Ende der Kältewelle bei Weitem nicht in Sicht

10. Februar 2016 - 13:00 Uhr

-17 Grad und wir sind noch lange nicht am Ende

Hoch 'Cooper' zieht ab, doch sein Nachfolger 'Dieter' ist noch viel gnadenloser. In der letzten Nacht sanken die Temperaturen in Deutschland bis auf -17 Grad. Und eine Ende der Kältewelle ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Es wird in den kommenden Tagen noch kälter.

Torfhaus im Harz
Die knackigen Temperaturen haben natürlich auch schöne Seiten. Wie hier im Harz gibt es traumhafte Winter- und Wetterbilder. Dieser Winter kann sich doch sehen lassen.
© dpa, Holger Hollemann

In der Nacht auf Mittwoch war es auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, mit -17,1 Grad am kältesten. Generell bekamen der Süden und der Osten Deutschlands die heftigsten Temperaturen ab. Am Rande von Vogtland und Erzgebirge liegt Treuen, da war es letzte Nacht -16,8 Grad kalt. In Schmieritz bei Jena wurden -16,7 Grad gemessen.

Doch auch in den Alpen und im Frankenland war es knackig kalt. In Reit im Winkl fiel das Thermometer auf -16,1 Grad, in Hof war man bei minus 15 Grad gut beraten, das Haus nicht zu verlassen. Der wärmste Ort war Viernheim in der Nähe von Mannheim, da blieb die Quecksilbersäule bei 1,2 Grad im positiven Bereich.

Aber: Heute vor einem Jahr war es sogar noch kälter. In Oberstdorf wurden damals -17,3 Grad gemessen. Diese Temperaturen werden wir aber bald knacken: Von Freitag bis Sonntag sind in der Mitte und im Südosten Tiefstwerte bis -25 Grad möglich, in größeren Städten wie z.B Erfurt bis etwa -20. Berlin, Köln, Frankfurt und München werden zwischen -10 und -15 Grad liegen.

Es kommt der Lake Effect - große Neuschneemengen

Dank der trockenen Kälte hält sich das Verkehrschaos in Deutschland in engen Grenzen. Es ist kaum Schnee gefallen, es ist auch nicht sonderlich glatt auf den Straßen. Obdachlose schweben allerdings in großer Gefahr.

Doch vor allem ab der Ostsee kann ein seltenes Wetterphänomen für großes Chaos sorgen: Der 'Lake Effect'. Die sehr kalte Festlandsluft überströmt dabei das im Vergleich zur Lufttemperatur milde Meerwasser und nimmt dabei viel Feuchtigkeit auf. Dauerhafte Schneeschauerstraßen sind dann zu erwarten, die strichweise immer wieder dieselben Küstengebiete treffen und so zu großen Neuschneemengen führen können. Gebiete mit viel und keinem Zentimeter Neuschnee liegen dabei sehr dicht beieinander. Im vergangenen Winter fielen durch dieses Phänomen an einem Tag 30 Zentimeter Schnee in der Lübecker Bucht.

Wegen des starken Frosts mit Temperaturen um -30 Grad sind in der Ukraine in den vergangenen Tagen mindestens 43 Menschen erfroren, teilte das Zivilschutzministerium in Kiew mit. Hunderte liegen weiter mit Erfrierungen in Krankenhäusern. Die meisten Kälteopfer sind Obdachlose. In Polen starben schon 20 Menschen.

In Rumänien sind die Temperaturen auf mehr als -32 Grad gesunken. Der Wert wurde in Intorsura Buzaului in den Karpaten gemessen, berichtete die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax. Er sei der bisherige Frost-Rekord dieses Winters. Im Zentrum von Bukarest fiel über Nacht in vielen Gebäuden zeitweise die Heizung aus, weil der Gasdruck in den Leitungen nachließ. Seit Freitag starben elf Menschen in Polen an Kohlenmonoxidvergiftungen, insgesamt meldete die Feuerwehr 90 Vergiftungsfälle in den vergangenen Tagen. Gründe waren defekte Heizöfen und dass wegen der eisiger Temperaturen nicht ausreichend gelüftet wird.

Und selbst Griechenland ächzt unter der Kälte: Schneeflocken fielen am auf den Akropolis-Hügel, doch der Schnee blieb dort bei etwa ein Grad Celsius nicht liegen. Freiwillige Helfer versorgten in Athen und in anderen Städten Obdachlose mit warmen Getränken, Decken und Schlafsäcken, wie das Fernsehen berichtete. Allein in der 4,5-Millionen-Metropole Athen sind mehr als 20 000 Menschen obdachlos. In Nordgriechenland herrschten in der Nacht zum Mittwoch sogar Temperaturen von bis zu -15 Grad.

Nach starken Schneefällen im Südosten Frankreichs waren mehr als 40.000 Haushalte ohne Strom. Betroffen waren vor allem die Küstenbezirke Var und Alpes-Maritimes sowie die Mittelmeerinsel Korsika, wo 40 Zentimeter Schnee fielen.