24. Mai 2019 - 14:05 Uhr

Schlafmangel ist eine echte Volkskrankheit

In Deutschland leidet jeder vierte Mensch unter Schlafproblemen. Diese erschreckende Statistik stammt aus einer Untersuchung, die Forscher im International Journal of Public Health veröffentlicht haben. Schlafmangel ist also eine echte Volkskrankheit – kein Wunder, dass es im Internet mittlerweile diverse Geräte gibt, die angeblich beim Einschlafen helfen. Aber bringen diese Traum-Tools wirklich etwas? Wir haben eine Expertin gefragt: Schlaf-Coach Christine Lenz aus Nürnberg weiß, was es braucht, um nachts Ruhe zu finden und gibt uns eine Einschätzung zu vier verschiedenen Geräten, die im Internet gerade angesagt sind.

1. Besser schlafen mit einer Gewichtsdecke?

Schlafende Frau mit Gewichtsdecke
Gewichtsdecken wiegen mehrere Kilogramm und sollen ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln.
© Amazon.de/SCM

Im Bett haben wir alle unterschiedliche Vorlieben. Der eine schläft am besten auf harten Matratzen, der andere auf weichen - und viele schlafen offenbar besonders gut unter einer schweren Bettdecke ein. Sogenannte Gewichtdecken sind mit Granulaten gefüllt*, die sich beim Zudecken gleichmäßig über den Körper verteilen. Das soll ein Gefühl von Nähe und Geborgenheit geben, auch wenn man ohne Partner schläft. Entwickelt wurden die Spezialdecken eigentlich für autistische Kinder, doch dann zeigte sich, dass sie auch eine Wirkung auf Erwachsene mit Schlafproblemen haben.

Das Fazit der Expertin: "Gewichtsdecken sind bei Schlafstörungen super, weil sie beruhigend wirken. Allerdings sollten die schweren Decken nur für die Einschlafphase genutzt werden und nicht für die ganze Nacht, weil sie sonst unsere nächtlichen Bewegungen stören", sagt Christine Lenz. Achten Sie darauf, dass es einen Sommer- und einen Winterbezug für die Decke gibt. Denn auch die richtige Temperatur spielt für den Schlaf eine wichtige Rolle.

Wertung: 8 von 10 Punkten

2. Was bringt der Schlafroboter?

Schlafroboter von Auping
Kuschelig oder gruselig? Schlafroboter simulieren einen Körper zum Knuddeln und beruhigen so.
© Amazon.de/Auping

Dieses interessante Gerät lässt sich in den Arm nehmen wie ein Partner. Es bewegt sich sogar - und zwar im Atemrhythmus des Benutzers! Was ein bisschen wie Science Fiction klingt, ist inzwischen Realität. In einer Welt mit immer mehr Single-Haushalten sind technische Lösungen für menschliche Bedürfnisse wie Nähe gefragt. Ein Vorteil des Schlafroboters gegenüber einem menschlichen Bettnachbarn*: Er schnarcht nicht, sondern gibt beruhigende Geräusche von sich.

Das Fazit der Expertin: "Ich habe den Schlafroboter selbst mal ausprobiert. Das Gewicht ist angenehm - und meine Katze findet das Teil auch super", sagt Schlaf-Coach Christine Lenz. Am besten liegt der Somnox allerdings etwas höher (also in Kopfnähe), weil die verbauten Lautsprecher sehr leise klingen. "Den Schlafroboter würde ich auch Eltern empfehlen, deren Kind noch nicht gut alleine einschlafen kann." Punktabzug gibt der vergleichsweise hohe Preis von knapp 600 Euro. Außerdem ist die Technik noch nicht ganz ausgereift. "Sie hat aber enormes Potenzial", sagt Lenz.

Wertung: 7 von 10 Punkten

3. Tiefer Schlaf dank White-Noise-Generator?

White-Noise-Maschine sind schwer angesagt
White-Noise-Maschinen bringen uns durch sanftes Rauschen und Naturklänge in eine entspannte Stimmung.
© Amazon.de/MIFA

Bestimmte Geräusche wecken einfach wohlige Gefühle in uns - und helfen so beim Einschlafen. Beispiele gefällig? Vogelgezwitscher, das Rauschen von Wellen, das Knistern von Feuer - "einige meiner Kunden finden auch Donnergeräusche sehr entspannend", sagt Schlaf-Expertin Lenz. Sogenannte "White-Noise-Generatoren" erzeugen wohltuende Geräusche* in einem Frequenzbereich, der andere störende Geräusche überdeckt. In der Medizin wird das "Weiße Rauschen" zur Behandlung von Tinnitus-Patienten eingesetzt. Es hilft dem Gehirn, zur Ruhe zu kommen - zumindest in der Theorie. Aber klappt das echt?

Das Fazit der Expertin: Grundsätzlich sind White-Noise-Maschinen sehr zu empfehlen. Laut Expertin Lenz sollten sie aber bestimmte Bedingungen erfüllen: Wichtig ist, dass die Lautstärke sich regeln lässt, außerdem sollten das Display kein blaues Licht verströmen, weil uns diese Form von Licht am Entspannen hindert. Achten Sie außerdem darauf, dass das Gerät über eine Timer-Funktion verfügt, damit die Geräusche nach einer bestimmten Zeit enden. Das hilft beim Durchschlafen. Schöne Zusatzfeatures sind Naturgeräusche und ein eingebauter Musikplayer. Via WLAN sollte der Generator aber nicht funktionieren, weil die Strahlung den Schlaf stören könnte.

Wertung: 9 Punkte

4. Hilft ein Licht-Metronom, schnell in den Schlaf zu finden?

Licht-Metronom von Dodow
Das Licht-Metronom von Dodow soll Erwachsenen beim Einschlafen helfen.
© Amazon.de/Dodow

Einatmen, ausatmen, einschlafen. Klingt gut, oder? Und oft funktioniert das sogar. Das Dodow-Metronom (knapp 50 Euro) wirft einen Lichtkreis an die Schlafzimmerdecke*, der rhythmisch größer und kleiner wird. Sie müssen dann nur noch Ihre Atmung an den Rhythmus des Lichtkegels anpassen und schon entspannt sich Ihr Organismus. Ganz ähnlich (und ohne spezielle Geräte) funktionieren diverse Achtsamkeits-Atemtechniken - zum Beispiel die 4-7-8-Atemtechnik, die wir Ihnen hier erklären.

Das Fazit der Expertin: Wer besser einschlafen will, sollte Meditationstraining ausprobieren. Davon ist Christine Lenz fest überzeugt. Aber braucht man dafür ein Licht-Metronom? Nicht unbedingt. "Unglücklich ist auch, dass das Dodow mit blauem Licht funktioniert. Allerdings liegt die Helligkeit laut Hersteller bei unter einem Lux, was unproblematisch sein dürfte", so Lenz. Letztendlich lassen sich die Effekte der Meditation aber auch ohne technische Hilfsmittel erzeugen. Eine deutlich günstigere Alternative zum Dodow, die zugleich den entspannt und schmeckt: "Legen Sie sich ins Bett und lassen Sie ein Stück Schokolade im Mund zergehen", rät Lenz. "Dadurch verlangsamt sich automatisch Ihre Atmung, was beruhigt und müde macht."

Wertung: 6 Punkte

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