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Emily muss fälschlicherweise in Psychiatrie, denn Ärzte erkennen ihre wahre Krankheit nicht

Fälschlicherweise in Psychiatrie eingewiesen: Emily Gavigan hat seltene Autoimmunerkrankung

Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis: tödliche Autoimmunkrankheit

Es ist eine selten auftretende und selten erkannte Autoimmunkrankheit, die erst seit 2007 einen Namen hat: die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis (NMDARE). Betroffene verändern plötzlich ihren Charakter, werden depressiv oder leiden unter Verfolgungswahn. Nach und nach kommen körperliche Beeinträchtigungen hinzu. Oft werden die Anzeichen fehlgedeutet. Patienten landen in der Psychiatrie, obwohl sie nicht psychisch, sondern physisch krank sind. Genau das passierte auch der damals 19-jährigen Emily Gavigan aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania.

Symptome: Depressionen, Halluzinationen und Gedächtnisverlust

Die Abbildung zeigt, wie das zentrale Nervensystem vom Gehirn über das Rückenmark automatisch ablaufende Körperfunktionen steuert.
Bei der NMDARE greifen Antikörper das eigene Gehirn an
picture-alliance / dpa, Wissen Media Verlag

Menschen, die unter NMDARE leiden, sind oft nicht von psychisch kranken Menschen zu unterscheiden. Viele Symptome wie Depressionen, Gedächtnisverlust und vor allem Halluzinationen treten in beiden Fällen auf. Während psychisch kranken Patienten jedoch mit Psychopharmaka geholfen werden kann, verschlimmern die Medikamente den Zustand der NMDARE-Betroffenen. Eine korrekte Diagnose und die vergleichsweise einfache Behandlung durch Steroidhormone können deshalb Leben retten, berichtet die 'Ärztezeitung'.

Bei NMDARE greifen Antikörper das eigene Gehirn an. Für Autoimmunkrankheiten ist der Angriff auf den eigenen Körper typisch. Bei den Betroffenen kommt es zu geistigen aber auch körperlichen Veränderungen wie Taubheitsgefühle und Sprachverlust. Ohne richtige Behandlung endet die Krankheit oft tödlich.

NMDARE-Betroffene meist weiblich

NMDARE tritt häufiger bei jungen Frauen auf. Nur etwa 10 bis 20 Prozent der Patienten sind männlich. Auffällig ist, dass viele NMDARE-Betroffene ein Teratom im Bereich des Gehirns haben. Teratome sind Geschwülste, die wie jeder andere Tumor auch, gut- oder bösartig sein können. Entfernt man den Tumor, sind die Heilungschancen des Patienten vergleichsweise gut. Paradoxerweise wird es für die Patienten viel gefährlicher, wenn Ärzte keine Auffälligkeiten wie Geschwülste entdecken. Denn körperliche Krankheiten werden dann ganz schnell ausgeschlossen - so auch NMDARE. Dabei ist das ein großer Fehler, wie sich in der tragischen Geschichte von Emily Gavigan zeigt. Wie CNN berichtet, konnte die junge Frau nach langem Krankheitsverlauf nur durch einen Zufall vor dem Tod bewahrt werden. Die unglaubliche Geschichte erfahren Sie im Video.