Aachen: Vision für Europa - Emmanuel Macron erhält den Karlspreis

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, spricht bei einer Pressekonferenz (Archivbild)
Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, spricht bei einer Pressekonferenz (Archivbild)
© deutsche presse agentur

10. Mai 2018 - 8:38 Uhr

Macron hat eine "kraftvolle Vision von einem neuen Europa"

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron erhält für seine Verdienste um die europäische Einigung in Aachen den Internationalen Karlspreis. Das Karlspreis-Direktorium würdigt Macrons "kraftvolle Vision von einem neuen Europa" und seinen Kampf gegen Nationalismus und Isolationismus. Ausgezeichnet wird Macron als mutiger Vordenker für die Erneuerung des europäischen Traums, wie es in der Begründung hieß.

Macron hofft auf die Bundesregierung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird die Laudatio halten. Der Élyséepalast hatte angekündigt, Macron werde sich in seiner Rede dem Europa des Jahres 2030 oder 2050 zuwenden. Das war allerdings vor dem Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran und der Erklärung Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens, trotzdem daran festhalten zu wollen.

In einem Interview der ARD-'Tagesthemen' und der Deutschen Welle plädierte Macron für eine Erweiterung der Vereinbarung. Die Europäer blieben in dem Abkommen, weil es für die Stabilität im Nahen Osten wichtig sei. Man müsse aber den Ansatz erweitern um Themen wie ballistische Raketen. Dazu hätten Deutschland, Frankreich und Großbritannien ihren Außenministern das Mandat gegeben.

Bei den EU-Reformen hofft Macron auf die Bundesregierung. Frankreich nähere sich mit Reformen des Arbeitsrechts und Branchentarifen dem deutschen System. "Frankreich wandelt sich." Das müssten die Deutschen erkennen, sagte er in dem Interview. Man müsse Tabus überwinden. Deutschlands Tabu seien die Transferleistungen. Die Vorstellung, dass Deutschland immer zahle, sei absolut falsch, so Macron. In der Finanzkrise habe jeder nach seinem Anteil beigetragen, anderen zu helfen, auch Frankreich.

Deutsche schätzen Macrons Europa-Pläne

Macron ist ein Jahr im Amt. Er erhält einer Umfrage zufolge in Deutschland viel Zustimmung für seine Vorhaben. 82 Prozent der Deutschen finden es gut, dass er die EU mit einer Reihe von Vorschlägen voranbringen will, wie der neue 'Deutschlandtrend' von Infratest dimap für die ARD zeigt. Dieses Engagement vermisst die Mehrheit der Befragten dagegen bei der Bundeskanzlerin. 58 Prozent wünschten sich demnach, dass sich die CDU-Chefin mit mehr Leidenschaft für die EU einsetzt. 38 Prozent sehen das anders.

Der langjährige Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, mahnte die Kanzlerin, stärker auf Macron zuzugehen. Man habe in den Verhandlungen über eine große Koalition das Thema Europa im Koalitionsvertrag "nicht umsonst an die erste Stelle gesetzt", sagte der SPD-Politiker.

Quelle: DPA