„Mir gefällt nicht, was Sie da direkt vor mir gemacht haben“

Emmanuel Macron legt sich in Jerusalem mit der Polizei an

22. Januar 2020 - 22:55 Uhr

Macron wirft zwei Sicherheitsbeamte aus einer Kirche

Bei einem Besuch in der Altstadt von Jerusalem ist der französische Präsident Emmanuel Macron laut geworden und hat den israelischen Sicherheitskräften deutlich die Meinung gesagt. "Mir gefällt nicht, was Sie da direkt vor mir gemacht haben", schimpft Macron, wie wir im Video zeigen. Offenbar regte er sich auf, weil ein Beamter die St.-Anna-Kirche betrat, die im französischen Nationalbesitz ist. Die Kirche zu schützen, ist darum Aufgabe Frankreichs.

Die Kirche ist in französischem Nationalbesitz

"Jeder kennt die Regeln", rief Macron auf Englisch mit erhobener Stimme. Die würden seit Jahrhunderten gelten. "Sie werden sich mit mir nicht ändern", stellte der Präsident klar und warf die israelischen Beamten aus der Kirche, die von einem französischen Orden betreut wird. "Niemand muss hier provozieren, niemand! Okay?"

Französischen Medienberichten zufolge waren die Sicherheitskräfte Macrons zuvor mit den israelischen Kollegen aneinandergeraten, als diese die Kirche betreten wollten. Der Präsident regelte die Angelegenheit dann offenbar kurzerhand selbst. Nachdem Macron laut wurde, verließen die israelischen Beamten das Gebäude. Die Lage habe sich dann wieder entspannt und der französische Präsident setzte seinen Besuch fort. Élyséekreise bestätigten den Vorfall.

Macron entschuldigte sich für die Auseinandersetzung

Inzwischen hat sich der französische Präsident für den Zwischenfall entschuldigt. Ein Sprecher der israelischen Polizei sagte, Macron sei bei dem Besuch der Kirche von zwei israelischen Sicherheitsleuten begleitet worden. Das sei im Vorfeld so abgesprochen gewesen.

Macron ist anlässlich des Internationalen Holocaust-Forums nach Israel gereist. Staatsgäste aus fast 50 Ländern nehmen am Donnerstag an einer Holocaust-Gedenkveranstaltung in Jerusalem teil, unter ihnen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Anlass ist der 75. Jahrestag der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee. In Jerusalem herrschen wegen des größten Staatsereignisses in der Geschichte des Landes strikte Sicherheitsvorkehrungen mit starker Polizeipräsenz.