Mehrere Polizisten bei Klima-Protesten verletzt

"Ende Gelände": Klima-Aktivisten dringen in RWE-Tagebau ein

22. Juni 2019 - 21:27 Uhr

Tausende Demonstranten brechen durch Polizeikette

Schüler, Naturschützer und Aktivisten starteten zunächst mit einer friedlichen Demonstration am Tagebau Garzweiler. Sie fordern die sofortige Abschaltung des dort ansässigen Kohlekraftwerkes. Doch jetzt kam es bei einem der Protestmärsche im rheinischen Revier zu heftigen Ausschreitungen. Aktivisten stürmten nach RTL-Informationen mit Hunderten das Abbaugebiet und verschafften sich so Zugang zum Tagebau bei Erkelenz. Mehrere Polizisten wurden dabei verletzt. 

Rangeleien auf einem Feld

Environmental activists walk amid the red smoke from flares during a protest against the climate change near a pit of Garzweiler open cast brown coal mine near Duesseldorf, Germany June 22, 2019. REUTERS/Thilo Schmuelgen
Die Beamten hatten davor mit allen Mitteln versucht, die "Ende Gelände"-Teilnehmer von der Abbruchkante des Tagesbaus fernzuhalten.
© REUTERS, THILO SCHMUELGEN, MGO/JAS

Es gibt mehrere Demo-Gruppen, sie sind mit weißen Papier-Overrolls bekleidet und tragen Kennzeichnungen wie "Pinker Finger" oder "Roter Finger". Letztere war es, die sich letztendlich in Richtung Abbruchkante absetzte, indem sie an verschiedenen Stellen Polizeiketten durchbrach. Die Beamten hatten davor mit allen Mitteln versucht, die "Ende Gelände"-Teilnehmer von der Abbruchkante des Tagesbaus fernzuhalten. Sie appellierten an die Frauen und Männer stehenzubleiben. Es bestehe Lebensgefahr.

RTL-Reporter Ulrich Klose berichtet aus Garzweiler (NRW)

Polizei meldet mehrere Verletzte

Bei den Auseinandersetzungen kam es auch zu Handgreiflichkeiten. Ein wildes Durcheinander. Während hunderte Aktivisten Felder stürmten, versuchten Polizisten immer wieder einzelne Personen zu überwältigen. Schlussendlich wurden sie aber nicht mehr Herr der Lage. Auf Twitter appellierte die Polizei Aachen für ein friedliches Miteinander. "Bleiben Sie friedlich! Gewalt ist mit dem Aktionskonsens Ende Gelände nicht zu vereinbaren", hieß es in einer Mitteilung.

Die Behörden melden kurz darauf erste Verletzte, ohne Zahlen zu nennen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die selbst mit einer Abordnung am Ort ist, spricht am Nachmittag von mindestens zwei verletzten Polizisten. Die Polizei benutzt ihrerseits Pfefferspray, um Aktivisten zu stoppen.

Ende Gelände dokumentiert die Eskalation

Die Aktivisten wiederum machen auf Twitter Werbung in eigener Sache. Sie filmen ihre Aktionen und dokumentieren ihren Weg in Richtung Tagebau. "Der rote Finger ist auf dem Weg zum Tagebau. Niemand kann uns aufhalten", schrieb eine Aktivistin auf dem Twitter-Account von "Ende Gelände". Angeblich habe der "Goldene Finger" bereits die Grube erreicht.

Der NRW-Chef der GdP, Michael Mertens, spricht von einem "unglaublichen Leichtsinn" der Aktivisten. Die Abbaukanten im Tagebau seien auch deshalb so gefährlich, weil man oben oft gar nicht sehe, wenn darunter gar kein Grund mehr sei. "Da können Sie 40 Meter tief stürzen", so Mertens. Er prophezeite einen "langen Tag" für die Polizei, da das Eindringen in den Tagebau wohl keine Einzelaktion bleiben werde.

"Fridays For Future"-Demo bleibt friedlich

Während die radikaleren Aktivisten den Tagebau stürmen, blieb die "Fridays For Future"-Demo der Schüler hingegen friedlich. Dieser hatten sich am Samstagvormittag auch Familien und ältere Menschen angeschlossen. Sie machten sich am Tagebau entlang auf den Weg in das Dorf Keyenberg - eines der letzten Dörfer im Rheinischen Revier, die für einen Tagebau abgebaggert werden sollen.