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Elektroauto versus Verbrennungsmotor: Für wen lohnt sich der Umstieg?

04. Oktober 2021 - 20:53 Uhr

Warum verbrennen, wenn man auch „stromern" kann?

von Mireilla Zirpins

Immer häufiger sehen wir sie – an den Ladestationen auf den Parkdecks großer Supermärkte oder an der Steckdose vorm Eigenheim: Elektroautos. Und fragen uns: Könnte das auch was für uns sein? Und wann lohnt sich der Wechsel? Was passiert wenn man den Wechsel wagt, sehen Sie oben im Video. Familie Schuster hat den Alltagscheck gemacht.

Warum ein Elektroauto? Ist das umweltfreundlich?

Abgase sind umweltschädlich, aber nicht die einzigen Emissionen beim Auto
Abgase sind umweltschädlich, aber nicht die einzigen Emissionen beim Auto.
© iStockphoto

Sie gelten als emissionsfrei und damit als ökologisch vertretbar: die Fahrzeuge mit Elektromotor. In der Tat stehen Benzin- und Dieselfahrzeuge nicht so gut da mit allem, was sie so aus dem Auspuff pusten. Aber es gibt auch Kritik an der Nachhaltigkeit der Stromer, denn die Herstellung des Antriebsbatterien, die unter anderem wegen ihrer Produktionsbedingungen und problematischer Stoffe wie Lithium, Mangan oder Kobalt in der Kritik stehen, ist Treibhausgas-intensiv. Einige Hersteller unternehmen aber gerade Anstrengungen, das zu ändern. CO2 wird auch bei der Erzeugung des Verbrauchsstroms für Elektromotoren freigesetzt, sofern man nicht Ökostrom bezieht oder die hauseigene Ladestation mit Solarenergie vom Dach speist. Hier scheiden sich die Geister – je nach politischer und ökologischer Position. Wie umweltfreundlich ein Fahrzeug ist, hängt vom Modell und dem verwendeten Strommix ab.

Die Lautstärke ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Denn wer elektrisch fährt, hat es nicht nur im eigenen Wagen leiser, sondern erzeugt auch draußen weniger "Lärmverschmutzung". Denn die Dauerbeschallung durch Kraftfahrzeuge beeinträchtigt nicht nur die Tierwelt massiv. Studien wie etwa eine des Umweltbundesamtes von 2018 belegen, dass auch Menschen massiv unter dem Einfluss von Schall leiden. 75 Prozent der Deutschen fühlen sich von Verkehrslärm am Wohnort beeinträchtigt. Die Folgen können gravierend sein: Tinnitus, Schlafprobleme, Herzerkrankungen. Die neueren Elektroautos sind so leise, dass sie bei Geschwindigkeiten unter 20 km/h sogar künstliche Geräusche abgeben müssen, um Blinde, ältere Menschen, Kinder und Radfahrer zu warnen.

Die Kosten: Ist ein Elektroauto wirklich noch teurer als ein Benziner oder Diesel?

Sind Elektrofahrzeuge wirklich teurer als kraftstoffgetriebene?
Sind Elektrofahrzeuge wirklich teurer als kraftstoffgetriebene?
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Bislang waren E-Autos meist deutlich teurer als das gleiche Modell in der Verbrenner-Version. Doch bis Ende 2025 gibt es sehr attraktive Kaufanreize. Eine Mischung aus staatlicher Förderung und Händlerprämie lässt uns bis zu 9.000 Euro bei Elektroautos und bis zu 6.750 bei extern aufladbaren Plug-In-Hybriden sparen. Da kann man sich beim Händler mal alle Varianten vorrechnen lassen, denn manchmal liegt man mit dem E-Auto sogar günstiger. Selbst beim Erwerb eines gebrauchten E-Autos gibt es Fördermöglichkeiten.

Dazu muss man den Energiepreis für den gefahrenen Kilometer vergleichen: Wie viel Strom oder Sprit verbraucht das Fahrzeug auf 100 Kilometer? Was kosten Versicherung, Steuer und Unterhalt? Der ADAC hat Benziner- bzw. Diesel-Varianten mit den Elektro- oder Hybrid-Versionen beliebter Automodelle verglichen. Festhalten lässt sich: Die Wartungs- und Betriebskosten sind bei Elektro-Modellen auf lange Sicht oft geringer – weniger Verschleißteile, kein Ölwechsel und meist weniger Verbrauchskosten auf den Kilometer gerechnet.

