EM-Qualifikation

Arbeitssieg in Nordirland: Was schon gut lief – und was nicht

© imago images / Revierfoto, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

11. September 2019 - 11:01 Uhr

Deutschland hat das WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland 2:0 gewonnen. Wir analysieren, was die Mannschaft in Belfast gut gemacht hat und welche Baustellen sie dringend beseitigen muss.

Das lief gut:

Der Wille stimmte insgesamt

Ja, es hat geholpert. Ja, die Mannschaft hat sich enorm schwergetan, ins Spiel zu kommen. Dennoch: Die Jungs von Bundestrainer Joachim Löw haben nach der bitteren Niederlage gegen Holland insgesamt die richtige Reaktion gezeigt. Sie arbeiteten und gewannen das Spiel. Damit haben sie den Arbeitsauftrag erfüllt. Deutschland ist vorerst Gruppenerster.

Auf den Keeper ist Verlass

Manuel Neuer ist da, wenn das Team ihn braucht. Das hat der 33-Jährige in Nordirland erneut bewiesen. Der Münchner, der sein 90. Länderspiel absolvierte und damit mit Rudi Völler gleichzog, parierte den Schuss von Conor Washington (7.), der nach einem Fehlpass von Toni Kroos allein vor dem Tor aufgetaucht war. Stichwort Fehlpass: Die Mannschaft muss dringend auch daran arbeiten!

Individuelle Klasse ist da

Wenn es nicht läuft, hilft ein individueller Geniestreich. In Belfast war es der Leipziger Marcel Halstenberg, der so einen hatte. Mit seinem Traumtor leitete er den Sieg ein. Für RTL-Experte Jürgen Klinsmann war der 27-Jährige der Spieler des Spiels.

Das muss besser werden:

Der Spielaufbau unter Druck

Phasenweise erinnerte das Spiel in Belfast an einen Spielhallen-Flipper. Der Ball sprang von hier nach da und dann wieder zurück. Der deutschen Mannschaft gelang es einfach nicht, den Ball unter Kontrolle zu bekommen. Und wenn sie ihn mal hatte, blieb den Verteidigern oft nichts anderes übrig, als ihn nach vorne zu schlagen. Matthias Ginter kann ein Liedchen davon singen. Der Spielaufbau unter Druck muss besser werden. Auch generell ist spielerisch noch eine Menge Luft nach oben. Die europäische Spitze ist momentan etwas enteilt.

Das Tempo-Spiel 

Die deutsche Mannschaft hat das, was ein Team haben muss, das in die Weltspitze will: Jungs, die flott auf den Beinen sind. Immer wenn die Mannschaft in Belfast ins Laufen kam, wurde es gefährlich. Timo Werner, Marco Reus, Julian Brandt und auch Serge Gnabry lassen die meisten Gegner im Sprint alt aussehen. Eine absolute Waffe der Mannschaft, die sie aber noch gezielter auf die Strecke bringen muss. Die Leistung aus ihren Vereinen können manche Spieler (Reus) bei Jogi nicht abrufen.

Die Effizienz

Jogi Löw brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: Die Mannschaft hätte früher den berühmten Deckel draufmachen müssen. Sie muss lernen, Spiele zu entscheiden, wenn sich Möglichkeiten auftun. In Belfast gab es etliche davon, vor allem in Halbzeit zwei. Erst ließen Marco Reus und Lukas Klostermann eine Doppelchance aus (50.), dann scheiterten Serge Gnabry (52.) und Timo Werner (53.), später dann Kai Havertz (69., 84.). Der erlösende Treffer gelang erst in der Nachspielzeit. Dieses Mal ging das noch gut. Es ist sicher auch eine Sache der Erfahrung. Deutschland hat nur wenige Spieler, die international auf allerhöchstem Niveau erfahren und entsprechend abgezockt sind.