Empörung über Erdogans Nazi-Beleidigung: "Ungeheuerliche Entgleisung des Despoten vom Bosporus"

06. März 2017 - 11:37 Uhr

"Infam, abstrus, inakzeptabel"

Die Nazi-Zeit geht weiter in Deutschland - so sieht und sagt es der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Hierzulande reagiert die Politik entsetzt. Lässt sich das zerrüttete Verhältnis zwischen Berlin und Ankara kurzfristig kitten?

Erdogan: "Wenn ich will, komme ich morgen"

In den vergangenen Tagen hatten deutsche Kommunen und Veranstalter mehrere Wahlkampfauftritte türkischer Minister abgesagt - hauptsächlich wegen Sicherheitsbedenken. Dazu sagte Erdogan am Sonntag: "Eure Praktiken machen keinen Unterschied zu den Nazi-Praktiken in der Vergangenheit." Stunden später legte der konservative Politiker mit einer weiteren Bemerkung sogar noch nach. "Ich habe gedacht, der Nationalsozialismus in Deutschland ist vorbei, aber er geht noch immer weiter", sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Nach Erdogans provokanten Nazi-Vergleichen empören sich deutsche Politiker und pochen auf eine Entschuldigung. Erdogans Äußerungen seien "infam, abstrus, inakzeptabel und aufs Schärfste zurückzuweisen", sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) in der ARD-Sendung 'Anne Will'. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sprach in der der 'Passauer Neuen Presse' von einer "ungeheuerlichen Entgleisung des Despoten vom Bosporus" und verlangte eine Entschuldigung.

Zu Berichten, dass er einen Auftritt in Deutschland plane, sagte Erdogan Anadolu zufolge: "Wenn ich will, komme ich morgen. Ich komme, und wenn ihr mich nicht hereinlasst oder mich nicht sprechen lasst, dann werde ich einen Aufstand machen." Die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen sagte, Erdogan betreibe eine Verharmlosung des Faschismus. "Wenn etwas hier irgendwie an den früheren Faschismus erinnert, dann ist das doch die Methode Erdogans: Nämlich Journalisten, Presse und auch die Opposition auszuschalten, seine Gewaltpolitik und gleichzeitig auch die Säuberung des Staatsapparates und seine Hetztiraden." Die Bundesregierung müsse endlich "eine rote Linie ziehen".

Erdogan strebt ein Präsidialsystem an, das ihm deutlich mehr Macht verleihen und das Parlament schwächen würde. An der Volksabstimmung dazu am 16. April können auch im Ausland lebende wahlberechtigte Türken teilnehmen, darunter rund 1,41 Millionen in Deutschland. In dieser Woche will sich Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel treffen.