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Einstiegsinterview mit GZSZ-Neuzugang Thando Walbaum

Thando stellt seine Rolle Amar vor
Thando stellt seine Rolle Amar vor "Er wurde in den Neunzigern abgeschoben" 02:07

Thando Walbaum spielt bei GZSZ einen afrikanischen Asylbewerber

Thando Walbaum übernimmt bei GZSZ die Rolle des afrikanischen Asylbewerbers „Amar“. Amar stammt aus Mali, das seit Jahren von einem Bürgerkrieg heimgesucht wird. Er desertierte von der Miliz und setzte sich mithilfe von Schleppern über das Mittelmeer nach Europa ab, landete schließlich in Deutschland. Er hat auf seiner Odyssee unglaubliches Leid erleben müssen, über das er nur wenig spricht. Seine Zukunft ist mit der Ankunft in Deutschland weiter ungeklärt, sein Asylantrag wird abgelehnt ... Bei GZSZ taucht er in seiner neuen Rolle das erste Mal in Folge 5.768 am 19.06.2015 auf.

Thando Walbaum am GZSZ-Set.
Gemeinsam mit Iris und Linda macht der GZSZ-Dreh doch gleich viel mehr Spaß. © RTL / Rolf Baumgartner

Thando Walbaum, geboren am 8. September 1985, ist im Hamburger Schanzenviertel aufgewachsen, verbrachte aber Teile seiner Kindheit und Jugend in Südafrika. Aus dieser Zeit hat er auch Grundkenntnisse in isiZulu, einer Sprache, die von etwa elf Millionen Menschen - vornehmlich in Südafrika - gesprochen wird. Neben der Schauspielerei hat sich Walbaum ganz der Musik verschrieben. "Ich spiele in der Gruppe Dube mit meinen Eltern traditionelle und Township-Musik aus Südafrika." Die Band wurde 1987 gegründet und ist nach einem Stadtteil von Soweto benannt, der Heimat von Walbaums Vater Dumisani Mabaso. Thando Walbaum ist im deutschen Fernsehen und Kinopublikum kein Unbekannter. Er war bereits in Kinofilmen wie "Systemfehler - Wenn Inge tanzt" oder "Taxi" und Fernsehproduktionen wie "Tatort" und "Der Mann mit dem Fagott" zu sehen.

Wie gefällt es dir bei GZSZ?

Sehr gut! Ich bin jetzt seit zweieinhalb Monaten am Set. Man muss schon wirklich ins Serienleben hineinkommen und sich mit dem Tempo zurechtfinden. Es ist eine Umstellung zum Film. Aber die Stimmung ist super und wir lachen viel.

Was ist besonders an deiner Rolle?

Oft bekomme ich Anfragen, die immer wieder Klischees bedienen sollen. Aber einen Flüchtling habe ich noch nie gespielt. Dieses Thema in eine tägliche Serie zu bringen, hat mich gereizt. In vielen Ländern dieser Welt hat sich die Lage leider so drastisch verändert, dass immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil sie in Lebensgefahr sind. Auch hier in Deutschland müssen wir uns dieser neuen Situation stellen und lernen, damit umzugehen. Ich hoffe, dass diese Rolle auch hilft zu zeigen, dass geflüchtete Menschen ein Teil unserer Gesellschaft sind und wir ihnen als Mitmenschen gewähren sollten, hier zu sein.

Warum ist es wichtig, auch solche Themen in einer täglichen Serie zu zeigen?

In einer täglichen Serie erreicht man so viele Menschen. Einem geflüchteten Menschen diese Plattform zu geben, einen Namen und (s)eine Geschichte ist ziemlich klasse. Wenn es auch noch dazu beiträgt, die Offenheit für andere Kulturen zu erhöhen, ist das doch ein großer Schritt in Richtung Akzeptanz und Verständigung unter den Menschen.

Thando Walbaum hat Musik im Blut

Der kleine Thando Walbaum.
Thando hat schon in sehr jungen Jahren seine Leidenschaft für die Musik entdeckt. © RTL

Hast du privat ähnliche Erfahrungen gemacht?

Als Kind von Musikern in einem Multikulti-Stadtteil wie St. Pauli aufzuwachsen, war bestimmt von Vorteil. In all den Jahren habe ich glücklicherweise kaum negative Erfahrungen gemacht. Auch mein Freundeskreis war und ist international, für mich ist das ganz selbstverständlich und sehr bereichernd.

Wie war das bei deiner Familie? Bei deinem Vater?

Mein Vater verließ Südafrika kurz nach den Schüleraufständen 1976. Er war damals in einem sehr bekannten südafrikanischen Musical und tourte damit durch Europa. In London haben sich dann viele der Künstler von diesem Ensemble getrennt, da sie massiv unterdrückt und ausgebeutet wurden. Daraufhin hat mein Vater in England Asyl beantragt und bekommen.

Wie engagierst du dich?

In einem Hamburger Musikverein für Kinder und Jugendliche coache ich unter anderem einen sehr talentierten, jungen geflüchteten Schlagzeuger. Außerdem starten wir in diesen Wochen ein Tanz-, Trommel- und Gesangsprojekt in einer Flüchtlingsunterkunft. Vor zwei Jahren habe ich mit meinem Schauspielkollegen und Freund Patrick Abozen und dem Hamburger Schauspielhaus ein Theaterstück mit und über geflüchtete, unbegleitete Jugendliche gemacht.

Was machst du alles neben deiner Schauspielerei?

Musik in einer Band, eigene Beats, Dozent für Trommeln an verschiedenen Hamburger Schulen und in dem bereits erwähnten Musikverein.

Damian Lott, Producer GZSZ, ergänzt: "Das Flüchtlingsthema ist gerade in aller Munde und als erfolgreichste tägliche Serie haben wir auch eine Art Verpflichtung, uns mit den großen Gesellschaftsthemen zu beschäftigen. Das haben wir schon früher mit Themen wie Organspende, Burnout und anderen Dingen getan.Uns ist es sehr wichtig, mit der Geschichte zu zeigen, dass hinter den großen Themen immer persönliche und emotionale Schicksale stehen. Die Zuschauer sollen mitfühlen können, warum jemand freiwillig seine Heimat verlässt und in eine ungewisse Zukunft geht. Das sind Entscheidungen, Familien zurückzulassen oder diese womöglich schon nicht mehr zu haben. Wir zeigen mit der Geschichte um Amar, dass man diese Menschen kennenlernen und verstehen muss, um sich ein Urteil bilden zu können. Genau das werden die Bewohner des Kiezes auch machen und manchmal entstehen daraus die schönsten Geschichten - in einer Serie und im wahren Leben."

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