Martina Fjallberg auf der Klimakonferenz

Emotionaler Appell einer Samin: "Mein Volk stirbt - ich möchte meinen Winter zurück"

13. Dezember 2019 - 14:18 Uhr

Samin Martina Fjallberg: "Bin hier, um euch mitzuteilen, das mein Volk stirbt"

Eine junge Aktivistin der Samen hat auf der Klimakonferenz in Madrid einen ergreifenden Appell an die Welt gerichtet. "Ich bin hier, um euch mitzuteilen, dass mein Volk stirbt. Unsere Rentiere sterben. Unsere Sprache. Aber niemand hört uns zu in Schweden, wir werden ignoriert", sagte Martina Fjallberg von der Samischen Delegation der "Students on Ice".

"Unsere Rentiere können kein Eis essen"

Svalbard reindeer (Rangifer tarandus platyrhynchus) in snow, Svalbard, Norway. April. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY 1518072 EspenxBergersen
Rentiere brauchen Schnee zum Leben - und die Menschen auch.
© imago images / Nature Picture Library, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der Klimawandel geht in der Arktis noch schneller vonstatten als im Rest der Welt. Die indigenen Völker dort stehen vor großen Herausforderungen. "Versteht ihr, früher war im Winter immer Schnee. Aber jetzt ist da nur noch Eis. Aber unsere Rentiere können kein Eis essen. Sie kommen durch das Eis nicht an die Flechten und Moose", erklärte Fjallberg. "ich möchte meinen Winter zurück. Für unsere Rentiere, für unsere Kultur."

Das Beispiel mit dem Eis, das die Rentiere am Fressen hindert, ist ein guter Beleg, wie schnell der Klimawandel die Menschen treffen kann und wie schnell er das Leben grundlegend ändert. Aber die schwedische Regierung tue nichts für die Samen: "Sie sitzen in ihren tollen Appartements in Stockholm und ihr einziges Problem ist, ob sie auf ihrer nächsten Skitour auch genügend Schnee haben. Aber ich brauche den Schnee zum Leben", rief sie.

"Wir leben mit der Natur, nicht gegen sie - also hört uns zu"

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Rob Comeau: "Wir haben mit die höchste Selbstmordrate der Welt"

Der kanadische Aktivist Rob Comeau, selbst ein Inuit, führte die Probleme der Naturvölker in der Arktis weiter aus: "Wir haben mit die höchste Selbstmordrate der Welt. Unsere Leute haben zunehmend mentale Probleme. Also kümmert euch um uns", sagte er.

Fjallberg kritisierte die westliche Kultur und die Ignoranz gegenüber Naturvölkern. "Das Wissen von uns Indigenen wird viel zu wenig beachtet. Es ist so falsch, dass ich zur Schule gehen muss, meinen Abschluss mache, um dann zu studieren. Erst dann hört man mir zu. Wir haben aber doch schon all das Wissen. Wir leben mit der Natur, nicht gegen sie", sagte die junge Samin.

"Ihr könnt so viel von uns lernen. Unser Wasser ist unser Kind. Unsere Tiere sind unsere Kinder. Wir akzeptieren sie als Lebewesen", ergänzte Comeau. 

"Wir wollen nicht in Parteien getrennt werden - das ist euer Ansatz"

Fjallberg beklagte, dass die Samen ihre Anliegen vor Gericht bringen müssten, ehe man sie beachte. "Aber wir sind doch die, die auf diesem Land leben, das sich so schnell verändert." Den westlichen Politikansatz verstehen die Samen einfach nicht. "Wir haben ein Samisches Parlament, ja. Aber das funktioniert nicht. Wir alle sind Samen, wir sind ein Volk. Wir wollen nicht in verschiedenen Parteien getrennt werden. Das ist euer Ansatz von Demokratie. Aber wir brauchen das nicht. Die Samen machen das auf ihre Weise. Aber man muss uns zuhören."