Eishockey-Wahnsinn in Pyeongchang: Deutschland nach Schweden-Krimi im Halbfinale

© dpa, Michael Kappeler, hpl fdt

21. Februar 2018 - 16:53 Uhr

Sturm-Team gelingt Historisches

Märchen auf dem Eis – gibt's in Pyeongchang nicht nur durch beim Eiskunstlauf! Auch die  deutschen Eishockey-Cracks haben Geschichte geschrieben, stehen zum ersten Mal im Halbfinale des Olympischen Turniers. Das Team von Bundestrainer Marco Sturm bezwang Weltmeister Schweden sensationell mit 4:3 nach Verlängerung. Im Kampf um den Einzug ins Endspiel müssen die Deutschen jetzt gegen Hockey-Supermacht Kanada ran.

Reimer drückt den Puck ins Tor

Zum Matchwinner avancierte Patrick Reimer, der den Puck in der Overtime zum entscheidenen Treffer über die Linie bugsierte. Nach der regulären Spielzeit hatte es 3:3 gestanden. Es war der erste Sieg einer deutschen Mannschaft bei Olympia gegen den haushohen Favoriten Schweden.

Das Sturm-Team erwischte einen Start nach Maß, führte nach einem Doppelschlag von Christian Ehrhoff (14.) und Marcel Noebels (15.) schon nach dem ersten Drittel 2:0. Nach dem Anschlusstor des 'Drei-Kronen-Teams' durch Anton Lander (47.), hatte Dominik Kahun (49.) sofort eine passende Antwort parat. Patrik Hersley (50.) und Mikael Wikstrand (52.) glichen allerdings aus. Es schien, als hätte der Favorit rechtzeitig noch die Kurve gekriegt.

In der Overtime biss die DEB-Truppe aber wieder eiskalt zu. Nach dem goldenen Tor von Reimer dauerte es einen Moment, bis der Videobeweis das 4:3 bestätigte – dann kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

Sturm-Team lässt sich vom Schweden-Dampf nicht weich kochen

Seit Sturm beim DEB das Sagen hat, geht es mit dem deutschen Eishockey aufwärts. Der deutsche NHL-Rekordspieler hatte die DEB-Auswahl bei den Weltmeisterschaften 2016 und 2017 schon unter die Top Acht geführt, dabei aber jeweils auch auf seine besten Spieler aus Nordamerika zurückgreifen können. Wegen der Weigerung der besten Liga der Welt, ihre Saison für die Spiele in Südkorea zu unterbrechen, hatte Sturm selbst vor Olympia Zweifel an seinem nur aus der heimischen Deutschen Eishockey Liga rekrutierten Kader gehabt.

Gegen den großen Favoriten, gegen den sein Team schon in der Vorrunde beim unglücklichen 0:1 überraschend gut ausgesehen hatte, griff Sturm diesmal in die Trickkiste. In der offiziellen Aufstellung hatte der Bundestrainer Reihen veröffentlicht, die so tatsächlich nicht zusammen auf dem Eis standen. Die Schweden, die nach ihrem Gruppensieg in der Vorrunde drei freie Tagen hatten, kümmerte dies zunächst gar nicht. Ausgeruht machten sie gegen das deutsche Team, das den Viertelfinaleinzug erst 24 Stunden zuvor beim 2:1 nach Verlängerung gegen die Schweiz perfekt gemacht hatte, mächtig Dampf.​

Aus den Birken in Topform

Nach fünf Minuten hatten die Skandinavier bereits neun Torschüsse, Deutschland gar keinen. Mit Glück und Geschick verhinderte Torhüter Danny aus den Birken Schlimmeres. In Überzahl gelang dann die Wende. Ex-NHL-Verteidiger Ehrhoff von den Kölner Haien überwand nach gut 13 Minuten den schwedischen Keeper Viktor Fasth, kurz darauf legte Angreifer Noebels von den Eisbären Berlin sogar nach.

Im Anschluss kämpfte Deutschland aufopferungsvoll trotz schwerer Beine nach dem Sieg am Vortag gegen die Schweiz für den ersten Erfolg gegen Schweden bei einem großen Turnier seit 26 Jahren. Damals hatte Deutschland bei der WM 1992 mit 5:2 gewonnen. Diesmal kamen die Skandinavier im Schlussdrittel sogar zum Ausgleich, doch Reimer gelang nach 1:30 Minuten in der Verlängerung die Sensation.