Engländerin bekam Sohn nach Straftat: Vergewaltiger soll Umgangsrecht mit Kind kriegen

Eine Mutter und ihr Sohn aus England sollen den Vater, einen verurteilten Vergewaltiger, zurück in ihr Leben lassen.
Eine Mutter und ihr Sohn aus England sollen den Vater, einen verurteilten Vergewaltiger, zurück in ihr Leben lassen.
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27. November 2018 - 14:50 Uhr

Mit 15 Jahren wurde sie vergewaltigt - und davon schwanger

Ihr Sohn ist das Ergebnis einer grausamen Tat: Eine Engländerin wurde von einer Gruppe pakistanischer Männer vergewaltigt, als sie 15 Jahre alt war. Neun Monate später brachte sie einen Sohn zu Welt. Der Vater, einer der Vergewaltiger, sitzt inzwischen im Gefängnis - und soll  tatsächlich nun ein Mitspracherecht in der Kindererziehung haben. Könnte so etwas auch in Deutschland entschieden werden?

"Sie wussten, was er mir angetan hat"

Es ist ein unglaublicher Fall. Die Frau, deren Name, Wohnort und heutiges Alter aus Opferschutzgründen unbekannt ist, sei "wütend" und "ängstlich" über diese Entscheidung gewesen. Laut Informationen der "Daily Mail" haben die Sozialarbeiter des Vergewaltigers angeordnet, dass er seinen Sohn im kommenden Jahr zumindest bei einem Gerichtstermin sehen darf.

Die Verantwortlichen "wussten, was er mir und anderen verletzlichen Mädchen angetan hat", sagte die Mutter laut der "The Times". "Sie wussten, dass er hinter Gittern ist und ein Risiko für meinen Sohn bedeuten würde." Das Kind der jungen Frau wolle zudem nichts mit seinem Vater zu tun haben.

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"In erster Linie zählt das Kindeswohl"

Hintergrund ist, dass der Junge offenbar spezielle Bedürfnisse habe, die bei einem Gerichtstermin besprochen werden müssten. Bei Gericht soll, wenn es nach den Sozialarbeitern geht, dann der verurteilte Vergewaltiger dabei sein - und das obwohl die Mutter ihren Peiniger in der Geburtsurkunde nicht angegeben hat.

Kann so etwas auch in Deutschland geschehen? Eva Becker, zuständig für Familienrecht beim Deutschen Anwaltverein, sagt: "In solchen Fällen kommt es immer auf die genauen Umstände an." Aus der Sicht der Mutter sei ein solcher Fall eine "Zumutung und das Schlimmste, was man sich vorstellen kann", so Becker. "Allerdings kommt es in Sorgerechtfragen in erster Linie auf das Wohl des Kindes an und nicht auf das Wohl der Mutter."

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Englisches Justizministerium prüft den Fall

Sollte ein Umgang mit dem Vater, dem Vergewaltiger, dem Wohl des Kindes entsprechen, sei eine Kontaktaufnahme rechtlich durchaus möglich - "sehr unwahrscheinlich, aber möglich", fügt Eva Becker hinzu. Das gelte sowohl für England als auch für Deutschland.

Die Rechtsanwältin betont aber, dass solche Fälle nicht pauschal bewertet werden könnten: "Das Leben ist bunt. Manchmal so bunt, dass Vergewaltiger Kontakt zu ihren Kindern bekommen."

Louise Haigh, Oppositionspolitikerin mit Schwerpunkt Polizei und Kriminalität, kritisierte den Fall scharf. Man habe dem Vergewaltiger eine Möglichkeit, sein Opfer zu "retraumatisieren", auf dem Silbertablett serviert. "Kein Mann, der ein Kind missbraucht und schwängert sollte das Recht haben, das Sorgerecht zu beantragen."

Inzwischen hat sich auch das Justizministerium von England eingeschaltet und prüft den Fall.