Hunderte tote Dickhäuter in Botswana

Elefantensterben: Ist Corona die Ursache?

Ein vermutlich an Milzbrand verendeter Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana), Chobe Waterfront, Chobe-Nationalpark
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09. Juli 2020 - 11:23 Uhr

Massenweise an Elefanten-Kadaver an Wasserlöchern

Ausgedörrte, fragil wirkende Kadaver von Elefanten liegen massenweise an Wasserlöchern in Botswana. Seit Anfang Mai wurden in dem afrikanischen Land mehr als 350 tote Dickhäuter entdeckt – und bisher weiß niemand, warum. Experten stehen vor einem Rätsel, weil die Tiere einfach umzufallen scheinen. Die neueste Vermutung einiger Forscher: Corona könnte Schuld am plötzlichen Elefantensterben sein.

Elefanten irren „schwach, lethargisch und ausgezehrt“ herum

Etwa ein Drittel des Elefanten-Bestandes Afrikas lebt in Botswana. Für Fachleute sind die Geschehnisse längst ein "beispielloses Desaster". Behörden und Tierschützer rätseln noch immer über die Tiere, die "schwach, lethargisch und ausgezehrt" herumirren, schreibt die Artenschutzorganisation Elephants Without Borders (EWB) in einem Bericht an die Regierung in der Hauptstadt Gaborone. "Manche Elefanten wirkten desorientiert, hatten Schwierigkeiten zu gehen und lahmten", heißt es darin.

Auch nach drei Monaten steht noch nicht fest, woher das Massensterben im Okavango-Delta kommt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Phänomen mit der Corona-Pandemie zusammenhänge, zitiert der "Tagesspiegel" den Tierarzt und Direktor der britischen Naturschutzorganisation "National Park Rescue", Niall McCann.

Corona-Infektion kann nicht ausgeschlossen werden

Wasserloch in Botswana
Viele tote Elefanten wurden an Wasserlöchern gefunden.
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"Die Art und Weise, wie die Elefanten sterben - viele fallen einfach auf ihr Gesicht oder gehen im Kreis -, deutet auf etwas hin, das ihr Nervensystem attackiert." Das könnte ein Virus wie das Sars-CoV-2 sein. "Elefanten sind sehr kontaktfreudige Tiere - wenn es eine Infektion wäre, könnte sich das sehr schnell in der Herde verbreiten", meint auch die Großwild-Veterinärin Sybille Quandt.

Keine andere Wildtierart vom Massensterben betroffen

Doch für die meisten Experten ist ein Zusammenhang mit Corona eher unwahrscheinlich. Eine meist harmlos verlaufene Infektion mit dem Virus ist bislang insbesondere für bestimmte Fleischfresser wie Katzen bekannt. Außerdem scheint keine andere Wildtierart von dem Massensterben betroffen zu sein, erklärt Heike Henderson von der Artenschutzorganisation "Future for Elephants".

Weil sich andere Tiere wie Löwen und Hyänen von den Elefanten-Kadavern ernähren, schließen Forscher auch eine Vergiftung mit Zyanid aus, die in der Region häufiger vorkommt. Menschen gehen dort immer wieder gegen Elefanten vor, da diese in Siedlungen eindringen und Felder zerstören. Vor allem Kleinbauern jagen die sanften Dickhäuter.

Wilderei als Todesursache ausgeschlossen

Auch Nahrungsmittelmangel könne wegen der vielen Regenfälle in letzter Zeit nicht die Ursache für den plötzlichen Tod so vieler Tiere verantwortlich sein, meinen Experten. Ebensowenig die Wilderei: Die toten Elefanten haben ihre Stoßzähne noch.

Ob ein neuer Erreger oder Gift für den Tod der Tiere verantwortlich ist, sollen Proben klären. Bis die Ergebnisse vorliegen, werden aber wohl noch weitere Elefanten sterben.

Die Behörden und Tierschützer setzen aktuell Helikopter und Flugzeuge ein, um die verstorbenen Dickhäuter ausfindig zu machen.