Schwangerschaft in der Covid-19-Krise

Hat das Coronavirus Einfluss auf die Geburt meines Kindes?

Schwanger in der Corona-Krise: Wie wird meine Geburt jetzt beeinflusst?
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20. März 2020 - 11:47 Uhr

Schwangere stellen sich in dieser Ausnahmesituation viele Fragen

Die Ausbreitung des Coronavirus beeinflusst inzwischen den Alltag eines jeden Einzelnen. Geschäfte schließen, Supermärkte dürfen nur von einer gewissen Anzahl an Kunden gleichzeitig betreten werden und Städte verhängen teilweise Ausgangssperren. Für Frauen, die ein Kind erwarten, ist die Situation ungewiss - denn auch, wenn Schwangere nicht zur Risikogruppe gehören, stellen sich durch die Ausnahmesituation einige Fragen. Kann ich weiterhin dort gebären wo ich will? Wie melde ich mich zur Entbindung an? Diese und weitere Fragen beantwortet Dr. med. Sven Sleeger, Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe in Halle.

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Kann ich weiter zu meiner Hebamme oder meinem Gynäkologen, wenn ich möglicherweise infiziert bin?

"Ganz wichtig! Wie in jeder anderen Arztpraxis sollten Sie bei Verdacht auf eine Infektion oder gar bei Symptomen wie Husten und Fieber vor dem Aufsuchen der Praxisräume den Arzt oder das Praxispersonal telefonisch kontaktieren. Es ist derzeit davon auszugehen, dass bei symptomloser oder symptomarmer Coronavirus-Infektion eine normale Mutterschaftsvorsorge vollkommen ausreichend ist. Sicher fällt es nicht jeder Arztpraxis leicht, die notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen umzusetzen. Derzeit laufen Bemühungen, regionale Frauenarztpraxen zu gewinnen, die diese Schutzmaßnahmen besonders gut realisieren können. Aber nochmals: Sie brauchen keinen Corona-Spezialisten, sondern eine berufserfahrene Frauenärztin und Hebamme!"

Kann ich in der Geburtsklinik meiner Wahl entbinden?

"Klare Antwort: Ja! Jede Geburtsklinik stellt sich aktuell auf bevorstehende Entbindungen von positiv auf Covid-19 getesteten oder erkrankten Schwangeren ein. Zu erwartende seltene, schwer erkrankte Schwangere, solche mit Vorerkrankungen, Schwangerschaftskomplikationen sowie Frühgeburten oder mit Coronavirus-unabhängigen Problemen des ungeborenen Kindes müssen in sogenannten Perinatalzentren entbunden werden."

Wie melde ich mich zur Entbindung an?

"Um während der Corona-Krise die Personenkontakte im Krankenhaus auf das unbedingt erforderliche Maß zu begrenzen, finden aktuell in vielen Geburtskliniken persönliche ambulante Vorstellungen zur Geburtsanmeldung nur bei Bedarf statt. Wir führen in unserer Klinik ab nächster Woche eine Anmeldung über einen Selbstauskunftsbogen und eine Kopie des Mutterpasses durch. Anhand des Fragebogens und des Mutterpasses entscheiden unsere Hebammen und Ärzte, ob eine persönliche Vorstellung erforderlich ist. Wenn das nicht der Fall ist, legen wir eine Geburtsakte an und bitten die Schwangeren, sich bei weiter problemlos verlaufender Schwangerschaft erst mit Wehen, Fruchtwasserabgang oder anderen Besonderheiten im Kreißsaal vorzustellen."

Ist bei einer Coronavirus-Infektion ein Kaiserschnitt erforderlich?

"Klare Antwort: nein! Es gibt derzeit keine Erkenntnisse, dass eine Corona-Infektion einer natürlichen Entbindung entgegensteht. Ich persönlich – aber das ist keine wissenschaftlich begründete Meinung – würde bei einer Corona-Infektion im Interesse des Infektionsschutzes und des Betreuungspersonals lediglich von einer Wassergeburt abraten."