Ein weiterer Bonus ist, dass Autos mit E-Kennzeichen zehn Jahre lang ab der Erstzulassung von der Kfz-Steuer befreit sind – eine Regelung, die nach momentanem Stand für Käufe bis 31.12.2030 gilt. Für Firmen gibt es weitere interessante steuerliche Regelungen.

Insgesamt werden die Modelle mit Elektro-Antrieb dank der Umweltprämie und sinkender Kaufpreise und aufgrund höher Fertigungszahlen preislich immer attraktiver. Das macht sich auch in den Statistiken bemerkbar.

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Extrem lange Ladezeit? Nicht unbedingt!

Laden dauert, hängt von Elektroauto und Ladepunkt ab
Wie lange das Laden dauert, hängt von Elektroauto und Ladepunkt ab.
© (c) Evgeniy & Karina Gerasimovi ((c) Evgeniy & Karina Gerasimovi (Photographer) - [None], Evgeniy & Karina Gerasimovi

Das wichtigste Argument der Elektroauto-Gegner ist die lange Ladezeit bei einer relativ kurzen Reichweite. In der Tat eignet sich ein reines Elektro-Auto nicht so gut für längere Urlaubsreisen. Wer in zehn Stunden von Köln ans Mittelmeer brettern will, dürfte Schwierigkeiten haben, das mit einem E-Auto zu schaffen. Selbst bei Akku schonender, gemütlicher Fahrweise muss der Wagen spätestens nach der halben Strecke komplett neu aufgeladen werden. Und das dauert, auch wenn es mittlerweile bei den neuen Modellen und Ladestationen schon viel schneller geht als früher.

An Schnell-Ladestationen kann man das heutzutage schon in unter einer Stunde schaffen – falls das Fahrzeug mit der entsprechenden Ladetechnik ausgerüstet ist. Und dann lässt sich die Batterie mit der Turbomethode nicht zu 100 Prozent auffüllen. An öffentlichen Standard-Ladestellen oder der Wall-Box vorm Haus kann das durchaus zwischen zwei und sechs Stunden dauern, mit Haushaltsstrom noch länger. Das langsamere Laden soll aber besser für die Lebensdauer des Akkus sein.

Die Ladezeit hängt zudem auch vom Fahrzeugmodell ab. Wer eine weitere Reise mit einem E-Fahrzeug antreten will, muss also vorher gut planen, wenn er eine längere Rast fürs Laden nutzen möchte und vorab recherchieren, wo das möglich wäre und mit welcher Power bzw. in welcher Zeit die dortige Station das Auto wieder fahrtüchtig macht, während er ausgiebig Mittag isst oder zu Fuß das Zwischenziel erkundet.

Wie weit fahren die "Elektrischen"?

Auch die mangelnde Reichweite der Fahrzeuge wird oft kritisiert. Es gibt in der Tat Kfz-Modelle, die keine 200 Kilometer weit kommen mit einer Ladung. Ist jedoch völlig ausreichend, wenn man das Gefährt als Zweitwagen nutzt und nur zwei Mal die Woche den Einkauf macht oder die Kinder zum Sport kutschiert. Und in Urlaub geht's dann mit dem Familien-Van – Benziner oder Diesel.

Oder wenn man nah am Haus oder am Arbeitsplatz eine Lademöglichkeit hat und in der Regel keine weiten Strecken zurücklegt. Aber die neuesten Modelle schaffen auch 450-500 Kilometer oder einige sogar noch mehr bei den High-End-Fahrzeugen, je nach Fahrweise. Damit ist man schon deutlich flexibler. Oder man setzt auf ein Hybrid-Fahrzeug (siehe weiter unten), das nur auf kurzen Distanzen elektrisch fährt.

Fährst du noch oder stromerst du schon?

