Eltern müssen ihre toten Kinder identifizieren

10. Februar 2016 - 14:21 Uhr

Drei schwer verletzte Kinder in kritischem Zustand

Nach dem schweren Busunglück im Schweizer Kanton Wallis wurden belgische und niederländische Eltern und Angehörigen zu den toten Kindern gebracht, um sie zu identifizieren. Sollte es in einer Kapelle in Sitten nicht möglich sein, die Toten am Aussehen oder an den Kleidern zu erkennen, werde eine DNA-Analyse beantragt, teilte die Kantonspolizei mit.

Schweiz: Eltern müssen ihre toten Kinder identifizieren
Angehörige und Eltern der getöteten Kinder werden psychologisch betreut.
© REUTERS, CHRISTIAN HARTMANN

Von den 22 toten Kindern und den sechs toten Erwachsenen seien drei noch nicht identifiziert: "Wegen der Gewalt des Aufpralls gibt es Probleme bei der Identifizierung", sagte Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx. Nach ihren Angaben sind unter den verletzten Kindern noch vier Schwerverletzte, davon drei in einem "kritischen" Zustand.

Bereits am Mittwochabend seien ein oder zwei leichter Verletzte wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, sagte der Leiter der Notaufnahme im Kanton Wallis, Jean-Pierre Deslarzes. Auch heute sollten weitere Kinder nach Hause geschickt werden.

Zahlreiche Kinder könnten bereits heute entweder vom belgischen Militär oder von Rettungsflugzeugen der Versicherungsgesellschaft nach Hause gebracht werden, sagte Onkelinx.

Auch die Toten, bei denen die Namen bereits feststehen, können nach belgischen Angaben rasch in die Heimat geflogen werden. Die Regierung hat zwei Transportflugzeuge des Typs C-130 von einer Übung in Portugal abgezogen und in die Schweiz beordert. Die Regierung wollte am Donnerstag in Brüssel auch über die Gestaltung eines Tages der nationalen Trauer entscheiden.

Papst Benedikt sendet Beileidstelegramm

Die Kinder aus belgischen Schulen waren nach einer Skifreizeit in der Region Val d'Anniviers am späten Dienstagabend auf der Heimreise, als ihr Bus in einem Autobahntunnel von der Fahrbahn abkam und gegen die Wand einer Nothaltestelle prallte. 28 Menschen starben, darunter 22 Kinder im Alter von etwa zwölf Jahren.

Papst Benedikt XVI. betet für die Opfer des Busunglücks in der Schweiz und trauert mit den Angehörigen. Benedikt sei auch den Verletzten, ihren Familien sowie den Bergungsmannschaften in Gedanken sehr nahe, heißt es in einem Beileidstelegramm des Papstes an den Erzbischof von Brüssel, André Leonard.

Nach der Tragödie versuchen die betroffenen Schulen in Belgien die langsame Rückkehr zur Normalität: An der Sint-Lambertus-Schule in Heverlee und an der Grundschule t'Stekske in Lommel wurde der Unterricht wieder aufgenommen. "Das normale Leben muss weitergehen. Es ist wichtig für die Schüler, in die Schule zurückzukehren, um über die Katastrophe zu sprechen und Fragen zu stellen", sagte der Magistratsbeamte von Lommel, Kris Verduyckt. Dem Bericht zufolge werden die Kinder bei ihrer Rückkehr in den Schulalltag psychologisch begleitet.