Elefanten 16 Stunden pro Tag gefesselt

04. Februar 2014 - 10:50 Uhr

Üble Tierquälerei in Nepal - Elefanten werden für Touristen gefügig gemacht

Elefanten, die von der Regierung zur Patrouille eingesetzt werden, um Wilderer aufzustöbern? Das hört sich zunächst einmal positiv an. Doch das Schicksal der Elefanten im Chitwan-Nationalpark im Süden Nepals ist alles andere als leicht – es ist schlichtweg Tierquälerei.

Tierquälerei für Touristen.
Die Elefanten im Chitwan-Nationalpark bringen Touristen zu den wild lebenden Nashörnern. Doch die Haltung der Tiere ist skandalös. Bis zu 16 Stunden am Tag sind die Elefanten an beiden Vorderfüßen gefesselt.

Die Tiere müssen bis zu 16 Stunden am Tag in einem Unterstand ausharren – an beiden Vorderfüßen gefesselt. Das heißt, sie können keinen Schritt laufen, der Aufenthalt in dem Unterstand ist eine einzige Tortur. In freier Wildbahn laufen die Tiere pro Tag mindestens zehn Kilometer, meist sogar weit mehr.

"Das sind Elefanten der Regierung", sagt Jiushi, der im Chitwan-Nationalpark Touristen die Tier- und Pflanzenwelt im tropischen Terai im Süden Nepals zeigt. Er arbeitet als Führer. Gemeinsam besuchen wir das Elefantencamp in Sauhara am Rande des Nationalparks.

Einer der Unterstände für die Tiere ist komplett zerstört. "Da ist vor ein paar Tagen ein Tier ausgerastet und hat alles kaputt gemacht", sagt Jiushi und deutet auf den Elefanten, der als Konsequenz für sein Handeln nicht etwa mehr Bewegung erhält, sondern isoliert von der Gruppe an einen Baum im Wald angebunden wurde.

Im Unterstand verheddern sich die Elefanten oft mit den Ketten, dann kippen sie gefesselt nach vorne. Andere Tiere strecken und beugen die Hinterbeine, als wollten sie Geh-Bewegungen imitieren. Es ist ein trauriger Anblick.

Jiushi versteht kritische Nachfragen nicht. Für ihn ist der Elefant ein Nutztier. Auf meine Nachfrage, ob denn nicht viele Tiere verrückt werden angesichts dieser Haltung, sagt er unverblümt: "Ja, natürlich." Und grinst sogar.

Experte: "Tiere werden mit Feuer gequält, den Müttern entrissen und angekettet"

Sein Job hängt an den Elefanten. Denn sein Arbeitgeber – ein Hotel – bietet Elefanten-Safaris an. Auf dem Rücken eines Dickhäuters kann man dann durch den Nationalpark spazieren und sich einem der gut 500 Nashörnern nähern, die in dem Park leben. Mit Elefanten kommt man wesentlich näher an die Rhinos ran als beispielsweise mit einem Jeep.

Die Safari-Elefanten werden teilweise privat gehalten, teilweise kommen sie auch aus den Camps der Regierung. Schon seit vielen Jahren kämpfen Tierschutzorganisationen gegen die erbärmliche Haltung der Elefanten in Chitwan.

"Im 'Khorsor Breeding Center', das an den Chitwan-Nationalpark angrenzt, werden die Elefanten gequält, damit sie für den Tourismus-Betrieb gefügig sind. Elefantenbabys werden dafür ihren Müttern entrissen, angekettet, geschlagen und mit Feuer gequält. Die traumatischen Ereignisse rufen die schweren Verhaltensstörungen hervor, das sogenannte 'Weben' der Elefanten", erklärte Peter Höffken, Wildtierexperte und Kampagnenleiter bei der Tierschutzorganisation PETA, dem RTLaktuell.de die Fotos von den misshandelten Elefanten vorlegte.

Sauhara, ursprünglich ein unbedeutendes Nest am Rande des Nationalparks, ist zu einer kleinen Touristenhochburg angewachsen. Tausende Nepal-Urlauber kommen nach einer Trekking-Tour im Himalaya zum Abschluss ihres Urlaubs noch ins Tiefland, um Nashörner oder mit viel Glück sogar einen Tiger in freier Wildbahn zu sehen. Und weil mit den Elefanten-Safaris viel Geld verdient wird, steigt die Zahl der grausam gezähmten Elefanten an.

Und wenn Menschen wie der Berliner Zoodirektor Dr. Bernhard Blaszkiewitz sich auch noch einspannen lassen, und, wie kürzlich geschehen, im Chitwan-Nationalpark einen Elefantenausritt auf einem gequälten Tier machen, ist das nur ein weiterer Beweis für die Ignoranz und die Profitgier derer, die Tiere für ihre Geschäftsmodelle nutzen.

Für Touristen kann daher nur gelten, dieses Spiel nicht mitzuspielen. Elefanten-Safaris sind Tierquälerei.

Oliver Scheel