Eisring soll Höchstwerte bei radioaktiver Strahlung stoppen

Fukushima, Atomkraftwerk
Arbeiter inspizieren die Lecks der Wassertanks im geschädigten Atomkraftwerk Fukushima.
dpa, Japan Nuclear Regulation Authori

Experten warnten Betreiber vor zwei Jahren

Die Lage am geschädigten Atomkraftwerk Fukushima spitzt sich zu. Laut der Atomaufsicht in Tokio (NRA) habe sich die radioaktive Strahlung um die verunreinigten Wassertanks um 20 Prozent erhöht. In Fukushima war es am 11. März 2011 nach einem Erdbeben und einem Tsunami zur Kernschmelze gekommen. Der neue Höchstwert von 2.200 Millisievert tötet einen ungeschützten Menschen binnen weniger Stunden. Nach langem Stillstand will die japanische Regierung handeln – auch, um ihre Chancen bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2020 nicht zu gefährden.

Nachdem im vergangenen Monat hochradioaktives Wasser aus einem der hastig zusammengebauten Tanks ausgelaufen war, hob die NRA die Warnung auf Stufe drei von insgesamt sieben auf der internationalen Störfall-Skala an. Es ist einiges los in der Atomruine – und das, obwohl der frühere Ministerpräsident Yoshihiko Noda das zerstörte Atomkraftwerk schon vor vielen Monaten für "kalt abgeschaltet" erklärte.

Das Gegenteil ist jedoch der Fall, wie die Lecks an Tanks für die gigantischen Mengen verseuchten Wassers zeigen. NRA-Leiter Shunichi Tanaka räumte ein, dass die Lage "instabil" sei. Jetzt, zweieinhalb Jahre nach Beginn der Katastrophe, verkündete Ministerpräsident Shinzo Abe, seine Regierung werde eingreifen.

Dass sich der Atombefürworter nun als Retter in der Not gibt und umgerechnet bis zu 360 Millionen Euro zur Behebung der Probleme bereitstellt, kommt nicht überraschend. Er will Entschlossenheit und zügiges Handel demonstrieren, damit sich niemand Sorgen machen muss.

Dabei sind die Probleme seit langem bekannt. Schon vor zwei Jahren hatten Experten vor den Wassermengen gewarnt. Kritiker machen deshalb den Betreiber Tepco für die heutige Misere verantwortlich – er habe früher handeln müssen, um die Wassermengen unter Kontrolle zu bekommen.

Offiziell ist "alles normal" – zur Sicherung der Olympischen Spiele 2020

Jeden Tag versuchen rund 3.000 Arbeiter in Fukushima, die geschmolzenen Brennstäbe in den Reaktoren mit Wasser zu kühlen. Doch es dringen auch täglich rund 400 Tonnen Grundwasser in die undichten Reaktorgebäude ein und vermischen sich mit dem verstrahlten Wasser. Die aus Stahlplatten zusammengeschraubten Tanks halten die Belastung nicht aus.

Nun soll ein unterirdischer Eisring das Problem beheben. Die Betreiber planen eine sogenannte Bodenvereisung. Mit Hilfe von Kühlrohren, die in den Boden eingeführt werden, soll Kühlflüssigkeit entstehen, die den Boden in der Nähe des Rohres soweit herunterkühlt, dass das Grundwasser gefriert. Dadurch kann das Wasser nicht mehr nach außen dringen und Grundwasser verseuchen.

Ministerpräsident Abe und seine Mitstreiter hoffen auf Besserung. Nach außen demonstrieren sie Gelassenheit, schließlich in Tokio "das Leben absolut normal". In einem Brief an die Kollegen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) heißt es, die Luft und das Wasser in der Hauptstadt würden täglich überprüft und es gebe keinen Grund zur Sorge. Von dem, was sich 230 Kilometer nördlich in Fukushima abspielt, sei Tokio nicht betroffen. Das IOC entscheidet am Samstag zwischen den Bewerbern Tokio, Madrid und Istanbul.