Leuchttürme der Energiewende - Teil 1

Erneuerbare Energien: Ohne Wind und Sonne schaffen wir es nicht

13. Mai 2022 - 9:09 Uhr

von Oliver Scheel

Ohne Energie gehen bei uns die Lichter aus – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber so wie wir unsere Energie weitestgehend erzeugen und nutzen, ist das alles andere als nachhaltig. In nur gut 200 Jahren haben wir Menschen das Klima so verändert, dass es uns mehr und mehr zu schaden droht. Die fortschreitende Erderwärmung ist die größte Gefahr für das Überleben der Menschheit und Millionen weiterer Arten. Also müssen wir sie stoppen. Das geht, indem wir auf das Verfeuern fossiler Brennstoffe verzichten. Wir müssen raus aus Öl, Kohle und Gas. Das kann uns mit der Energiewende gelingen. Was aber sind die Kernpunkte dieser Energiewende, welche tragenden Säulen spielen dabei eine Rolle? Dies wollen wir hier in einer Serie beleuchten.

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Teil 1 :Die Erneuerbaren - Wind, Wasser und Sonne stellen keine Rechnung

Die tragende Säule einer CO2-neutralen Zukunft in Sachen Energie sind die erneuerbaren Energien. Die Erde und die Sonne bieten uns ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten, günstig Energie zu erzeugen, die weitestgehend ohne CO2-Emissionen, also ohne das Treibhausgas Kohlendioxid, auskommt. Da sind zum Beispiel Wind und Sonne, aber auch Erdwärme und Gravitation.

Gegenüber den fossilen Brennstoffen haben sie zwei unschätzbare Vorteile: Sie werden billiger statt teurer und sie sind nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich – die Ressourcen sind enorm. So viel Energie wir auch verbrauchen, es steht immer noch mehr zur Verfügung. Blicken wir an dieser Stelle mal auf die Möglichkeiten, regenerative Energien zu erzeugen.

Bei Verkehr und Wärme sind die Erneuerbaren noch kleine Lichter

Anteil Erneuerbare am Strom
Quelle: Umweltbundesamt

Zunächst einmal müssen wir zwei Sachen trennen: Reden wir von Stromerzeugung, dann spielen die Erneuerbaren schon eine große Rolle. Im Jahr 2021 kamen die erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 41,1 Prozent des Bruttostromverbrauchs. Das kann sich schon sehen lassen. Doch blicken wir auf den gesamten Energieverbrauch Deutschlands, dann werden nur 19,7 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt.

Denn hier spielen noch die Sektoren Verkehr und Wärme, also Heizen, mit und da sind die Erneuerbaren nur ganz kleine Lichter. Im Verkehr wurden 2021 6,8 Prozent mit Erneuerbaren Energien angetrieben, im Wärmesektor waren es 16,5 Prozent. Das zeigt, welch große Wegstrecke wir noch vor uns haben zu einer klimaneutralen Zukunft.

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Biomasse ist die Nummer eins

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Raps dient auch der Herstellung von Bio-Sprit.
© IMAGO/penofoto, IMAGO/Guenter Nowack, www.imago-images.de

Es gibt generell fünf verschiedene Arten der Erneuerbaren Energien: Die bekanntesten sind die Solarenergie und die Windenergie. Darüberhinaus gibt es noch die Wasserkraft, die Biomasse und schließlich die Erdwärme.

Am meisten nutzen wir tatsächlich die Biomasse. Das liegt daran, dass sie sehr vielfältig ist, was die Nutzung und die Produktion angeht. So liefert Biomasse Energie in Form von Wärme, wenn wir Holz oder Pellets verbrennen. Biogas bringt uns Strom und mit Biokraftstoff fahren wir Auto. So hält Biomasse einen Anteil von 55 Prozent an der erneuerbaren Endenergie und liegt damit weit vor der Windenergie, die auf 24 Prozent kommt.

Energiewende kostet Geld – aber alles andere ist noch viel teurer

Wind: Riesen-Potenzial und große Diskussionen

Im Stromsektor sieht das schon anders aus. Da ist Wind die Nummer eins vor der Sonne.

