Entführung des Milliardärssohns Würth: Mutmaßlicher Kidnapper nach drei Jahren gefasst

15. März 2018 - 13:29 Uhr

Der spektakuläre Fall bewegte die Republik

Dieser Fall bewegte die Bundesrepubik: Im Jahr 2015 wird der geistig behinderte Sohn des Schrauben-Milliardärs und Kunst-Mäzens Reinhold Würth (82) aus einer integrativen Wohngruppe verschleppt. Sein Entführer fährt mit ihm aus dem Örtchen Schlitz im Vogelsbergkreis in den Spessart und bindet den damals 50-Jährigen an einen Baum. Er stellt eine Lösegeldforderung von drei Millionen Euro, gibt die Geo-Daten preis und verschwindet. Zu einer Lösegeld-Übergabe kommt es nicht. Jetzt will die Polizei den Entführer geschnappt haben.   

Wohnung in Offenbach gestürmt - weitere Entführung angedroht

Am Mittwoch stürmten Polizisten in Offenbach eine Wohnung und nahmen einen 48-Jährigen fest. Der Mann stammt laut Staatsanwaltschaft Gießen und Polizei Fulda aus Serbien, die Fahnder sind ihm mit einer Stimmanalyse auf die Schliche gekommen. Der mutmaßliche Täter spricht deutsch mit Balkan-Akzent.

Gegen den 48-Jährigen wurde Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes erlassen. Bei der Pressekonferenz am Donnerstag sagte Daniel Muth von der Kriminaldirektion Osthessen, der Mann habe mit einer weiteren Entführung gedroht und wollte so das Lösegeld schließlich doch noch erpressen. Im April 2017 sei per E-Mail ein weiterer Kontakt zur Familie gesucht worden, teilten die Ermittler mit. Es seien 70 Millionen Euro in Kryptowährung verlangt worden. Der Erpresser habe gedroht, erneut den Würth-Sohn zu entführen oder ein anderes Mitglied der Familie. "Das war für die Familie eine harte Zeit", so Muth.

Zeugin wählte aus Langeweile die Nummer mit dem Sprachmitschnitt

14.03.2018, Hessen, Offenbach: Ein Kameramann filmt ein Hochhaus an der Offenbacher Rhönstraße. Knapp drei Jahre nach der Entführung des Sohns des Industriellen Würth sollen Spezialeinheiten der Polizei am Mittwoch den mutmaßlichen Entführer in dem H
In diesem Haus in der Offenbacher Rhönstraße lebt der mutmaßliche Entführer.
© dpa, Arne Dedert, ade gfh

Der Mann habe nach seiner Festnahme viel geredet, sich aber nicht zur Entführung geäußert. "Er hat zehn Stunden dauergequatscht", meinte Muth. Wie Thomas Hauburger von der Staatsanwaltschaft Gießen sagte, hatte eine Zeugin im Januar dieses Jahres ein Fahndungsplakat der Polizei zu dem Fall gesehen und "aus Langweile die Nummer" der Hotline mit dem Mitschnitt gewählt. Die Stimme habe sie an den Mann erinnert. Er habe zuvor Handwerkerarbeiten in ihrem Haushalt erledigt. Laut Ermittler hat der Gelegenheits-Arbeiter zwei Kinder.

Die Polizei hatte den mutmaßlichen Entführer seit Januar intensiv überwacht und eine große Menge an Informationen ausgewertet. Es hätten allein 60 Millionen Datensätze aus Funkzellen eine Rolle gespielt.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Sohn lebt an geheimem Ort

ARCHIV - 18.06.2015, Hessen, Schlitz: Polizeifahrzeuge stehen vor dem "Hofgut Sassen" in Schlitz. Der Sohn von Schrauben-Milliardär Reinhold Würth war in Osthessen entführt worden, nach kurzer Zeit aber wieder freigekommen. Würth lebt im "Hofgut Sass
Aus diesem Hofgut bei Schlitz wurde der geistig behinderte Sohn des Milliardärs entführt.
© dpa, Arne Dedert, axs rho

Würth und seine Ehefrau waren damals zum Zeitpunkt der Entführung auf einer Geschäftsreise in Griechenland. Die Ermittler nutzten bei der Suche nach dem oder den Tätern auch die Fernsehsendung 'Aktenzeichen XY... ungelöst', um Hinweise aus der Öffentlichkeit zu bekommen. Ende April 2017 zeigten sie den Kriminalfall und präsentierten den TV-Zuschauern auch eine Sprachanalyse.

Die damaligen Erkenntnisse ergaben, dass der Täter wohl aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt, denn er sprach mit deutlichem Akzent. Den Erkenntnissen nach lernte er Deutsch im Rhein-Main-Gebiet. Die Ermittler vermuteten, dass er dort lebt oder arbeitet. Die Analyse ergab ein Alter des Täters zwischen 40 und 52 Jahren. Der Sohn des Milliardärs lebt mittlerweile an einem geheimen Ort.