Wohin mit unserem Atommüll?

90 Gebiete in Deutschland müssen zittern – eine Region allerdings atmet auf

Bundesgesellschaft für Endlagerung legt Zwischenbericht vor
Bundesgesellschaft für Endlagerung legt Zwischenbericht vor
© dpa, Kay Nietfeld, nie axs

28. September 2020 - 15:49 Uhr

90 Bereiche geologisch günstig

Wenn 2022 das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz geht, müssen insgesamt 1900 Behälter mit Atommüll sicher für Tausende von Jahren irgendwo in Deutschland gelagert werden. Jetzt hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) im ersten Schritt 90 Gebiete für geologisch günstig ernannt. Eine Region in Niedersachsen ist allerdings enorm erleichtert, denn sie ist raus.

Gorleben ist erlöst

28.09.2020, Niedersachsen, Hannover: Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, steht vor der Staatskanzlei bei einem Pressestatement. 90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geolog
Ministerpräsident Stephan Weil zur Endlagersuche
© dpa, Julian Stratenschulte, jst abl

"Das Endlager für Atommüll wird nicht in Gorleben entstehen, das ist aus niedersächsischer Sicht sicherlich das überragende Ergebnis der ersten Stufe in dem Auswahlverfahren für ein atomares Endlager", sagt der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, SPD heute. Damit ist auch der Kampf der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg nach mehr als 40 Jahren Widerstand gegen das geplante Atommüll-Endlager in Gorleben zumindest für ihre Heimat ab heute beendet. Aber sie erklärt sich für andere mögliche Standorte solidarisch: "Aufhören geht nicht, aufgeben übrigens auch nicht", so Wolfgang Ehmke der Sprecher der Bürgerinitiative.

Bayern hält Verfahren der BGE für unglaubwürdig

Geologische Mängel haben den Salzstock aus dem bundesweiten Suchverfahren für ein Atomendlager ausgeschlossen. Gorleben sei nicht der bestmögliche Standort, so Steffen Kanitz, Geschäftsführer der BGE in Berlin. Unter anderem weise der Salzstock ein nicht intaktes Deckgebirge vor, auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort. "Die Herausnahme von Gorleben ist nicht nachvollziehbar. Das weitere Verfahren hat ohne Gorleben ein Glaubwürdigkeitsproblem", kritisiert Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) zwar das Verfahren, aber die BGE weißt die Anschuldigung mit der Begründung zurück, dass die BGE rein wissenschaftlich arbeite.

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Halb Deutschland bietet günstige geologische Voraussetzungen

Kaum ein Bundesland bleibt verschont, denn tatsächlich weist der Bericht 54 Prozent der Landesfläche in Deutschland als Teilgebiet aus. Teilgebiete sollen günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle bieten. Diese Teilgebiete liegen zum Beispiel in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, und Baden-Württemberg, aber auch in den ostdeutschen Ländern. Diese Standorte erfüllen eine gewisse Mindestanforderung, wie etwa eine mindestens 300 Meter dicke Gesteinsschicht bis zur Erdoberfläche und eine ausreichend dicke Schicht aus Kristallin, vor allem Granit, Salz und Ton.

In den nächsten Phasen folgen weitere Eingrenzungen

Noch gibt es keine Vorfestlegung auf einen Standort. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt. Dabei spielen Kriterien wie etwa die Bevölkerungsdichte, Naturschutzgebiete oder Kulturdenkmäler auch eine Rolle. Außerdem folgen noch Erkundungsbohrungen und seismische Messungen des Untergrundes.

2017 wurde das Standortauswahlverfahren für Endlager gestartet. Ziel ist es bis zum Jahr 2031 einen Standort zu finden, in dem hochradioaktive Abfälle in tiefen Gesteinsschichten sicher eingeschlossen werden können.