Ende der Anhörung: Kommt Pistorius heute auf Kaution frei?

Nach vier Tagen Anhörung soll heute die Entscheidung über den Kautionsantrag von Oscar Pistorius fallen
Nach vier Tagen Anhörung soll heute die Entscheidung über den Kautionsantrag von Oscar Pistorius fallen
© Reuters, SIPHIWE SIBEKO

15. April 2014 - 18:09 Uhr

Offener Schlagabtausch zum Abschluss

Wird der unter Mordverdacht stehende Paralympics-Star Oscar Pistorius auf Kaution freigelassen oder nicht? Nach vier Tagen Verhandlung steht derzeit nur eines fest: Das Magistratsgericht der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria wird die Entscheidung heute verkünden. Zum Abschluss der Anhörung lieferten sich Anklage und Verteidigung noch einmal einen offenen Schlagabtausch. Nachdem Pistorius' Anwälte der Polizei zuvor schwere Mängel bei den Ermittlungen vorgeworfen haben, sind die Chancen des Paralympics-Stars auf eine vorzeitige Entlassung auf Kaution deutlich gestiegen.

Zu Beginn des vierten und letzten Anhörungstages im erneut überfüllten Gerichtssaal stellte Staatsanwalt Gerrie Nel die Frage, warum der Angeklagte nicht nach seiner Freundin Reeva Steenkamp rief, wenn er doch wegen des möglichen Einbruchs Angst um sie hatte. Auch sei es fast unmöglich gewesen, dass der 26-Jährige sich einige Zeit im Schlafzimmer und auf dem Balkon bewegte, ohne zu merken, ob das Model nicht mehr im Bett war. Die beiden hätten laut Anklage aufeinander treffen müssen.

Weiter beharrte Nel darauf, dass bei Pistorius im Falle einer Freilassung akute Fluchtgefahr bestehe. Trotz seiner Bekanntheit und seiner Behinderung dürfe man ihn nicht anders behandeln. Der Leichtathlet habe beispielsweise Zugang zu einem Haus in Italien.

"Wie kann sich ein Mann davonstehlen, der wegen seiner beiden Beinprothesen an jeder Flughafensicherheitskontrolle auffällt?", entgegnete Pistorius' Verteidiger Barry Roux. Unbemerkt könne sich der 'Blade Runner' nirgendwohin bewegen. Das Schlusswort des Anwalts fiel überraschend kurz aus. Seine Argumentation stützt sich unverändert auf die These, dass alles so gewesen sein könne, wie es Pistorius darstellt.

Viele Fragen bleiben offen

Doch Immer noch gibt es im Fall Pistorius viele Ungereimtheiten: Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Pistorius, seine Freundin vorsätzlich ermordet zu haben. Der sechsmalige Paralympics-Sieger sagt, er habe geglaubt, auf einen Einbrecher und nicht auf seine Freundin zu schießen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Streit und vorsätzlichem Mord aus. Für diesen Streit gibt es angeblich auch Zeugen. Nun heißt es aber, diese hätten sich mehrere hundert Meter vom Haus entfernt aufgehalten, und seien nicht glaubwürdig.

Sollte Pistorius wegen Mordes schuldig gesprochen werden, erwartet ihn eine lebenslange Haftstrafe.