Morddrohungen nach Medienberichten

Impf-Verweigerer entlassen? Pflegedienst-Leiter wehrt sich

Pflegedienst-Leiter René Willmer wehrt sich gegen die Vorwürfe, er habe Mitarbeiter wegen Impfverweigerung entlassen.
© Facebook, keine, Privat/René Willmer

25. Januar 2021 - 11:29 Uhr

Entlassung wegen verweigerter Corona-Impfung?

Ein Pflegedienst aus Dessau hat angeblich sieben Mitarbeiterinnen gekündigt, weil die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollten, meldete der MDR Anfang dieser Woche. Eine Mitarbeiterin hatte sich anonym an den Sender gewandt. Sie behauptete, ihr und ihren Kolleginnen sei ein Ultimatum gestellt worden. Pflegedienst-Chef René Willmer stellt jetzt gegenüber RTL klar: Die Mitarbeiter hatten schon im Vorfeld signalisiert, dass sie nicht mehr für uns arbeiten wollen.

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Es wurden schon Mordrohungen ausgesprochen

Seit einigen Tagen steht das Telefon beim Pflegedienst Conny Willmer nicht mehr still. Viele Anrufer unterstützen Rene Willmer (45) und seine Frau Conny (45), die den Pflegedienst gemeinsam betreiben. Andere Anrufer beschimpfen und beleidigen die beiden. Es gibt auch schon Morddrohungen. "Wir reden ja auch mit den Hass-Anrufern", sagt uns René Willmer, "aber wenn die Anrufer unverschämt werden, legen wir auf."

Der Grund für die Anrufe: Der MDR berichtete in der vergangenen Woche darüber, dass der Pflegedienst sieben Mitarbeiter gekündigt habe, weil sie sich angeblich nicht hatten impfen lassen wollen.

Wochenlange Aufklärungsarbeit

"Das stimmt so nicht", sagt uns Conny Willmer, "die Mitarbeiter wollen sich schon impfen lassen und es wurde deswegen auch niemand entlassen." Ihr Mann René pflichtet ihr bei: "Wir haben nur unsere Pflicht getan, haben fast acht Wochen lang Aufklärungsarbeit geleistet, einen Allgemeinmediziner eingeladen."

Tatsächlich sagten Mitarbeiterinnen dem MDR: "Ich werde mich definitiv gegen Corona impfen lassen, ich wollte einfach nur ein bisschen Bedenkzeit." Eine andere Mitarbeiterin wird so zitiert: "Ich lasse mich auch impfen, aber ich entscheide selbst, wann es so weit ist."

Wenn aber Mitarbeiterinnen allen Ernstes erzählen, sie hätten Angst, dass ihnen durch die Impfung ein dritter Arm wachse oder mit ihr ein Bill-Gates-Chip eingepflanzt werde, dann müsse er sich schon fragen, ob hier die fachliche Eignung überhaupt gegeben sei, sagt Willmer gegenüber RTL.

Geschäftsschädigende und respektlose Äußerungen

Für die Kündigungen seien andere Dinge ausschlaggebend gewesen: Die betroffenen Mitarbeiterinnen hätten sich in dieser Sache geschäftsschädigend und respektlos vor den Mitarbeitern und Patienten geäußert, so Willmer. Die sieben gekündigten Mitarbeiter hätten selbst signalisiert, nicht mehr für diesen Pflegedienst arbeiten zu wollen. Fünf der sieben Mitarbeiterinnen seien in Probezeit gekündigt worden. Bei den anderen beiden sei eine reguläre Kündigung ausgesprochen worden. Das habe eben einfach nicht gepasst, so der Pflegedienst-Chef. "Und jeder weiß, dass überall Pflegekräfte gesucht werden. Deshalb bin ich überzeugt, dass diese Mitarbeiter zeitnah wieder Arbeit finden werden", fügt Willmer hinzu.

Kunden möchten nicht mehr von Ungeimpften gepflegt werden

Abseits von der arbeitsrechtlichen Situation vertritt Willmer die Auffassung, eine allgemeine Impfpflicht sei nicht nötig. Seine Kunden sagen aber allesamt: Wir möchten nicht mehr von Ungeimpften gepflegt werden. "Die alten Menschen haben einfach Angst", erzählt er uns. Sein Pflegedienst sei zurzeit selbst damit beschäftigt, Impftermine für die alten Menschen zu organisieren. "Ich habe Senioren mit Rollator gesehen, die weinend vor dem Impfzentrum standen, da sie keinen Impftermin erhielten", erzählt er.

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