Polizei-Ermittlungen in Bayern und Hessen

Eltern in Sorge! Porno-Inhalte und Nacktfotos auf Lernplattformen

Homeschooling (Symbolfoto)
© dpa, Rolf Vennenbernd, ve abl

21. Januar 2021 - 19:06 Uhr

Lehrerinnen flogen aus der Konferenz, dann wurde Pornographie gezeigt

Was für eine schauderhafte Vorstellung in einer Zeit, in der so viele Kinder gezwungen sind, Schulunterricht am PC wahrzunehmen: Statt Unterrichtsmaterialen tauchen plötzlich Nacktfotos auf, Schüler erhalten sexualisierte Nachrichten. Nachdem Fotos beziehungsweise pornografische Darstellungen in Lernplattformen von Grundschülern aufgetaucht sind, ermitteln Behörden in Hessen und Bayern. Besorgte Eltern fragen sich: wie groß ist das Problem tatsächlich, wie sicher sind die Lernplattformen unserer Kinder?

Zwei Vorfälle auch in Bayern

Im mittelhessischen Florstadt geht die Polizei dem Verdacht des Verbreitens pornografischer Schriften nach, teilte ein Sprecher mit. Es könne sein, dass sich im Laufe der Ermittlungen noch weitere mögliche Straftatbestände ergeben.

Bei dem Fall in Florstadt organisierten Lehrerinnen mit Kindern der zweiten Klasse eine Videokonferenz über eine Software, die vom Portal des Schulträgers bereitgestellt wurde, so ein Sprecher des hessischen Kultusministeriums.

Dabei habe sich ein Teilnehmer mit einem angeblichen Mädchennamen eingewählt, die Lehrerinnen von der Konferenz ausgeschlossen und Pornografie gezeigt. Ein Elternteil habe den Vorfall bemerkt und gemeldet.

Auch in Niederbayern gab es zwei Vorfälle. In Mainburg bekam eine Achtjährige während des Online-Unterrichts Bilder eines nackten Mannes angezeigt. Auf der Online-Lernplattform einer Schule in Abensberg waren beleidigende Videos abgespielt worden.

Links können schnell in falsche Hände geraten

Dass Unbekannte die Lernplattformen von Schülerinnen und Schülern wohl ohne größeren Aufwand hacken und mit unterrichtsfremdem Material fluten können, löst bei vielen Eltern große Sorgen aus. Wir haben den CHIP-Sicherheitsexperten Jörg Geiger zum Thema befragt, seine Einschätzung: "Man kann nur allgemein sagen, dass man alle Menschen abholen muss: Schüler, Lehrer und Eltern. Einfache Lösungen, wo nur ein Link ohne Verschlüsselung verschickt wird, sind schwierig, denn der Link kann schnell in falsche Hände geraten." Deshalb rät er dazu, bestimmte Sicherheitsfunktionen zu nutzen, die Lernplattformen wie Mebis oder Teams bieten. "Man sollte ein Passwort erstellen oder eine Einlassfunktion aktivieren, dass zum Beispiel der Lehrer erst jemanden eintreten lassen muss", sagt Geiger. Außerdem sollte die Software stets auf dem neusten Stand sein.