„Kein Lehrer sollte so etwas geschehen lassen“

Elfjähriger Autist wird von seiner Schule als „nervigster Schüler“ ausgezeichnet

6. Juni 2019 - 14:29 Uhr

„Most Annoying Male" -Trophäe für Elfjährigen

Diese Geschichte macht einfach sprachlos: Ein Elfjähriger aus den USA ist am Ende des Schuljahres von seiner Lehrerin mit einem beschämenden Preis ausgezeichnet worden. Er bekam einen Award als "Most Annoying Male" (zu Deutsch: nervigster Schüler).

Völlig klar, dass kein Kind von seiner Schule jemals eine solche "Auszeichnung" verliehen bekommen sollte. Im Fall des Jungen kommt aber noch ein Detail dazu: Der Fünftklässler ist Autist.

Vater Rick Castejon ist schockiert

Für die Feier zum Schuljahresende der "Bailly Preparatory Academy" Ende Mai in Gary im US-Bundesstaat Indiana hatten sich Schüler, Lehrer und Eltern in einem Restaurant versammelt. Während dort gemeinsam gegessen wurde, vergaben die Lehrer verschiedene Auszeichnungen an ihre Schüler.

Rick Castejon stockte der Atem, als sein Sohn aufgerufen wurde: Der Fünftklässler bekam vor seinen Schulkameraden, deren Eltern und sämtlichen Lehrern die Auszeichnung als "Nervigster Schüler" verliehen - und das ausgerechnet von seiner Förderschullehrerin.

"Wir waren absolut überrumpelt. So etwas haben wir einfach nicht erwartet", erzählte Castejon der "Times of Northwest Indiana". Für ihn ist völlig klar: Kein Lehrer oder Schulleiter sollte so etwas geschehen lassen.

Krisenmanager des Schulbezirks entschuldigt sich

Award für elfjährigen Autist
Diese Auszeichnung bekam der elfjähriger Autist von seiner Lehrerin verliehen.
© The Times Of Northwest Indiana

Um keine große Sache daraus zu machen, wollte Castejon die Trophäe seines Sohnes beim Verlassen der Veranstaltung einfach auf dem Tisch zurücklassen. Doch die Lehrerin, die den Preis verliehen hatte, erinnerte ihn noch einmal daran, ihn bloß nicht zu vergessen. Sie spielte die Angelegenheit herunter und tat so, als sei alles ein gelungener Scherz - und Castejon entschied sich daraufhin, den Vorfall nicht unter den Tisch fallen zu lassen und mit der Schule zu sprechen.

Der Lehrerin drohen jetzt Konsequenzen: "Die Gary Community School Corporation wird über ein solches Verhalten nicht hinwegsehen und die Sicherheit und das Wohlbefinden ihrer Schüler weiterhin an erster Stelle stellen. Wir entschuldigen uns zutiefst beim betroffenen Schüler, seiner Familie und bei allen, die uns diesen unglücklichen Vorfall übel nehmen", so Peter Moriks, der Krisenmanager des Schulbezirks, zur "Times of Northwest Indiana". Er habe Castejon mitgeteilt, dass die Lehrerin suspendiert oder gar gefeuert werde - welche Maßnahmen bisher aber tatsächlich ergriffen wurden, hat er nicht beantwortet.

Lehrer wussten nicht, wie sie mit dem Jungen umgehen sollen

Der Vater des Jungen erinnerte sich nach dem Vorfall an mehrere Anrufe von Lehrern seines Sohnes, die er das Jahr über erhalten hatte. Dort hatten sie sich über das Verhalten des Fünftklässlers besorgt gezeigt und wussten nicht, wie sie mit seinen besonderen Bedürfnissen umgehen sollten: Der Elfjährige spreche manchmal nicht, werde schnell emotional und schaukele gelegentlich auf seinem Stuhl vor und zurück. "Ein Förderschullehrer sollte allerdings wissen, wie man mit solchen Dingen umgeht", findet Castejon.

Der Elfjährige wird die Schule im nächsten Schuljahr übrigens nicht mehr besuchen. Die Familie zieht um - eine Entscheidung, die bereits vor dem Vorfall gefällt wurde, dem Jungen den Schulbesuch künftig aber hoffentlich leichter machen wird.