6. November 2018 - 11:25 Uhr

In New York herrscht ein Hochsicherheitsaufgebot

New York im Ausnahmezustand: Der ehemalige Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán steht vor Gericht. Mehr als ein Jahr hat die Vorbereitung für diesen Prozess gedauert. Jetzt geht er los. Das Gericht muss allerdings noch eine wichtige Aufgabe erfüllen. Es muss eine zwölfköpfige Jury aus Geschworenen auswählen, die über Guzmáns Schicksal urteilen wird. Das Ganze findet anonym und hinter verschlossenen Türen statt - aus Angst vor Racheakten des Killer-Kartells. Eine RTL-Reporterin ist in New York vor Ort und berichtet für Sie.

Söhne von "El Chapo" sollen die Drogengeschäfte weiterführen

Mehrere Male hatten Ermittler den berühmten Drogenbaron festgenommen. Mehrere Male war "El Chapo" ausgebrochen. Dann, 2016, verknackte die mexikanische Polizei ihn endgültig und lieferte ihn Anfang 2017 an die USA aus. Seitdem führen, so lauten Gerüchte, die beiden Söhne des heute 61-Jährigen die Geschäfte des Sinaloa-Kartells. Und genau deshalb fürchten die US-amerikanischen Behörden um die Sicherheit von Zeugen und Jury.

Eine Jury aus unabhängigen Geschworenen wird in den USA eingesetzt, um ein neutrales Urteil zu fällen. Das Gericht in Brooklyn, das als berühmte Institution im Kampf gegen organisierte Verbrechen gilt, befragt in dieser Woche rund 40 potenzielle Jury-Mitglieder. Diese werden von US-Marshalls, also Sonderbeamten zum Schutz von Gerichten, von der Haustür bis zum Gericht begleitet - und abends wieder zurückgebracht. Kein Mitglied der Jury-Kandidaten sollte während der Vorauswahl sowie während des Prozesses unbeschützt sein, so der Tenor der US-Behörden. Weil die Sicherheitsvorkehrungen so hoch sind, kostet der Prozess schon jetzt Hunderttausende Euro - am Tag.

"El Chapo" droht lebenslange Haft, aber keine Todesstrafe

Erst, wenn das Gericht zwölf Personen ausgewählt hat, kann der Prozess richtig starten. Das wird voraussichtlich am nächsten Dienstag (13. November) sein. Richter Brian Cogan schätzt, dass der eigentliche Prozess dann mehrere Monate dauern wird.

Dem Angeklagten werden Drogenschmuggel, Mord und weitere illegale Machenschaften vorgeworfen - in hundertfacher Ausführung. Bei einer Verurteilung droht ihm deshalb lebenslange Haft. Die Todesstrafe erwartet "El Chapo" aber auf keinen Fall - darauf hatten sich Mexiko und die USA bei der Auslieferung geeinigt.

Am ersten offiziellen Prozesstag in Brooklyn trug der Drogenboss ein blaues Jackett und ein weißes Hemd. Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich etliche Schaulustige versammelt, um "El Chapo" zu sehen. Interessant wird, ob und wie oft Joaquín Guzmáns Ehefrau Emma Coronel im Gerichtssaal erscheinen wird. Während er im New Yorker Hochsicherheitsgefängnis eine Stunde am Tag ein Sportgerät nutzen darf, hält sie ihre ausschweifenden Freizeitaktivitäten fast täglich bei Instagram fest. Dazu sehen Sie mehr im Video.