Elternzeit-Studie zeigt: Vor allem junge Eltern haben Angst vor zu langer Babypause

Immer weniger junge Eltern nutzen ihre volle Elternzeit.
Immer weniger junge Eltern nutzen ihre volle Elternzeit.
© detailblick - Fotolia

07. August 2017 - 18:16 Uhr

Deutschland nicht ausreichend kinderfreundlich?

Laut der aktuellen Studie 'Statista Baby Umfragen 2017' nutzen immer weniger Eltern ihre volle Elternzeit. Als Grund geben drei Viertel der Befragten 'fehlendes Geld' an. Aber auch Angst vor dem Arbeitgeber oder Jobverlust spielen eine große Rolle bei der Entscheidung. Insgesamt ist das Ergebnis der Umfrage eher beunruhigend - zeigt es doch, dass Deutschland möglicherweise nicht ausreichend kinderfreundlich ist.

Top-Grund für kurze Elternzeit: finanzielle Schwierigkeiten

Viele Eltern fürchten sich vor finanziellen Schwierigkeiten während ihrer Elternzeit. Deshalb überlegen sie sich ganz genau, wie sie die Babypause (untereinander) aufteilen. Welche Lösung bringt am meisten Geld? Welcher Arbeitgeber ist toleranter – der der Frau oder der des Mannes? Habe ich anschließend noch einen Job? Diese und viele weitere Fragen stellen sich Paare und Alleinerziehende.

Auffallend ist, dass sich vor allem jüngere Eltern vor einer 'zu langen Elternzeit' scheuen. 37 Prozent der Frauen und 71 Prozent der Männer trauen sich nicht, mehr als zwölf Monate ihrem Arbeitsplatz fernzubleiben. Einige Frauen und die Hälfte aller Männer würden sogar nur maximal sechs Monate in Elternzeit gehen. Dabei haben frischgebackene Eltern ein Recht auf volle drei Jahre Babypause.​

Darum trauen sich Eltern nicht, ihre volle Elternzeit zu nehmen

Oft finden Eltern kurz nach der Geburt ihres Kindes einen Kompromiss in Sachen Elternzeit. Beispielsweise geht jeder fünfte Mann und jede dritte Frau nur in Teil-Elternzeit. 25 Prozent der befragten Frauen und sogar 37 Prozent der Männer geben an, dass sie während der Elternzeit in Voll- oder zumindest Teilzeit arbeiten. Würden sie die volle Elternzeit in Anspruch nehmen, die ihnen rechtlich zusteht, bekämen sie zu wenig Geld.

Jeder Vierte gibt an, dass er seinen Job vermissen würde und deshalb keine oder nur kurze Elternzeit beansprucht. Beunruhigender ist die Zahl der Befragten, die Angst vor einer negativen Reaktion ihres Arbeitgebers haben. Jeder dritte ist von dieser Angst betroffen und befürchtet außerdem, dass er nach einer langen Elternzeit arbeitslos ist. 22 Prozent der Männer und drei Prozent der arbeitstätigen Eltern machen deshalb gar keine Pause. Sie suchen sich jemanden, der sich um ihren Nachwuchs kümmert.

Die Umfrage zeigt: Je jünger die Eltern, desto weniger Elternzeit beanspruchen sie und umso mehr Druck baut sich offensichtlich bei ihnen auf – eine Entwicklung, die beunruhigt. Schließlich sind Kinder unsere Zukunft.