Lese-Tipp: So kann Windkraft naturverträglich ausgebaut werden

Wind hat ein Riesen-Potenzial. Seit Jahrhunderten nutzt der Mensch die Kraft des Windes, denken wir nur an die Windmühlen aus dem Mittelalter. Doch heute polarisiert nichts so sehr wie die Windkraft. Abstandsregeln zu Häusern, Vogelschlag, Insekten und Fledermäuse. Nicht zu vergessen der Lärm und der Schattenwurf der Rotorblätter. Wollen wir Klimaschutz oder Artenschutz? Es gibt unzählige Streitfragen über die Windräder. Das führt dazu, dass derzeit nur 0,8 % der Landesfläche für eine Nutzung durch für Windenergie freigegeben sind.

Windräder ohne Räder? Windstangen – eine pfiffige Idee

Dennoch ist Deutschland ein Windland. Niemand in Europa produziert mehr Energie durch Windkraftanlagen, wir liegen auf Rang eins vor Spanien und Großbritannien. 2020 war der Anteil der Windkraft am Strommix sogar höher als der der Braunkohle. Wenn wir die Ausbauhürden senken, ist die Windenergie ein echter Topf voll Gold für die Energiewende.

Sonne: Viele Ideen , einige Probleme

Baden-Württemberg, Stuttgart: Mitarbeiter der Firma Sontec GmbH montieren Photovoltaikmodule auf dem Dach eines Wohnhauses
Dächer ohne Ende bieten ein riesiges Potenzial für Solarpaneele. die Solarpflicht kann beim Zubau helfen.
© dpa, Marijan Murat, mut rwi

Auch beim Ausbau der Photovoltaik gibt es nur eine Richtung: Nach oben. Die Anzahl der neuen Anlagen wächst und wächst, allerdings muss die Sonne auch scheinen. Aber das tut sie ja auch. Das Gute an der Photovoltaik ist, dass sie immer effizienter und immer billiger wird.

Lese-Tipp: Solarstrom für jedermann – das Balkonkraftwerk

Und wir haben massenhaft Platz für die Solarpaneele. Ob auf den Dächern großer Hallen, überdachte Parkplätze oder eben ganz normal auf den Dächern der Millionen Häuser, die in unserem Land stehen. Die in vielen Bundesländern schon geltende Solarpflicht wird für viel Zubau sorgen. Was wir in jedem Fall nicht tun sollten, ist Wiesen mit Solarpaneelen zuzupflastern. Denn wir haben genügend Dachflächen in Deutschland und wir brauchen unsere Äcker für Nahrungsmittel und Biomasse.

Effektiv und platzsparend: Der Solarzaun

Problematisch: Der Solarboom bringt Lieferengpässe mit sich, in Deutschland fehlen Fachkräfte zum Installieren und es gibt Studien, nach denen das in den Paneelen verbaute Polysilizium aus uigurischer Zwangsarbeit stammt.

Wasserkraft führt ein bisschen ein Stiefmütterchen-Dasein

Die Kraft des Wassers nutzen die Menschen schon seit vielen Jahren – auch zur Stromerzeugung. Bevor Wind- und Sonnenenergie auf die Überholspur gingen, war die Wasserkraft Deutschlands wichtigste regenerative Energie. Erst 2004 wurde sie von der Windkraft abgelöst. 2021 steuerte die Wasserkraft 8 Prozent des regenerativen Stroms bei. Beim gesamten Energieverbrauch sind es vier Prozent. Hier ist das Potenzial überschaubar, Wasserkraft wird am ehesten da genutzt, wo es viel Gefälle gibt, also in den Bergen. Das deutsche Potenzial ist daher begrenzt, aber durchaus vorhanden. Europaweit liegen Norwegen und Österreich auf Rang eins.

Die Stromerzeugung aus Geothermie ist noch kein Faktor.

Im 2. Teil der Serie blicken wir auf die Sparpotenziale in Sachen Energie: Also die Energieeffizienz.

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(osc)