Sommerurlaub 2021

Entscheidungshilfe: Urlaub-21 buchen oder nicht? Was spricht dagegen?

Das Fernweh ist bei denjenigen, die dieses Jahr auf ihren Urlaub verzichten mussten, wahrscheinlich besonders groß.
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09. Oktober 2020 - 16:35 Uhr

Früh buchen und Schnäppchen sichern oder lieber noch abwarten und kein Risiko eingehen?

Die Frühbuchungsphase wird demnächst eingeläutet. Die Verunsicherung, ob Urlaubsreisen im nächsten Jahr wieder uneingeschränkt möglich sein werden, können das Fernweh und Bedürfnis nach Entspannung nicht unterkriegen. So beschäftigt derzeit wohl viele die Frage: Buchen oder besser noch warten? Das Risiko der Enttäuschung, sollte der Urlaub doch nicht stattfinden können, steht jenem entgegen, später keine guten Angebote mehr finden zu können. Wir wägen für Sie ab.

Unvorhersehbarkeit der Infektionslage

Nach wie vor unklar ist, wie weit das Virus im Sommer 2021 verbreitet sein wird. Wir haben den Hygiene-Experten Dr. Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, gefragt, wie die Infektionssituation im nächsten Jahr aussehen könnte. Seiner Einschätzung nach wird sich die Lage im Sommer 2021 von der diesjährigen unterscheiden, da auf die Erfahrung im Umgang mit dem Virus aufgebaut werden kann. Prognostizieren lässt sich die Zukunft dennoch nicht: "Ob und wo ich Urlaub machen kann, hängt sehr von den jeweiligen Reisezielen ab, da die einzelnen Länder sehr unterschiedlich erfolgreich bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sind." Eine genau so große Rolle spielt hierbei die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Virus: "Auch werden bis Sommer nächsten Jahres nur gewisse Teile der Bevölkerung geimpft sein, so dass sicher noch mit Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr zu rechnen ist", so Zinn.

Mögliche Quarantäne bei Rückkehr aus Risikogebiet

 Frau mit Mundschutz arbeitet am laptop *** Woman with mouth guard working on laptop
Wegen einer Quarantäne nicht raus zu dürfen - darauf möchten die meisten wohl lieber verzichten
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Dass sich Infektionslagen schnell ändern, haben wir in diesem Jahr vielerorts beobachten oder sogar mit erleben können. Was, wenn der Urlaubsort während des Aufenthalts plötzlich zum Risikogebiet erklärt wird? Die damit verbundenen Einschränkungen und Auflagen vor Ort, so wie die Angst vor einer Infektion, versprechen keine Erholung. Auf eine 14-tägige Quarantäne, vor Ort oder schon zuhause, möchte man lieber verzichten. Ein solcher Fall würde einige Schwierigkeiten mit sich bringen: Die Kinder müssen zur Schule, man selbst zur Arbeit und wer kümmert sich, damit die Familie mit allem versorgt ist? All das schreckt vor einer frühen Buchung ab.

Manche Leistungen vor Ort könnten nicht erbracht werden

Um Infektionsrisiken so gering wie möglich zu halten, könnte es sein, dass einige Hotels nicht alle Leistungen anbieten: Wellnessbereiche, Schwimmbäder oder Saunas könnten geschlossen bleiben, Freizeitangebote nicht angeboten werden. "Es kann auch im nächsten Jahr noch zu gewissen Einschränkungen kommen. Wie die genau sind, ob es sie gibt – das kann keiner sagen. Damit muss man aber einfach rechnen", erklärt RTL-Reiseexperte Ralf Benkö.

Möglicher Kampf um Rückerstattung

Wird das Reiseziel zum Risikogebiet erklärt, müsste eine kostenlose Stornierung ermöglicht werden, da die Gefahr einer Infektion droht. Theoretisch möglich, praktisch aber nicht leicht umzusetzen. Die meisten Reiseveranstalter gehen auf diese Forderung erstmal nicht ein, wie uns zahlreich über die urlaubsretter@rtl.de berichtet wurde. Nicht ausgeschlossen, dass es für die Durchsetzung dieser Forderung zu einem Rechtsstreit kommen könnte.

Schlechte Rückzahlungsmoral

Kredit-Rückzahlung
Immer noch warten viele Kunden von Reiseveranstaltern auf die Erstattung ihrer Kosen für die stornierte Reise
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"Wenn es um Rückzahlungen geht, zum Beispiel wenn man kostenfrei storniert hat, wegen einer Reisewarnung, da haben Reiseveranstalter und Airlines in letzter Zeit nur sehr zögerlich zurückgezahlt", erzählt Ralf Benkö. Mitunter warten Kunden monatelang auf die Erstattung ihrer Kosten. Anstatt die Betroffenen zu informieren, dass dem Konzern keine fristgerechte Erstattung möglich ist, werden viele Kunden von den Veranstaltern hingehalten, vertröstet oder reagieren überhaupt nicht. "Da zeigt sich eine schlechte Zahlungsmoral, und die kann durch den großen Druck auf die Branche bis ins nächste Jahr hineinreichen", so der RTL-Reiseexperte.

Ungeklärte Insolvenz-Situation

25.09.2019, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Eine Maschine der Fluggesellschaft Thomas Cook rollt über das Vorfeld am Düsseldorfer Flughafen. Der Ferienflieger Condor, eine Tochter des insolventen britischen Reisekonzerns Thomas Cook, hatte am Dienst
Erst die kürzliche Pleite von Thomas Cook hat gezeigt, dass der Insolvenzschutz der Bundesregierung nicht ausreicht.
© dpa, Marcel Kusch, mku tba

"Spätestens seit der Thomas-Cook-Pleite ist klar, dass die bisherige Absicherung der Pauschalreise gegen Insolvenz des Veranstalters nicht ausreicht", erklärt Ralf Benkö. Da die Reisebranche von der Coronakrise besonders hart getroffen wurde, ist denkbar, dass einzelne Reiseveranstalter Insolvenz anmelden müssen. Die Bundesregierung will für solche Fälle zwar eine neue Regelung in die Wege leiten, bisher gelten aber noch keine Neuerungen. "Das heißt, wer jetzt bucht, bucht noch zu den alten Bedingungen. Wer noch wartet, könnte vielleicht schon in Genuss der Neuregelung kommen. Das Risiko für Insolvenzen steigt eher, also könnte man vielleicht eine solche Regelung auch wirklich brauchen", so Benkö.

Entscheidung?

So viele Argumente gegen eine Buchung sprechen, so viele finden sich auch auf der Pro-Seite. Womöglich ist es auch eine Charakterfrage: Sind Sie der vorsichtige Typ und rechnen immer eher mit dem Schlimmsten? Dann ist warten wohl die bessere Option. Oder sind Sie mutig und wollen sich die Vorfreude auf den nächsten Urlaub auch nicht durch das Coronavirus nehmen lassen? Dann wagen Sie die Frühbuchung. Mit diesen Tipps sind Sie dabei sogar weitgehend auf der sicheren Seite.