Frauenrechtler kämpfen für Evelyn Hernández (21)

Frau nach Totgeburt wegen Mordes verurteilt: Jetzt wird der Fall neu aufgerollt

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17. Juli 2019 - 9:31 Uhr

Evelyn Hernández' Fall wird neu verhandelt

Evelyn Beatríz Hernández Cruz ist gerade einmal 21 Jahre alt. Die junge Frau aus El Salvador hat aber schon eine ganze Menge durchgemacht. Sie wurde als Teenager vergewaltigt. Dass sie von dem Täter schwanger wurde bemerkte sie nicht, bis das Kind im achten Monat plötzlich tot zur Welt kam. Ein Gericht verurteilte sie daraufhin zu 30 Jahren Haft wegen Mordes an ihrem Kind. Jetzt steht Evelyn Hernández schon wieder vor Gericht, wie der Sender BBC berichtet.

Sie wurde vergewaltigt und wusste nicht, dass sie schwanger war

Evelyn Hernández muss wieder vor Gericht
Evelyn Hernández erlitt nach einer Vergewaltigung eine Fehlgeburt auf der Toilette. Die Richter werteten das als Mord. Jetzt wird neu verhandelt.
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Es ist der absolute Albtraum jeder schwangeren Frau: eine Fehlgeburt. Was an sich schon eine Tragödie ist, kann in El Salvador ernsthafte juristische Konsequenzen für die Mutter nach sich ziehen. In dem Land sind die Gesetze so streng, dass selbst eine Abtreibung mit mehreren Jahren Haft bestraft wird. Auch wenn das Baby still geboren wird, kann die Mutter vor Gericht gestellt werden, weil der Verdacht besteht, dass sie sich nicht ausreichend um ihr ungeborenes Kind gekümmert oder einen Abtreibungsversuch unternommen hat.

Das ist auch Evelyn Hernández passiert. Sie wurde als 18-Jährige von einem Gang-Mitglied vergewaltigt. Weil der Täter sie einschüchterte, traute sie sich nicht, jemandem von der Tat zu erzählen. Acht Monate später, im April 2016, spürte sie plötzlich starke Bauchschmerzen und ging in den Schuppen hinter dem Haus ihrer Familie, wo die Toilette untergebracht ist.

Urteil: 30 Jahre Haft wegen Mordes an ihrem Baby

Evelyn Hernández sagte aus, dass sie die Schwangerschaft nicht bemerkt habe, weil sie zwischendurch immer wieder Blutungen hatte. Während der Geburt verlor sie das Bewusstsein. So wurde sie dann von ihrer Mutter gefunden. Die brachte die junge Frau ins Krankenhaus, wo die Ärzte feststellten, dass Evelyn Hernández gerade ein Kind zur Welt gebracht hatte. Das Baby wurde tot in der Sickergrube unter der Toilette gefunden.

2017 wurde die damals 19-Jährige zu 30 Jahren Haft wegen Mordes an ihrem Kind verurteilt. 33 Monate dieser Strafe hatte Evelyn Hernández schon abgesessen, bevor der Oberste Gerichtshof in El Salvador im Februar 2019 entschied, den Fall neu aufzurollen.  

„Evelyn ist unschuldig“

Demonstrantinnen fordern Freilassung von Evelyn Hernández
"Gerechtigkeit für Evelyn" fordern Demonstrantinnen. Der Prozess gegen die 21-Jährige wird neu aufgerollt.
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Jetzt wird vor Gericht neu verhandelt, ob Evelyn Hernández wirklich wegen Mordes verurteilt werden kann. Ihre Verteidiger sagen: Nein. Denn die Obduktion des Babys habe ergeben, dass es starb, weil es das sogenannte "Kindspech", also seinen eigenen Darminhalt einatmete. Das könne im Mutterleib, während der Geburt oder unmittelbar danach passieren. Jedenfalls gebe es keine Beweise dafür, dass die junge Frau das Baby abtreiben oder töten wollte.

"Evelyn ist unschuldig. Es ist an der Zeit für das Rechtssystem, damit aufzuhören, Frauen dafür zu kriminalisieren, dass sie eine Fehlgeburt außerhalb eines Krankenhauses erleiden", sagte die Frauenrechtlerin Morena Herrera dem Sender CNN. Die Aktivisten hoffen nun, dass die neue Regierung, die seit Juni im Amt ist, die strengen Abtreibungsgesetze lockert und so die Situation für Frauen in El Salvador verbessert.