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„Elvis“-Filmkritik: Sein Hüftschwung lässt Höschen regnen - Kinostart: 23. Juni 2022

Kann Austin Butler Elvis?

„Elvis“-Filmkritik: Sein Hüftschwung lässt Höschen regnen - Kinostart: 23. Juni 2022

Austin Butler als Elvis: Gleich fliegen hier die Schlüpfer
Austin Butler als Elvis: Gleich fliegen hier die Schlüpfer.
Warner Bros. Entertainment GmbH

Von Mireilla Zirpins

Um’s gleich klarzustellen: „Elvis“-Hauptdarsteller Austin Butler ist dem „King“, pardon, Elvis Presley nicht wie aus dem Gesicht geschnitten, die Ähnlichkeit hält sich trotz gelackter Tolle in Grenzen. Aber der Hüftschwung und die Power kommen authentisch rüber. Reicht das, um ein Elvis-Biopic von zweieinhalb Stunden zu tragen? Regie führt Baz Luhrmann, der schon „Romeo & Julia“ und „Moulin Rouge“ oder zuletzt 2013 „The Great Gatsby“ zu knallbunten Pop-Spektakeln verarbeitete.

Elvis ist Eye-Candy mi vielen hübschen Einfällen - zumindest am Anfang

Tom Hanks als Elvis-Manager "Colonel" Tom Parker
Tom Hanks als Elvis-Manager "Colonel" Tom Parker.
Warner Bros. Entertainment GmbH

Auch „Elvis“ ist Eye-Candy in bester Luhrmann-Manier: Eine immer schneller drehende Schallplatte zieht uns rein ins Geschehen um den kleinen Elvis, der am liebsten ein Superheld wäre und immerhin Superstar wird. Die Story startet auf einem Kuriositäten-Jahrmarkt, wo der schmierlappige selbst ernannte „Colonel“ Tom Parker (fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt von Fatsuit und Maske: Tom Hanks) den jungen Elvis „entdeckt“ und in seine gierigen Fänge nimmt. Die älteren von uns wissen, wie’s weitergeht.

Elvis Presleys Leben: die Kurzfassung

Für die jüngeren hier die Kurzversion: Elvis wächst in Armut im US-Süden auf. Inspiriert von der Blues-Musik der Black Community findet er seinen eigenen Stil: Rock’n Roll mit ekstatisch-eindeutigem Hüftzucken, bei dem selbst seine gelackte Tolle aus der Form gerät. Die Mädels werfen entrückt Schlüpfer. Militärdienst in Deutschland, wo er seine künftige Ehefrau Priscilla (Olivia DeJonge) aufgabelt. Zurück in den USA Chart-Hits, Filmvertrag in Hollywood, dann ein Karriereknick, ein sensationelles Comeback und der traurige Abstieg mit Anfang 40. Das Ganze erzählt in einer klassischen Rückblenden-Struktur, aber optisch so opulent wie immer bei Baz Luhrmann.

Lesetipp: Elvis Presley: Unglauliche Fakten über den „King“

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Kaum zu erkennen: Tom Hanks als übergewichtiger Manager

Anders als in vielen anderen Biopics ist hier die Perspektive. Erzählt wird ausgerechnet aus der Sicht des Colonels, und der ist der Bösewicht der Story und ein unzuverlässiger Erzähler. Es ist ein Wunder, dass Schauspiel-Veteran Tom Hanks als aufgedunsener Raffzahn mit seinem listigen Blick, seiner Nasenprothese und seinem schrägen Akzent – der echte Tom Parker wurde in den Niederlanden geboren – Austin Butlers Elvis nicht die Show stiehlt.

Austin Butler bringt Elvis auch ohne allzu große Ähnlichkeit gut rüber

Den 30-jährigen Kalifornier kennen aufmerksame Zuschauer vielleicht als Sebastian aus „The Carrie Diaries“ oder als Sekten-Macker Charles „Tex“ Watson in Quentin Tarantinos „Once Upon A Time in Hollywood“. Butler gibt sich alle Mühe, gegen das Hollywood-Schwergewicht Hanks anzuspielen. Und in der Tat: Unsere Aufmerksamkeit gehört ganz ihm, sobald er als Elvis in bonbonbunten Anzügen die Bühne zum Beben bringt und sein Becken lasziv gegens Mikro schubbert. Was die Fans an Elvis fanden, bringt Austin Butler gut rüber, auch wenn seine Stimme als älterer Mann mit der des echten Elvis aufgedoppelt wird.

Nur der Colonel ist aufgedunsen, Elvis am Ende nicht so sehr

So gut sich Austin Butler als sexy Posterboy mit kokettem Augenaufschlag auf der Bühne auch macht, so sehr enttäuschen doch die letzten Jahre des King of Rock’n Roll, die sehr oberflächlich gestreift werden. Das geht aber aufs Konto der Regie. Während Elvis‘ legendäre Weihnachts-Comeback-Show im TV und der Abstieg des Colonel viel Screentime bekommen, werden die letzten Stationen in Elvis‘ Leben oberflächlich und unkritisch abgehakt. Wer Bilder des „echten“ Elvis kurz vor seinem Tod mit 42 kennt, weiß, dass er fast so voluminös war wie Tom Hanks als Colonel. Diesen Anblick erspart Luhrmann uns. Eingefleischte Elvis-Fans werden es ihm danken.

Und was ist mit Elvis' berüchtigtem Faible für minderjährige Mädchen?

Elvis und die blutjunge Priscilla, seine spätere Ehefrau
Elvis und die im wirklichen Leben blutjunge Priscilla, seine spätere Ehefrau.
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Elvis wurde eine ausgeprägte Vorliebe für extrem junge Mädchen nachgesagt. Mh, das ausschweifendste Sexleben hat er im Film mit seinem Mikrofonständer. Die wenigen Frauen, mit denen wir ihn harmlos in Aktion sehen, muten volljährig an. Zur Erinnerung: Priscilla war 14, als der 24-Jährige was mit ihr anfing. Und da war sie wohl nicht die einzige. Seine späteren (erwachsenen) Freundinnen werden aber auch weitgehend ausgespart. Die dominante Beziehung ist Elvis’ Hassliebe zum schmierigen Colonel.

„Elvis“ überzeugt eher als Musikfilm denn als Biopic

Als Biopic ist „Elvis“ sicher kein Vergleich mit dem charmanten Elton-John-Movie „Rocketman“ oder dem experimentellen Bob-Dylan-Movie „I’m Not There“. Aber als elektrisierende Musikrevue funktioniert’s ziemlich gut, und zwar trotz der 160 Minuten Spielzeit.