2017 M10 4 - 22:47 Uhr

Konzert in Las Vegas endet in Blutbad

22.000 Menschen besuchten in der Spiel- und Spaß-Metropole Las Vegas ein Konzert des Countrysängers Jason Aldean, als plötzlich Schüsse fallen. Nach und nach werden Details der Tragödie bekannt - auch zum Täter. Es handelt sich nach Polizeiangaben um den 64 Jahre alten Stephen Paddock, ein Mann weißer Hautfarbe, der mindestens 59 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt haben soll. Er stammt aus dem Ort Mesquite (US-Bundestaat Nevada), 120 Kilometer nordöstlich von Las Vegas. Das Haus wurde bereits von der Polizei durchsucht.

Todesschütze war Waffennarr

Nach Medienberichten arbeitete Paddock als Buchhalter und investierte in Immobilien. Er soll in Besitz eines Jagd- und eines Pilotenscheins gewesen sein. In seinem Haus in Mesquite wurden 19 Waffen und mehrere Tausend Schuss Munition und Sprengsätze sichergestellt. In Paddocks Auto fanden die Fahnder mehrere Pfund Ammoniumnitrat, das zur Herstellung von Sprengsätzen dienen kann. Der Täter war der Polizei wegen Gewalttaten allerdings bisher nicht bekannt. Einziger Eintrag in seiner Akte sei ein Verkehrsdelikt vor einigen Jahren, teilte die Polizei mit.

Vater des Schützen war gesuchter Bankräuber - Familie ahnungslos

KOMBO - HANDOUT - Die Bildkombo zeigt ein Fahndungsfoto (l) der US-Behörde FBI aus den 60er Jahren von Benjamin Hoskins Paddock, der wegen Bankraubs gesucht wurde und aus dem Gefängnis ausbrach, sowie ein Foto aus dem Jahr 1977 (r) von Benjamin Hoski
Ein Fahndungsfoto von Benjamin Hoskins Paddock aus den 60ern (l.) und 1977 (r.), der Vater des Todesschützen.
© dpa, Wayne Eastburn, abl

Paddocks Bruder Eric Paddock sagte der Zeitung 'Las Vegas Review-Journal': "Wir können uns keinen Grund vorstellen, warum Stephen so etwas tun würde. Wir haben keine Ahnung, wie das passiert ist. Es ist, als wäre plötzlich ein Astroid in unsere Familie gestürzt." Er sagte mehreren Medien, dass er von den Waffen seines Bruders wusste - zumindest von Pistolen und "vielleicht" einem Gewehr. Von automatischen Waffen, wie sie sein Bruder beim Attentat verwendete, habe er aber nichts gewusst.

Sein Bruder sei kein Fanatiker gewesen, weder politisch noch religiös. Er sei lediglich hin und wieder nach Las Vegas gefahren, um dem Glücksspiel nachzugehen. "Er hat höher gespielt als der Durchschnitt", sagte Eric. Er habe aber auch viel mehr Geld gehabt als der Durchschnitt. "Er war ein wohlhabender Kerl, er ging auf Kreuzfahrten. Er konnte sich leisten, was er wollte." Laut seinem Bruder war er geschieden und hatte keine Kinder.

Eric erklärte, Vater Benjamin sei ein gesuchter Bankräuber gewesen, der 1969 aus dem Gefängnis ausgebrochen war und in damaligen Steckbriefen als "psychopathisch" bezeichnet worden war.

Paddock soll "Soldat" des IS sein

"Wir glauben, dass es ein Einzeltäter ist. Ein einsamer Wolf", sagte Bezirks-Sheriff Joe Lombardo über den Täter. Paddocks Motiv ist nach Polizeiangaben jedoch bislang unklar. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat gab es zunächst keine. Doch dann, wenige Stunden nach der Tat, reklamierte die Terrormiliz IS die Bluttat für sich. Der Schütze sei ein "Soldat" des Islamischen Staates gewesen, berichtete das IS-Sprachrohr 'Amak'. Das 'FBI' ist nach eigenen Angaben jedoch davon überzeugt, dass die Todesschüsse nicht im Zusammenhang mit einer international agierenden Terrororganisation stehen. 

Schüsse aus Hotelzimmer gefeuert

Der Schütze schoss aus dem Fenster eines Hotelzimmers im 32. Stock des 'Mandalay Bay Hotels', das er vorher mit einem Hammer eingeschlagen hatte. Er wohnte als Hotelgast bereits seit vier Tagen in dem Zimmer, seit dem 28. September. 23 Schusswaffen fand die Polizei dort.

Als Polizisten die Zimmertür des Hotels aufbrachen, war Paddock schon tot. Zuvor lieferte er sich einen minutenlangen Kugelhagel mit der Polizei. In seinem Zimmer fanden die Polizisten 23 Schusswaffen. Unsere Reporterin hat das Hotel einen Tag nach der Tat besucht, die Bilder sehen Sie im Video!

Todesschütze wurde von seiner Freundin begleitet

ATTENTION EDITORS - CAPTION CORRECTION FOR UGC01 TRANSMITTED ON OCTOBER 2, 2017. THE PERSON IS NOT A SUSPECT. CORRECTED VERSION WAS ALREADY SENT. WE ARE SORRY FOR ANY INCONVENIENCE CAUSED. REUTERS.   Image released by the Las Vegas Metropolitan Polic
Marilou Danley soll mit dem Täter zusammengewohnt haben.
© REUTERS, HANDOUT, Polizei

Polizisten fahndeten zunächst ebenfalls nach einer Frau, die sich mit dem Todesschützen in dem Hotelzimmer aufgehalten haben soll. Die Polizei hatte ein Foto auf 'Twitter' veröffentlicht und die Bevölkerung bei der Suche um Mithilfe gebeten. Nachdem Polizisten die 62-Jährige gefunden und befragt hatten, erklärten sie, dass sie mit der Tat wahrscheinlich nichts zu tun gehabt habe. Die Frau war zuvor als Marilou Danley identifiziert worden und wohnte Medienberichten zufolge möglicherweise mit dem Täter zusammen. Laut der australischen Nachrichtenagentur 'AAP' handelte es sich bei ihr um eine Australierin, die Paddocks Freundin gewesen sei.

US-Präsident Trump besucht Opfer in Las Vegas

Wenige Tage nach dem Attentat in Las Vegas hat US-Präsident Donald Trump Überlebende des Massakers ins Weiße Haus eingeladen. Bei einem Besuch im University Medical Center würdigte er den Mut vieler Opfer, die trotz ihrer eigenen Verletzungen zuerst anderen geholfen hätten. Den Ärzten und Krankenpflegern bescheinigte er einen "unglaublichen" Job. "Wir haben ein großartiges Land", erklärte Trump mit First Lady Melania an seiner Seite und versicherte allen Betroffenen: "Wir stehen hundertprozentig an eurer Seite."