25. Juli 2018 - 12:17 Uhr

Große Sorgen bei 15 Frauen, die ihre Kinder noch auf die Welt bringen

Der Wirkstoff, der auch in Viagra, dem Potenzmittel für Männer, enthalten ist, sollte das Wachstum von Kindern im Mutterleib fördern. Diese Annahme haben niederländische Wissenschaftler des Academic Medical Centre (AMC) in Amsterdam überprüft – mit einer verhängnisvollen Studie. Nachdem elf Babys nach ihrer Geburt gestorben sind, brachen die Mediziner die Medikamentenstudie mit dem Wirkstoff Sildenafil ab. Doch für 15 Frauen ist das Grauen damit noch nicht vorbei: Sie bekamen im Rahmen der Studie den Wirkstoff, warten aber noch voller Sorge auf die Geburt ihrer Kinder.

Lungenprobleme bei 17 Babys nach Viagra-Behandlung

Die Studie lief seit 2015, es waren zehn Krankenhäuser in den ganzen Niederlanden und insgesamt 183 Frauen daran beteiligt. Bis zum geplanten Studienabschluss 2020 hätten insgesamt 250 Frauen an der Studie teilnehmen sollen. 93 Frauen bekamen Sildenafil. 17 Frauen brachten daraufhin Babys zur Welt, die an Lungenproblemen litten. Elf Kinder starben nach der Geburt.

In der Vergleichsgruppe, die wirkungslose Medikamente – sogenannte Placebos – erhielt, bekamen nur drei der 90 Frauen Babys, die Lungenprobleme hatten. Es starben zwar neun Kinder, die Ursachen hingen dem Bericht zufolge aber nicht mit der Studie zusammen. An der Studie nahmen Schwangere teil, deren Kinder im Mutterleib ungewöhnlich langsam wuchsen.

In unserem Video spricht der Mediziner Christoph Specht über die Vorfälle und erklärt, welche Maßnahmen für die Durchführung einer Studie an Menschen getroffen werden müssen.

Studienleiter: "Ich bin schockiert"

Hinter der Studie stand das Ziel, das langsame Wachstum der Ungeborenen beschleunigen zu können. Die Hoffnung der Mediziner: Durch eine erhöhte Durchblutung der Plazenta das Wachstum im Mutterleib fördern. Der niederländischen Zeitung "De Volkskrant" sagte Studienleiter Wessel Ganzevoort: "Wir wollten zeigen, dass dies ein effektiver Weg ist, um das Wachstum der Babys zu steigern." Doch das Gegenteil sei passiert. "Ich bin schockiert. Das Letzte, was man will, ist den Patienten zu schaden", so Ganzevoort.