Schwarzarbeit, Existenzangst, Pleite

„Wir Einzelhändler werden kaputtgemacht!“

Lockdown-Wut: "Wir Einzelhändler werden kaputtgemacht!" Keine Perspektive und fehlende Corona-Hilfen
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Keine Perspektive und fehlende Corona-Hilfen
Lockdown-Wut: "Wir Einzelhändler werden kaputtgemacht!"

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Lockdown lässt Existenzen sterben

Trauer, Verzweiflung und Wut: Egal ob Einzelhändler, Dienstleister oder Gastronomen - mit der Verlängerung des Lockdowns ist für viele Unternehmer die Pleite vorprogrammiert. Der Handelsverband rechnet „bei gleichbleibender Lage“ damit, dass bis Ende 2021 60 Prozent der Innenstadt-Händler ihr Geschäft schließen müssen. Schlimme Aussichten, die durch das häufige Ausbleiben der versprochenen Überbrückungshilfen noch verstärkt werden. Viele Friseure sehen bis zum 1. März keinen anderen Ausweg als die Schwarzarbeit. Im Video machen zwei Betroffene ihrer Wut Luft – und Politiker Karl Lauterbach erklärt, warum es für Friseure bald weitergeht, für alle anderen aber nicht.

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Angeblich 80 % der Friseure in Schwarzarbeit

„In der zweiten Welle hab ich mehr Angst, was ich morgen essen soll, als dass ich Angst vor Corona habe“, erklärt uns eine Friseurin, die anonym bleiben will. Wie angeblich rund 80 Prozent ihrer Kollegen arbeitet sie im Lockdown schwarz, um nicht alles zu verlieren.

LESE-TIPP: „Nur noch 20 Euro im Portemonnaie“: Friseurin schickt Hilferuf wegen fehlender Corona-Hilfen

Ab dem 1. März dürfen Friseure – zumindest vorerst – wieder öffnen. Begründet wird dies unter anderem damit, dass gebrechliche Menschen zur Hygiene darauf angewiesen seien. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte dazu im rbb: „Wer sich nicht mehr komplett alleine versorgen kann, nicht mehr ganz so beweglich ist, braucht einfach auch für seine Hygiene diese Unterstützung.“

Trotz Hygienekonzept: Kaum Chance für Einzelhändler

Viele Betreiber von Kosmetik- oder Tattoostudios fühlen sich übergangen, halten die Entscheidung für willkürlich – ebenso wie Einzelhändler, die ihre Läden ohnehin nur über feste Termine für Kunden öffnen. So auch Maritta Emser, die eine Brautmoden-Boutique betreibt. „Nachdem dieser Beschluss feststand, habe ich gedacht: Jetzt werden wir Einzelhändler sukzessive kaputtgemacht!“ erklärt sie im Video.

Der Erlanger Infektionsimmunologe Christian Bogdan findet Einschränkungen zwar nötig. Er sagt aber, ohne Risiko könnten dann etwa auch kleine Einzelhandelsgeschäfte ohne Massenandrang öffnen, etwa Schuhmacher oder Juweliere. Michael Müller hingegen betont: „Jeder für sich kann natürlich gut begründen, dass er natürlich Hygienekonzepte hat (...), aber wir haben im Herbst gesehen, dass es am Ende die Fülle von Kontakten, von Verkehren, von Begegnungsmöglichkeiten ist, die dann doch wieder zu hohen Inzidenzen führen.“

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Keine Perspektive für Gastro und Gastgewerbe

Besonders groß ist das Lockdown-Leid in der Gastronomie und dem Gastgewerbe. Eine Perspektive gibt es für diese Branchen noch nicht - denn, so die Überlegung, an Restauranttischen sitzt man normalerweise nicht mit Abstand zu anderen und nicht mit Maske. 75 Prozent der Betriebe bangen laut Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga, inzwischen um ihre Existenz.

Aufgrund der Ausnahmen von der Insolvenzantragspflicht gab es zwar von Januar bis November 2020 laut Statistischem Bundesamt 15,9 Prozent weniger Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum. Aus demselben Grund rechnet der Berufsverband der Insolvenzverwalter für ganz Deutschland auch nicht mit einer Insolvenzwelle im ersten Halbjahr. Wie viel Geld Betroffenen letztendlich aber in diesem Jahr wirklich zum Überleben bleibt, ist eine andere Frage.

TVNOW-Doku "Die zweite Welle"

Insbesondere die zweite Corona-Welle trifft Deutschland mit voller Wucht. Seit November herrscht der allgemeine Lockdown und die Maßnahmen wurden schon mehrfach verlängert. Die TVNOW-Doku „Die zweite Welle“ zeigt das Leben der Menschen und den Umgang mit dieser besonderen Situation.

Quelle: dpa/RTL.de