse, Kaffee und Alkohol solle man so gut es geht verzichten. Auch sollen spezielle Massagen, Kräutertees und Entschlackungskuren – Stichwort Heilfasten – helfen.

Heilfasten: Von Buchinger und F.X-Mayr

Zu den bekanntesten Entgiftungskuren gehören das Heilfasten nach Buchinger und die F.X.-Mayr-Kur.

Fasten nach Buchinger

Mit seiner Fastenkur konnte sich der Marine-Arzt Otto Buchinger Anfang des 20. Jahrhunderts von seinem schweren Rheumaleiden befreien und begründete daraufhin das moderne Heilfasten. Sein Konzept beim Entschlacken: eine spezielle Trink-Diät, die dem Körper pro Tag 250 Kilokalorien in Form von Tees, Gemüsebrühen und Saft zuführt.

Dauer: Nach einer anfänglichen zweitägigen Vorbereitung und Darmentleerung fastet man fünf Tage. Die Kur kann aber auch unter ärztlicher Aufsicht zwei bis vier Wochen durchgeführt werden.

Hilft angeblich bei: Migräne, Diabetes Typ-2, Bluthochdruck, Hautkrankheiten

Die F.X.-Mayr-Kur

Auch als Milch-Semmel-Kur bezeichnet, geht die F.X.-Mayr-Kur auf den österreichischen Arzt Franz Xaver Mayr zurück. Kerngedanken dieser Diät ist, dass das Essen durch mehrmaliges Kauen und in kleinen Bissen zur Verdauung vorbereitet werden soll. Die tägliche Heilkost besteht dabei aus drei Brötchen und einem viertel bis halben Liter Milch. Mit dem trockenen Brötchen soll das intensive Kauen trainiert werden. Kräutertees, Bauchmassagen und Basenpulver sollen zusätzlich beim Entschlacken unterstützen.

Dauer: Unter ärztlicher Aufsicht, beispielsweise in einer Mayr-Kurklinik, mindestens drei Wochen.

Hilft angeblich bei: Verstopfung, Sodbrennen, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit

Entschlacken mit Massage

Alternativ zu einer radikalen Heilfastenkur werden Detox-Massagen angeboten. Sie sollen ebenfalls reinigen, entschlacken und Gifte aus dem Körper schwemmen. Wie genau eine Detox-Massage aussieht, kann sehr unterschiedlichen sein.

In der Regel besteht sie aus einer speziellen Massagetechnik, die den Lymphfluss anregt, indem sie durch den Haut-Organreflex gezielt Organe anspricht und deren Aktivität verbessert. Zudem kann Sie ein anfängliches Peeling enthalten, das Hautschuppen löst, ebenfalls das Lymphsystem anregt und die Durchblutung fördert. Mit selbigem Ziel setzen manche Gesundheits-Resorts zusätzlich Saugglocken an Rücken oder Bauch, was jedoch nicht jeder als angenehm empfindet und zu leichten Blutergüssen führen kann.

Gesundheitliche Risiken beim Entschlacken?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) kritisiert die reinigende Wirkung, die angeblich beim Entschlacken entsteht, scharf: "In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden über den Darm und die Nieren ausgeschieden."

Wo nichts ist, kann auch nichts entschlackt werden: Eine echte Wirksamkeit der Entschlackungskuren sei nicht gegeben und lasse sich wissenschaftlich auch nicht nachweisen, so Experten.

Manche Ernährungswissenschaftler warnen sogar vor schädlichen Folgen der Entgiftungskuren. Zu extremes Fasten können zu Nierensteinen, Kreislauf- oder auch Herzrhythmusstörungen führen. Auch warnt die DGE davor, dass die Wirkung von Medikamenten beeinflusst werden kann und rät dazu, Fastenkuren – wenn überhaupt – nur unter ärztlicher Aufsicht zu durchzuführen.

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