Britische Wissenschaftler in Sorge

Darum wird die neue Corona-Variante von Forschern genau beobachtet

Vergangene Woche begann in Großbritannien die weltweit erste Massen-Impfung gegen das Coronavirus.
Vergangene Woche begann in Großbritannien die weltweit erste Massen-Impfung gegen das Coronavirus.
© picture alliance / Westend61 | Spectral

15. Dezember 2020 - 19:29 Uhr

Wie gefährlich ist die neue Corona-Variante?

Vergangene Woche begann in Großbritannien die weltweit erste Massen-Impfung gegen das Coronavirus. Eine 90-Jährige aus Nordirland bekam als erste Person das neue Serum von Pfizer/BionTech. Doch nun verbreitet sich in Südengland eine neue Variante von Sars-CoV-2 aus, die vielen Wissenschaftlern Kopfzerbrechen bereitet. Die größte Sorge der Experten: Die neue Sars-CoV-2-Variante dehnt sich offenbar schneller als das Ursprungsvirus aus. Lesen Sie hier, welche zwei Gründe dafür sprechen, dass man die neue Variante besser gut im Auge behält.

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Minister: Corona-Mutation könnte sich schneller verbreiten

Bisher seien rund 1.000 Fälle gemeldet worden, die meisten in Südengland, berichtet der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Zuletzt stiegen die Zahlen in der Region exponentiell an, der Minister vermutet einen Zusammenhang mit dem Auftauchen der neuen Virusvariante. Dies sei aber zum aktuellen Zeitpunkt unklar. Auch, ob die neue Variante Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe hat. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei bereits informiert worden, heißt es. Laut der britischen BBC werde die Mutation von Wissenschaftlern erforscht.

In den vergangenen zwei Monaten sei der neue Virusstamm bei Überwachung des Sars-CoV-2-Erbguts durch das Covid-19 Genomics UK Konsortium aufgefallen, sagte Hancock. Die nachgewiesenen Veränderungen betreffen das Spike-Protein des Virus. Also jenen Teil, der dem Erreger hilft, Zellen zu infizieren.

„Lassen Sie uns nicht hysterisch werden“

Laut Virologen sind Mutationen bei Viren aber ganz normal. Grund zur Panik gäbe es daher nicht, sagt Alan McNally, Forscher an der University of Birmingham. "Lassen Sie uns nicht hysterisch werden", sagt er. Es sei wichtig, eine ruhige und rationale Perspektive auf den Stamm zu wahren. "Viren verändern sich nun mal, und wir erwarten, dass neue Varianten kommen und gehen und mit der Zeit auftauchen." Auch der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs erklärt gegenüber RTL: "Es ist ein völlig natürlicher Vorgang, dass das Virus in Varianten auftritt."

Es ist nicht das erste Mal, dass Wissenschaftler eine Coronavirus-Mutation entdecken. Bereits im Sommer ist eine mutierte Variante des Virus aufgetaucht: 20A.EU1 ist laut Experten für den Großteil der Corona-Neuinfektionen in Europa verantwortlich.

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Wissenschaftler beobachten Mutation sehr genau

Wie Englands oberster Arzt in der BBC mahnt, sei dennoch ein rasches Handeln wichtig. "Wir müssen schnell und entschlossen handeln, was leider absolut notwendig ist, um diese tödliche Krankheit kontrollieren zu können, solange die Bevölkerung noch geimpft wird."

Laut BBC gibt es zwei Gründe, warum die Wissenschaftler die Mutation genau beobachten: Das Virus könnte mutiert sein, um sich noch schneller verbreiten und mehr Infektionen verursachen zu können. "Es ist eine überraschend hohe Zahl an Mutationen, mehr als wir erwartet hatten", sagt Prof. Nick Loman vom Covid-19 Genomics UK Konsortium. Nun seien Laboruntersuchungen erforderlich, um wirklich zu verstehen, was vor sich geht.

Außerdem werfe die Mutation Fragen zum Impfstoff von Pfizer/Biontech, Moderna und Oxford auf, da sie sich an jener Stelle befindet, welche für die Übertragbarkeit des Virus entscheidend ist: An seinem Spike-Protein. Durch die Impfung werden bei Geimpften unter anderem Antikörper gebildet, die sich an das Spike-Protein des Erregers heften und ihn dadurch unschädlich machen. Die Sorge ist nun, dass eine Mutation des Spike-Proteins es für Antikörper schwerer macht, das Virus zu attackieren. Allerdings muss das nicht zwingend der Fall sein: Denn durch eine Impfung lernt das Immunsystem, verschiedene Teile des Spike-Proteins zu attackieren.

Superspreader-Anlässe eher für hohe Zahlen verantwortlich

Es gibt bisher keinen Hinweis darauf, dass das Virus gefährlicher ist als andere Sars-CoV-2-Varianten. Auch ist noch unklar, ob das veränderte Virus sich tatsächlich schneller ausbreitet als seine Vorgänger. Unklar sei etwa, ob eine der Mutationen mit einer reduzierten Erkennung durch das Immunsystem einhergehe. "Das plötzliche Auftreten könnte auch durch Superspreader-Anlässe zu erklären sein", so Neher.

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