Schwere Vorwürfe gegen den Textil-Discounter

Primark-Nagelkleber verätzt 11-Jähriger das Bein

9. August 2019 - 18:27 Uhr

Mädchen erleidet schwere Verbrennungen durch Primark-Nagelkleber

Ob unfaire Arbeitsbedingungen oder mangelhafte Produkte - immer wieder macht die Bekleidungskette Primark negative Schlagzeilen. Jetzt wurde ein Fall aus England bekannt, bei dem ein Kind Gesundheitsschäden durch einen Primark-Artikel davontrug: Die elfjährige Lilly Worsfold erlitt schwere Verätzungen durch einen Nagelkleber. Im Video sehen Sie, wie heftig die chemische Reaktion des Nagelklebers ausgefallen ist.

Nagelkleber brannte Loch durch Leggings

Wie viele Mädchen in ihrem Alter ist auch die elfjährige Lilly aus der englischen Stadt Farnborough Fan der Modekette Primark, die für besonders günstige Produkte bekannt ist. Hier kauft sie sich von ihrem Taschengeld pinke Plastiknägel mit dem dazu passenden Nagelkleber "Brush on Nail Glue".

Als sie mit ihrer Mutter im Auto nach Hause fährt, klebt sich die Schülerin die Nägel auf - und das Unglück passiert: Der Primark-Nagelkleber tropft aus Versehen auf ihre Leggings. Sofort bildet sich eine giftige Rauchwolke, und der Stoff beginnt zu schmelzen. Mutter Louise beschreibt den Schockmoment: "Lilly schrie voller Schmerzen. Ich habe sofort ihre Leggings heruntergezogen", sagt die Kindergartenleiterin im Interview mit der "Sun". Aber es ist bereits zu spät, die Haut an den Oberschenkeln hat chemische Verbrennungen erlitten. Die Verbrennungen sind so schlimm, dass die Ärzte vom "Queen Victoria"-Krankenhaus, wo Lilly derzeit untersucht wird, überlegen, ob eine Hauttransplantation benötigt wird.

"Ich dachte, das Schlimmste, was mit Nagelkleber passieren kann, ist, dass die Finger zusammenkleben - aber nicht, dass sich die Kleidung entzündet und er chemische Verbrennungen hervorruft", so die empörte Mutter zur "Sun". Louise ist dermaßen schockiert, dass sie die Bilder von Lillys Verbrennungen auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht, um andere Primark-Kunden vor dem gefährlichen Produkt zu warnen:

Verbrennungen
Die elfjährige Lilly erlitt durch einen Primark-Nagelkleber schwere Verbrennungen an den Oberschenkeln.
© Facebook/Louise Worsfold

Stellungnahme von Primark

Louise Worsfold und ihr Mann Peter reichen auch bei Primark Beschwerde ein, die sich laut Nachfrage von "Sun" sofort zum Fall äußern:

"Wir nehmen die Sicherheit unserer Kunden und die Qualität unserer Produkte sehr ernst. Dieser Nagelkleber entspricht vollständig den EU-Normen für Sicherheit, Qualität und Produktkennzeichnung. Der Kleber enthält zwei Inhaltsstoffe, die auch häufig in anderen Produkten von uns verwendet werden. Die Inhaltsstoffe sind auf den Produktverpackungen aufgelistet, ebenso wie die erforderlichen Warnhinweise mit möglichen Hautkontakt. Es tut uns sehr leid, von der Erfahrung der Kundin zu hören, und wir stehen in Kontakt mit ihr, damit wir ihre Beschwerde untersuchen können."

Außerdem stehe laut Primark auf der Verpackung, dass der Kleber nicht für unter Zwölfjährige geeignet ist. Daher handelt es sich im Fall von Lilly Worsfold um einen tragischen Einzelfall, das Produkt an sich sei in Ordnung.

Ob der Nagelkleber letztendlich aus dem Sortiment genommen wurde, ist nicht bekannt. Ebenso nicht, ob das Produkt auch in den deutschen Primark-Filialen erhältlich ist.

Das sagt die Expertin zum Nagelkleber-Unfall

Handelt es sich wirklich um einen tragischen Einzelfall? Oder enthält der Primark-Nagelkleber tatsächlich gefährliche Inhaltsstoffe, der zu chemischen Verbrennen führt? Die Kölner Dermatologin Uta Schlossberger ist schockiert, als sie die Bilder von den Verbrennungen sieht:

"Das Mädchen hat ernstzunehmende Verletzungen, hervorgehoben durch Säure, die sich in die Haut eingefressen hat. Normalerweise darf so etwas nicht passieren! Es ist wahrscheinlich nicht untersucht worden, ob die Dosis der giftigen Stoffe, also der Acrylate, die im Nagelkleber enthalten sind, zu viel waren.

Acrylate, die auch in anderen Klebern vorkommen, sind Teile einer Säure. Wenn also im Produkt sehr viele Acrylate drin sind, wirkt das wie eine Säure. Und im Nagelkleber darf die Dosis nicht zu hoch sein, sonst macht es ja auch die Nägel kaputt. Die Frage ist also: Sind wirklich ausschließlich die Inhaltsstoffe schuld? Oder ist auch die Leggings mit schuld, die aus dem Kunststoff Lycra besteht, und ist es so zu einer Reaktion gekommen?"

Das richtige Produkt für ein elfjähriges Kind?

Die Hautärztin weiter: "Auf jeden Fall hat das Mädchen so gravierende Verletzungen, sogenannte Nekrosen, dass es zu einer Narbenbildung kommen wird. Ich muss sagen, ich finde es persönlich viel schlimmer, dass ein elfjähriges Kind bereits regelmäßig Kunsstoffnägel und Nagelkleber verwendet."

Auch wir haben den Versuch mit dem Nagelkleber gemacht. Im Video sehen Sie, wie krass die chemische Reaktion ausfällt, wenn ein Tröpfchen auf ein Stück Textil fällt.