'Energiearmut' in Deutschland? Hunderttausende sind ohne Strom

30. Mai 2014 - 14:36 Uhr

Bund hält Unterstützung für ausreichend

Immer mehr Deutsche können ihre Energiekosten nicht decken. Das hat drastische Folgen, denn wer nicht zahlen kann, sitzt im Dunkeln. Allein 2012 wurde über 320.000 Menschen wegen Zahlungsrückständen die Stromversorgung gekappt, berichtet 'Die Welt' unter Berufung auf die Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei. Sozialverbände und Linke warnen vor zunehmender 'Energiearmut' in Deutschland.

Über 300.000 Deutsche mussten 2012 ohne Strom auskommen.
Wer nicht bezahlen kann, sitzt im Dunkeln: In Deutschland können immer mehr Menschen ihre Stromrechnung nicht begleichen.
© dpa/dpaweb, A3508 Rolf Vennenbernd

2011 hat es den Angaben zufolge rund 312.500 Stromsperren gegeben. Als ein Grund für die gestiegene Zahl der Energiesperren gilt der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien, wodurch die Strompreise steigen. "Es ist absolut unverhältnismäßig, dass Familien wegen ein paar Euro im Dunkeln sitzen müssen", sagte Linksfraktions-Vize Caren Lay dem Blatt. "Stromsperren für Privathaushalte müssen per Gesetz verboten werden", forderte sie. "Wir brauchen außerdem einen Härtefallfonds, der Haushalten mit Zahlungsrückständen kurzfristig unbürokratisch hilft."

Der Präsident des Sozialverbandes SoVD, Adolf Bauer, sagte der Zeitung: "Die Zahlen zeigen, dass Energiearmut wächst." Der SoVD ist für die Einführung von Sozialtarifen für Bezieher niedriger Einkommen. "Wenn das nicht ausreicht, muss auch über einen Energiekostenzuschuss nachgedacht werden." Das Wirtschaftsministerium hält die derzeitige Unterstützung dagegen für ausreichend. "Durch das Sozialrecht wird der Strombedarf von Empfängern staatlicher Transferleistungen angemessen gesichert", schreibt Wirtschaftsstaatssekretär Uwe Beckmeyer (SPD) in der Antwort auf die Linkspartei-Anfrage. Die Grundsicherung für Arbeitssuchende berücksichtige auch die Kosten für den allgemeinen Haushaltsstrom und werde jährlich angepasst.

Im Koalitionsvertrag heißt es, die schwarz-rote Regierung wolle "Regelungen für einen besseren Schutz vor Strom- und Gassperren" erreichen. Als Beispiel wird der "Einsatz von intelligenten Stromzählern mit Prepaid-Funktion" genannt.