Entgleister Zug in Philadelphia: Hätte ein Zugleitsystem das Unglück verhindert?

15. Mai 2015 - 8:32 Uhr

Zugleitsystem hätte Unglück verhindern können

Ein jahrelanger Streit um das Budget der US-Bahngesellschaft Amtrak war möglicherweise mit Schuld am schweren Zugunglück mit sieben Toten und mehr als 200 Verletzten in Philadelphia. Ein im Nordwesten der USA verbreitetes Zugleitsystem, das Entgleisungen wegen zu hoher Geschwindigkeiten verhindern soll, war an der Unfallstelle nicht installiert. Die als 'Positive Train Control' (PTC) bekannte Technik hätte das Unglück verhindern können, sagte Robert Sumwalt von der Behörde für Transportsicherheit NTSB.

Den Hilfskräften des entgleisten Zuges in Philadelphia bot sich ein schreckliches Bild.
"Diese riesigen Metallfahrzeuge auf dem Kopf liegend, eines davon fast entzweit, ist nahezu unbeschreiblich", so Bürgermeister Nutter.
© REUTERS, LUCAS JACKSON

Die Lokomotive samt sieben Waggons war vor der Entgleisung mit 170 Stundenkilometern unterwegs und laut NTSB damit mehr als doppelt so schnell wie in der scharfen Kurve zulässig. Das GPS-basierte System, das auch Kollisionen verhindern soll, muss laut einem Gesetz von 2008 bis Ende 2015 für Personenverkehr-Strecken im Fern- und Regionalverkehr der USA installiert werden. "Das war seit vielen Jahren auf unserer Wunschliste", sagte Sumwalt.

Zwischen Republikanern und Demokraten tobt seit Mitte der 90er Jahre ein Streit um das Amtrak-Budget. Während die Menschen im Süden und Westen der USA, wo Republikaner vorherrschen, weniger auf die Bahn angewiesen sind, wird das Netz im von Demokraten kontrollierten Nordosten stärker genutzt. Doch nur Stunden nach dem Unfall stimmten die Republikaner im Budgetausschuss des Abgeordnetenhauses dagegen und für eine Kürzung des Amtrak-Budgets um rund 270 Millionen Dollar (238 Mio Euro).

Ermittler untersuchen, warum Zug zu schnell war

Dutzende der insgesamt 243 Insassen des Zuges, darunter fünf Mitglieder des Zugpersonals, werden noch im Krankenhaus behandelt. Andere konnten die Klinik laut CNN bald wieder verlassen. Augenzeugen hatten von blutüberströmten Menschen berichtet, die durch Fenster ins Freie gezogen wurden."Diese Waggons zu sehen, diese riesigen Metallfahrzeuge auf dem Kopf liegend, eines davon fast entzweit, der Motor komplett getrennt, ist nahezu unbeschreiblich", sagte Bürgermeister Michael Nutter.

Rund eine Woche sollen die Ermittler der NTSB vor Ort untersuchen, warum der Zug zu schnell in die Kurve raste. Der Lokführer müsse ein traumatisches Erlebnis verarbeiten, weshalb er noch nicht befragt worden sei, sagte NTSB-Ermittler Sumwalt. Auch die Gleise, Steuerung, Bremsmechanik und Daten des Ereignisschreibers sollen geprüft werden.