Die Reichweiten der Elektroautos sind durchaus unterschiedlich
Die Reichweiten der Elektroautos sind durchaus unterschiedlich.
© iStockphoto

Ob man mit einem Elektroauto gut fährt oder besser mit einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor bedient ist, hängt also vom Modell und vor allem vom persönlichen Lebensstil ab. Grundsätzlich gilt: Elektro-Autos sind momentan sicher noch nicht die erste Wahl für Menschen, die nur Langstrecke fahren, zum Beispiel Vertriebler. Und nicht alle Modelle sind auch als E-Variante verfügbar, gerade bei Kombis und Kastenwagen ist das noch extrem ausbaufähig.

Wer sehr ländlich wohnt und für alles Auto fahren muss, findet das längere und häufige Laden vielleicht lästig. Andererseits muss er sicher auch seinen Diesel häufiger tanken als andere. Das geht natürlich schneller. Wer halbwegs organisiert ist und weiß, wo im näheren Umfeld Ladesteckdosen zu finden sind, kann sein Landleben durchaus elektrisch gestalten, wenn er auf ein Fahrzeug mit größerer Reichweite setzt. Nur vielleicht nicht ganz so spontan.

Und selbst ein Außendienstler, der oft längere Strecken zurücklegen muss und am selben Tag wieder zurückfährt, kann unter Umständen beim Kunden aufladen. Wenn man da nett nachfragt, hat man gleich schon ein Gesprächsthema. Denn auch die Lademöglichkeiten entscheiden darüber, ob ein Elektromotor der richtige Antrieb für uns ist. Wer eine Immobilie besitzt, kann den Einbau einer eigenen Wallbox sogar fördern lassen, wenn er grünen oder Öko-Strom bezieht. Wer in einer Etagenwohnung lebt, muss zum Laden ausrücken. Dafür hat er aber vielleicht sogar keine Stromkosten, wenn er kostenlose Ladepunkte nutzt.

Alternative Antriebe für alle, die die Umwelt schonen wollen

Elektromobilität bietet viele verschiedene Möglichkeiten
Elektromobilität bietet viele verschiedene Möglichkeiten.
© Olivier Le Moal (Olivier Le Moal (Photographer) - [None], Olivier Le Moal

Wer sich nicht entscheiden kann zwischen Verbrennungs- und Elektromotor, kann beides in einem haben: im Hybridfahrzeug.

Hier gibt es zwei Typen: Zum einen Hybrid-Fahrzeuge, die keine externe Ladestation benötigen und ihre Batterie während der Fahrt selbst aufladen. Mit ihnen kann man nur kurze Distanzen 100% elektrisch fahren. Die Batterie unterstützt aber den Benziner-Motor beim Anfahren oder Beschleunigen.

Plug-In-Hybride hingegen sind mit einer Batterie ausgestattet, die extern aufgeladen wird – zum Beispiel an der heimischen Steckdose. Auch sie schaffen eher innerstädtische Fahrten bei Reichweiten um 50 Kilometer rein auf Elektro-Basis. Für längere Strecken wechseln diese Fahrzeuge dann zum Kraftstoff.

Ebenfalls im Kommen sind Fahrzeuge mit Gasantrieb und haben meist eine CO2-Bilanz, die mit E-Autos oder Elektro-Hybriden mithalten kann. Auch die Erdgas-Fahrzeuge gibt es als Hybrid-Varianten – neben dem Gasreservoir mit einem zusätzlichen Benzintank für Notfälle.

Eine weitere Alternative sind Wasserstoff-Autos. Doch es gibt bislang sehr wenige Modelle am Markt und noch kein dichtes Netz an Wasserstoff-Tankstellen. Ihre Umweltbilanz ist zusammen mit den reinen Elektroautos die beste – sofern sie aus regenerativen Energien gespeist werden.

LESE-TIPP: Carsharing – es muss nicht immer das eigene Auto sein

Wer nun immer noch nicht ganz sicher ist, welches Modell das Richtige ist, kann das ganz unverbindlich beim Car-Sharing testen. Viele Flotten setzen mittlerweile auf E- oder Hybridmodelle. Da kann man das einfach mal ausprobieren und sich dann entscheiden, ob was man dauerfhaft fahren will.