Drogenfarm auf dem Dachboden

Frau lässt Gangster Cannabis anbauen, um Beerdigung ihres Vaters zu bezahlen

Auf dem Dachboden einer Frau aus Bolton (England) haben Ermittler dutzende Cannabispflanzen gefunden (Symbolbild).
© REUTERS, CARLOS JASSO, CJB

16. Oktober 2020 - 17:31 Uhr

Dutzende Cannabispflanzen auf dem Dachboden

Auf dem Dachboden einer Frau aus Bolton (England) haben Ermittler dutzende Cannabispflanzen gefunden, die sie nur aus einem einzigen Grund hatte anbauen lassen: Die Chefin des Schönheitssalons brauchte Geld, um die Beerdigung ihres Vaters zu bezahlen. Behauptete sie zumindest – und stieß beim Richter damit nur teilweise auf Verständnis, wie das Portal "Metro" berichtet.

Chareen Millward (30) gestattete Drogenhändlern den Anbau

Aus Verzweiflung will Chareen Millward (30) gehandelt haben, als sie Drogenhändlern den Anbau in ihrem Haus gestattete. Ihr todkranker Vater Mark war 2019 gestorben, Geld für sei Begräbnis nicht da. Den Deal mit den Kriminellen sah die Mutter einer Tochter offenbar als einzige Chance, doch noch die benötigte Summe aufzutreiben.

England: Cannabis-Farm war von Profis gebaut

Aber die Polizei entdeckte die Cannabis-Farm im November, als sie in Zusammenhang mit einem Einbruch mehrere Grundstücke durchsuchte. Die Ermittler fanden auf dem Dachboden von Millwards Haus 24 Pflanzen – Wert: 12.000 Pfund (etwa 13.200 Euro).

Und die Anlage war offenbar von Profis gebaut worden: Es gab ein Bewässerungs- und Belüftungssystem, Ventilatoren, Zeitschaltuhren und eine ausreichende Beleuchtung. Damit der plötzlich riesige Stromverbrauch nicht auffällt, hatten die Kriminellen sogar die Stromzufuhr zum Haus der 30-Jährigen umgeleitet.

30-Jährige will Pflanzen nur gegossen haben

Wie das geschah und wer dafür verantwortlich ist – dazu schwieg Chareen Millward. Sie beteuerte aber gegenüber der Polizei, sie habe nie Cannabis angebaut oder verkauft, sondern die Pflanzen nur gegossen. In der finanziellen Notlage habe sie sich an "einige Leute, von denen ich wusste, dass sie helfen würden" gewendet. Die hätten die Anlage installiert und als "Lohn" dafür, dass sie auf dem Dachboden wachsen durften, die Kosten für die Beerdigung ihres Vaters übernommen. "Alles, was ich tun musste, war, das Wasser nachzufüllen", erklärte die 30-Jährige. Was sie gemacht habe, tue ihr aufrichtig leid.

Richter hatte nur bedingt Verständnis

Der Richter sagte in der Verhandlung, er habe zwar "jedes Mitgefühl" für Millwards schwierige Situation nach dem Tod ihres Vaters. Allerdings habe sie "eine sehr wichtige Rolle bei der Herstellung von Drogen" gespielt. Er verurteilte die Mutter unter anderem zu 100 Stunden unbezahlter Arbeit und einer "Community Order": einer Art Bewährungsstrafe, bei der der Verurteilte nicht ins Gefängnis, sich aber an Auflagen und Weisungen halten muss.