Acht Milliarden Tonnen Eis täglich einfach verflüssigt

Eisschmelze in der Arktis: Das ewige Eis ist nicht mehr ewig

17. August 2021 - 16:28 Uhr

Meteorologe Christian Häckl über die Eisschmelze in Grönland

Das ewige Eis – es ist nicht mehr ewig. Der mächtige grönländische Eisschild taut ab. Noch ist er die weltweit zweitgrößte permanent vereiste Fläche nach dem antarktischen Eisschild. NOCH. Gigantische Mengen Eis gehen Jahr für Jahr verloren – es ist das sichtbarste Zeichen des Klimawandels. In unserer aktuellen Folge des Klima Updates nimmt sich Christian Häckl der Eisschmelze in Grönland an.

Lese-Tipps:

Rekordschmelze im Sommer 2021

Ende Juli 2021 ging es dem grönländischen Eisschild besonders an die Substanz. Bei außergewöhnlich hohen Lufttemperaturen von über 20 Grad schmolz das Eis rasend schnell. Acht Milliarden Tonnen Eis verflüssigten sich nach Angaben dänischer Wissenschaftler in dieser Zeit täglich! Das sei das Doppelte des üblichen Wertes im Sommer, berichteten sie auf der Website Polar Portal.

Wissenswertes rund um das Eis rund um den Nordpol

Durch die Eisschmelze in der Arktis verlieren Eisbären immer mehr an Lebensraum.
Der Lebensraum der Eisbären wird immer kleiner.
© dpa, Ulf Mauder, fgj gfh

Grönland ist die größte Insel der Erde und sie ist zu 80 Prozent mit Eis bedeckt. Stellenweise ist der Eisschild drei Kilometer dick, in seinem Mittel immer noch etwa zwei Kilometer. Mit einer Länge von 2.500 Kilometern reicht das Eis so weit wie die Strecke von Lissabon nach Kopenhagen. Unvorstellbar.

Doch nirgends wirkt der Klimawandel so schnell wie an den Polen. Das Eis taut atemberaubend schnell. In warmen Jahren verliert der grönländische Eisschild an die 350 Gigatonnen Eis. Das ist ein Eiswürfel mit einer Kantenlänge von 7 Kilometern! Eisberge groß wie die Wolkenkratzer in Manhattan krachen von den Gletschern ins Meer und tragen da natürlich zum Anstieg des Meeresspiegels bei.

Lese-Tipp: Arktisforscher der Polarstern schlagen Alarm

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Arktis als einer der Kipp-Punkte unseres Klimas

 Die Arktis leidet enorm unter dem Schwund des Eises.
Das Eis wird dünner - der Albedo-Effekt verstärkt den Klimawandel.
© imago images/Nature Picture Library, Ingo Arndt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Arktis ist einer der Kipp-Punkte in unserem Klimasystem. Das heißt, wenn das Abschmelzen des Eises fortschreitet, ist die Eisschmelze irgendwann irreversibel. Dann droht das Ende des gesamten Eises auf Grönland.

Die durchschnittlichen Temperaturen in der Arktis sind in den letzten 100 Jahren fast doppelt so schnell gestiegen wie im globalen Mittel, es taut dort also so schnell wie sonst nirgends. Und dann kommt ein weiterer Effekt ins Spiel: Mann nennt ihn den Albedo-Effekt. Eine große Eisfläche wie die Fläche der Arktis hat wegen der weißen Farbe eine hohe Albedo. Das bedeutet eine hohe Rückstrahlung. Ein großer Teil der einfallenden Sonnenstrahlung wird vom weißen Schnee und Eis reflektiert.

Unser Wetter-Lexikon: Das ist die Albedo

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Albedo-Effekt: Eis schmilzt immer schneller

Erwärmt sich nun die Atmosphäre und die Arktis wird mehr und mehr eisfrei, dann verringert sich die Albedo der Oberfläche. Kurz gesagt: Wasser absorbiert die Wärme, Schnee reflektiert sie. Je mehr Schnee verschwindet, umso stärker erwärmt sich der Untergrund. Das Eis taut immer schneller. Da können dann auch einzelne kalte Winter nichts mehr retten. Der Klimawandel verselbständigt sich und wir Menschen können nichts mehr tun, ihn aufzuhalten.

Wenn der grönländische Eisschild komplett abschmilzt, und damit rechnen die Forscher durchaus, dann steigt der Meeresspiegel um 7 Meter an! Eine Katastrophe.

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(osc)

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