Sie erkannte ihre Großmutter in einer TV-Sendung

Enkelin identifiziert geheimnisvolle Krankenschwester aus dem ersten Weltkrieg

Krankenschwester Olive Buller mit ihren Kolleginnen.
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27. November 2020 - 11:06 Uhr

Die Enkelin war geschockt, als sie ihre Großmutter im TV entdeckte

Bereits 2018 veröffentlichte der britische Sender "BBC" Fotos vergessener Krankenschwestern des ersten Weltkrieges in der TV-Sendung "Antiques Roadshow". Nichtsahnend schaute Carol Jephson aus Canada nun - zwei Jahre später - eine Wiederholung der Show. So berichtet es die "Daily Mail". Als Carol dabei plötzlich ihre eigene Großmutter entdeckt, ist sie völlig schockiert.

Ein Feuer im Krankenhaus vernichtete nahezu alle Hinweise

Es sind Fotos von unbekannten Krankenschwestern, die auf dem Sender "BBC" ausgestrahlt wurden. Frauen, die während des ersten Weltkrieges verwundete und traumatisierte Soldaten in dem Landgut "Wrest Park" in Bedfordshire, England versorgten. Der Besitzer stellte das Gebäude damals als Krankenhaus zur Verfügung.

Lange schien es, als existierten keine Aufzeichnungen darüber, wer die über hundert Krankenschwestern waren und was genau sie in Bedfordshire während des ersten Weltkrieges geleistet hatten. Ein Feuer im Krankenhaus vernichtete 1916 nahezu alle Hinweise.

Deswegen startete die britische Wohltätigkeitsorganisation "Englisch Heritage" 2018 gemeinsam mit der "BBC" einen Aufruf, in der Hoffnung, Angehörige würden die Krankenschwestern endlich identifizieren. Dafür kolorierten sie sogar extra einige der historischen Fotografien.

Eine schwarz-weiße Gruppenfotografie der Krankenschwestern.
Unter anderem wurde auch diese Fotografie von der britischen Wohltätigkeitsorganisation „Englisch Heritage“ koloriert. Die kolorierte Version sieht man oben im Artikel.
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Enkelin erkennt ihre Großmutter sofort

Und nun, zwei Jahre nach dem ersten Aufruf, schaute endlich Carol Jephson eine Wiederholung der TV-Sendung "Antique Roadshow".

"Während der Diskussion über die Geschichte von "Wrest Park" wurden verschiedene Fotos von Krankenschwestern gezeigt, die dort während des ersten Weltkrieges gearbeitet hatten und ich war extrem überrascht, als ich ein Foto meiner Großmutter Olive Buller sah. Ich besitze genau das gleiche Foto von ihr, deswegen habe ich sie sofort erkannt", erklärt die Enkelin gegenüber "English Heritage".

Soldaten schrieben ihrer Großmutter rührende Botschaften

Und Carol besitzt noch weitere Erinnerungen an ihre Oma. Zum Beispiel ein kleines, rotbraunes Poesiebuch, in dem Soldaten Details über ihre Einheit, ihre Wunden und manchmal auch kleine persönliche Nachrichten für Olive Buller hinterlassen hatten. Ein Soldat mit Herzproblemen widmete Olive am 09. November 1915 sogar ein kleines Gedicht. In diesem bezeichnete er sie als "süß wie Zucker" und ihre Anwesenheit als "eine große Freude".

Andrew Hann, ein Historiker der Wohltätigkeitsorganisation "English Heritage", kann den Wert von Krankenschwestern wie Olive heute gut erklären:

"Diese Frauen waren das Rückgrat des Krankenhauses und ein entscheidender Teil der Kriegsanstrengungen. Sie versorgten die Verwundeten mit der dringend benötigten Behandlung, trösteten aber auch die Soldaten, die von den Schrecken des Krieges traumatisiert waren."

Ein altes Buch, in dem etwas Handgeschriebenes geschrieben steht.
Das Büchlein von Krankenschwester Olive, in der ihr die Soldaten Gedichte hinterließen.
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Krankenschwestern bekommen endlich die Anerkennung, die sie verdient haben

Zu der Sammlung von Großmutter Olive Buller gehörten darüber hinaus auch Fotos, die eine informellere Seite des Krankenhauses zeigten: Soldaten, die aus einem Krankenwagen entladen wurden, Matratzen, die über den Terrassengeländern lüfteten oder Ärzte, die mit den Soldaten Karten spielten.

Nachdem Carol ihre Großmutter identifizieren konnte, war es den Historikern nun auch möglich, Namen weiterer Krankenschwestern herauszufinden. "Es ist wunderbar, dass uns all diese Antworten über den Atlantik hinweg erreicht haben und wir sind sehr dankbar, dass Carol auf uns zugekommen ist", gesteht Historiker Andrew Hann.

Und nun – endlich – bekommen all die unbekannten und vergessenen Krankenschwestern die Anerkennung, die diese bemerkenswerten Frauen verdient haben.