Eltern sauer, Kinder traurig: Weihnachtsmann von Pfarrerin verraten

Der Weihnachtsmann: Nur eine Fantasiegestalt?
© dpa, Z1022 Patrick Pleul

19. Dezember 2014 - 15:02 Uhr

Von Tobias Elsaesser

Eine Pfarrerin hat in einem Gespräch über Weihnachten und den Weihnachtsmann einer Gruppe von Kinder im englischen Stalham erklärt, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt. Es sei nur eine Fantasiegestalt. E ist ihr nur so rausgerutscht, wie sie erklärte, aber das Unglück war geschehen, die Kinder verwirrt traurig, die Eltern sauer.

Der Weihnachtsmann mag eine Erfindung von Coca Cola sein oder ein Mythos aus lang vergangener Zeit. Ganz vielleicht lebt er sogar mit seiner Frau und den Rentieren am Nordpol, obwohl das nicht sehr wahrscheinlich ist. Aber will und muss man das als Kind wissen?

Ein nicht genauer datierter Forschungsbericht, angeblich von einer Gruppe Physikern oder mit den Gesetzen der Physik und anderen Naturwissenschaften vertrauten Personen, kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass der Weihnachtsmann eher eine Fantasiegestalt ist. Seine Existenz sei ebenso unwahrscheinlich wie Geschichte von seiner alljährlichen Schlittentour mit seinen Rentieren zu Heiligabend. Zu viele Kinder, zu große Distanzen, zu viel Gewicht aufgrund der Geschenke, zu wenig Zeit, auch wenn man die Zeitverschiebung berücksichtigt.

Eine Illusion weniger

Aber man muss differenzieren. Man kann als Erwachsener unter anderen Erwachsenen gerne desillusioniert akzeptieren, dass es den 'Mann in Rot' nicht gibt, und dass höchstwahrscheinlich Mama und Papa die Geschenke unter den Baum gelegt haben. Auch kann man ab einem gewissen Jugendalter einem physikalischen Forschungsbericht über die Existenz oder Nichtexistenz des Weihnachtsmannes mit einer guten Portion Humor begegnen. Aber als Kind ist es schon schön, am 23. oder 24. Dezember – je nach den örtlichen Gepflogenheiten – mit dem Glauben und Wissen ins Bett zu gehen, dass 'Santa Claus' gerade hoch oben im Norden Rudolph und die anderen Rentiere vor den Schlitten spannt, um der Welt Freude zu bringen.

Gut, als studierter Theologe weiß man, dass weder der Weihnachtsmann noch das Christkind der Welt Freude bringen, sondern das Kind in der Krippe aus der Geschichte mit Joseph, Maria, den Hirten und den drei Königen aus dem Morgenland, aber muss man seine pädagogische oder missionarische Berufung so ernst nehmen, dass man Kindern die Illusion von dem gutmütigen dicken Mann mit dem weißen Bart zerstört?

Muss man nicht, das weiß auch die Pfarrerin, die den Weihnachtsmann verraten hat: "Sobald die Worte ausgesprochen waren, wusste ich, dass ich einen riesigen Fehler gemacht hatte", sagte Pfarrerin Margaret McPhee der Lokalzeitung''Norfolk Eastern Daily Press'. Zahlreiche Eltern hatten sich nach dem Vorfall beschwert. Inzwischen hat die Schule auf Facebook berichtet, dass die Pfarrerin sich offiziell für ihre "unsensible, spontane Bemerkung" entschuldigt habe. Für die Kinder wird dennoch einiges anders sein als in den Jahren zuvor, sie leben mit einer Illusion weniger.



Tobias Elsaesser wurde in Hildesheim geboren und studierte Anglistik und Latein an der Universität zu Köln. Allerdings eher im "Nebenfach" – denn er arbeitete schon während des Studiums bei RTL, was das Studium ins Hintertreffen brachte. Dort wechselte er nach einigen Fernsehjahren in die Online-Redaktion. Den Ärger über aktuelle Themen die ihn (zu sehr) bewegen, versucht er auf dem Rennrad oder mit der Musik von Bruce Springsteen hinter sich zu lassen.