"Ich wollte nicht, dass er stirbt"

Tochter ersticht gewalttätigen Vater - Freispruch!

Tochter ersticht Vater und wird freigesprochen - Jessica Breeze tells of 'horrible' ordeal after being cleared of murdering her dad ; KRIMINALITÄT
© Teesside Gazette

13. Februar 2020 - 15:48 Uhr

Jahrelang vom Vater misshandelt

Jessica Breeze wurde als Kind jahrelang von ihrem Vater Colin Brady misshandelt. Mit 19 Jahren stieß sie dem 49-Jährigen ein 18 Zentimeter langes Küchenmesser in den Rücken, er starb. Sie wurde wegen Mordes und Totschlags angeklagt. Vor Gericht gestand sie die Tat. Aber: Sie habe aus Notwehr gehandelt, verteidigte sich die junge Frau. Die Geschworenen im englischen Middlesbrough sahen das auch so - nicht schuldig! Jessica wurde freigesprochen.

Jessica hatte schreckliche Angst vor ihrem Vater

Ihr Vater habe ihre Kindheit ruiniert, sagte die inzwischen 20-jährige Krankenschwester vor Gericht. Der britische Sender "BBC" berichtete über den Fall. Immer wieder habe der Ex-Sträfling sie und ihre Mutter Kelly gequält und verprügelt. Sie hatte schreckliche Angst vor ihrem Vater, deswegen habe sie ihn auch nie angezeigt, sagt Jessica im Prozess aus.

Am 20. Juli 2019 nahm der jahrelange Missbrauch ein tödliches Ende. Am besagten Tag war ein Streit im Haus der Familie im britischen Middlesbrough eskaliert. Der Grund: Jessica hatte sich heimlich mit ihrem Freund getroffen. Als der Vater das herausfand, sei er völlig ausgeflippt. Er habe sie und ihre Mutter geschlagen und gedroht, sie zu töten. "Er hat mir mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen", so Jessica. Sie versuchte durch das Schlafzimmerfenster zu entkommen, erfolglos. Ihr Vater packte Jessica, schmiss sie aufs Bett und würgte sie. "Ich konnte nicht mehr atmen", erzählt sie der Jury.

Immer wieder schrie er: "Du bist eine tote Frau"

Als der Vater von ihr abließ, versuchte sie panisch, mit ihrem Smartphone den Notruf zu wählen. Zwei Ziffern schaffte sie, die letzte konnte sie nicht mehr eintippen. Colin riss ihr das Handy aus der Hand und verschloss die Tür, erzählt sie. Immer wieder schrie er: "Du bist eine tote Frau!" Als er ihr kurz den Rücken zudrehte und Richtung Haustür ging, nahm sie ein 18 Zentimeter langes Messer und stieß es ihrem Vater in den Rücken.

Danach sei er noch herumgelaufen. "Hast du mich erstochen?", habe er sie gefragt. Dann sei er blutend auf dem Sofa zusammengebrochen, berichtet das Portal "Daily Mirror". Selbst, als er regungslos da lag, hatte Jessica noch Angst, sich ihm zu nähern.

Die 20-Jährige verletzte die Lunge ihres Vaters. Der herbeigerufene Notarzt konnte ihn nicht mehr retten, er verstarb wenig später im Krankenhaus. Die Krankenschwester wurde daraufhin verhaftet und wegen Mordes und Totschlags angeklagt. "Ich wollte nicht, dass er stirbt", sagte die junge Frau vor Gericht. "Er war immer noch mein Vater. Ich liebe ihn und wollte nur, dass es aufhört."

Jury: Jessica handelte aus Notwehr

​Im Februar fiel das Urteil: Freispruch. Als die Entscheidung der Geschworenen vor Gericht verlesen wurde, hielt sich Jessica nur die Hände vors Gesicht und weinte. Ihr Anwalt Sean Grainger erklärte später: Die Jury habe akzeptiert, dass sie sich nur verteidigt habe. "Sie wuchs in einer vergifteten häuslichen Umgebung auf, in der sie und ihre Mutter durch ihren Vater körperlichen und seelischen Misshandlungen ausgesetzt waren."

Die Staatsanwaltschaft verteidigte ihre Entscheidung, Anklage wegen Mordes gegen Jessica zu erheben, da sie ihrem Vater in den Rücken gestochen hatte, als der gerade dabei war, das Haus zu verlassen.

Jessica wünscht sich jetzt nur noch einen Neuanfang. "Ich bin froh, dass es vorbei ist", sagte sie, nachdem sie das Gericht verlassen hatte. Die sieben Monate in Untersuchungshaft seien einfach schrecklich gewesen.