Dem kleinen Baylor wurde er fast zum Verhängnis

Ekliger Biofilm in Quietsche-Entchen und Co.: So gefährlich ist das für Ihr Kind

19. Januar 2021 - 14:21 Uhr

Im Quietsche-Entchen fühlen sich Keime und Pilze richtig wohl

Wissen Sie eigentlich, was sich so im Inneren des Badewannen-Spielzeugs ihrer Kinder befindet? Da es im Badezimmer meist eher warm und auch oft feucht ist, fühlen sich Keime und Pilze im Inneren der Plastikspielzeuge so wohl, dass sie sich richtig gut vermehren. So gut, dass ein stattlicher sogenannter Biofilm entsteht. Und der kann für Ihre Kinder gefährlich sein. Ab wann es kritisch wird, erklärt der australische Umweltmikrobiologe Dr. Cameron Jones im Video.

Ein Spritzer reichte: Kleinkind fängt sich massive Augeninfektion ein

Die Geschichte ging um die Welt: Der kleine Baylor Strong aus den USA spielte mit verunreinigtem Badespielzeug. Beide Augen waren stark entzündet, er drohte sogar zu erblinden. Erst beim zweiten Krankenhaus-Besuch wurde den Ärzten klar, dass eine bakterielle Infektion Schuld an der schweren Entzündung ist: Ein Spritzer aus einem Quietsche-Entchen hatte für diese heftige Augenentzündung gesorgt. Baylor wurde mit Antibiotika behandelt und ein CT stellte sicher, dass sein Auge nicht dauerhaft geschädigt ist.

Ekel-Bilder machen auf Facebook die Runde

Auch auf Facebook machen immer wieder Bilder von aufgeschnittenem Badewannen-Spielzeug die Runde. Der australische Umweltmikrobiologe Dr. Cameron Jones hat sich den Inhalt eines solchen Biofilms einmal genauer angesehen und sagt: Die darin versteckten Pilze, Hefen und Bakterien können zu Augen-, Ohren- und Hautinfektionen, Allergien, Erbrechen, Durchfall und anderen ernsthaften Erkrankungen führen.

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Viele Mikroben sind nützlich - aber manche auch extrem gefährlich

Es gibt Millionen Pilzarten auf der Welt, erst 120.000 von ihnen sind in der Forschung bekannt - und ebenso unzählige verschiedene Bakterienarten. Viele davon sind ungefährlich für Menschen, viele sogar nützlich und lebenswichtig, zum Beispiel für unsere Verdauung. 10.000 verschiedene Bakterienarten alleine leben in uns Menschen.

Doch manche Bakterien sind eben auch gefährlich und können Krankheiten auslösen. Und auch die können sich im Inneren von Quietsche-Entchen und Co ansiedeln: "Pseudomonas aeruginosa, Exophiala, Enteroccus feacalis und Staphylococcus sind Kandidaten, die Infektionen, Sepsis, Atemprobleme, Fieber und Meningitis auslösen können", erklärt Umweltmikrobiologe Jones im Video.

Wie kommen die Bakterien eigentlich in die Ente?

Der australische Umweltmikrobiologe Dr. Cameron Jones hat sich den Inhalt eines solchen Biofilms einmal genauer angesehen.
Der australische Umweltmikrobiologe Dr. Cameron Jones hat sich den Inhalt eines solchen Biofilms einmal genauer angesehen.
© Dr. Cameron Jones, drcameronjones.com, Privat

Aber wie kommen die Bakterien überhaupt in die Badewannen-Spielzeuge rein? "Durch die Wasserleitungen kommen normale Bakterien hinein", erklärt Jones, "auch der Badende sondert Mikroben-Kulturen ab." Außerdem böten die meist für das Spielzeug verwendeten Polymer-Plastikstoffe eine Nahrungsgrundlage für Bakterien und Keime. Warum der Experte trotzdem nicht grundsätzlich vom Badespaß abrät und worauf Sie achten müssen, erklärt er im Video.

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Wie können Sie verunreinigtem Badespielzeug vorbeugen?

Doch was tun, um Quietsche-Entchen, Seestern, Krabbe & Co sauber zu halten? Eine radikale Methode ist, nur Spielzeug zu kaufen, dass kein Loch hat oder dieses gleich zu verkleben - natürlich bremst das den Bade-Spaß enorm. Sie sollten das Spielzeug auch regelmäßig auskochen, desinfizieren und nach dem Bad schön trocken halten. Und wenn Sie über einer starken Lichtquelle checken, ob sich schon ein Film gebildet hat. Im Badezimmer sollte ans Lüften gedacht werden, und die Oberflächen des Bads sollten stets getrocknet werden, so der Experte. Zudem sollten Spielzeuge bevorzugt werden, die keine oder nur wenig Polymer-Anteile enthalten, denn die fördern das Wachstum des Biofilms.

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In vier von fünf benutzten Spielzeugtieren haben Forscher aus der Schweiz potenziell krankheitserregende Bakterien nachgewiesen, darunter auch Legionellen oder die als hartnäckige Krankenhauskeime bekannten Stäbchenbakterien Pseudomonas aeruginosa. Zudem fanden sich auf einem Großteil der bunten Teile diverse Pilze, wie die Autoren im Fachblatt 'npj Biofilms and Microbiomes' schreiben.