Sie können nicht einfach zu Hause bleiben

Warum Obdachlose besonders von der Corona-Krise getroffen werden

21. März 2020 - 21:21 Uhr

Was machen die Menschen, die kein Zuhause haben?

In ganz Deutschland gibt es Beschränkungen des öffentlichen Lebens, von allen Seiten kommt der Aufruf, zu Hause zu bleiben, um sich und andere zu schützen – und das völlig zurecht. Aber was machen die Menschen, die kein Zuhause haben? Die Corona-Krise trifft Obdachlose noch härter als andere Menschen. Mit welchen Herausforderungen die Obdachlosenhilfen derzeit zu kämpfen haben, erklärt Bruder Michael Wies vom Frankfurter "Franziskus-Treff" im Video oben.

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Kaum Menschen auf der Straße - für viele Obdachlose brechen die einzigen Einnahmen weg

Wohnungslose Menschen haben oft keine Möglichkeit, sich von anderen zu isolieren. Auch fehlt oft der Zugang zu sanitären Anlagen, um sich beispielsweise die Hände zu waschen oder zu duschen. Dazu kommt: Es sind weniger Menschen auf der Straße unterwegs – damit brechen für viele Wohnungslose die einzigen Einnahmequellen wie das Sammeln von Pfand oder das Bitten um Spenden weg. Viele Obdachlosenzeitungen haben außerdem aus Hygienegründen den Verkauf eingestellt – darunter unter anderem in Berlin, Hamburg und Kiel.

Hilfseinrichtungen kämpfen mit Personalnot und steigenden Hygieneanforderungen

Auch die staatlichen und privaten Hilfen für Obdachlose brechen teilweise weg. In vielen Städten wurden die Hilfsangebote bereits reduziert, weil durch die hohe Krankheitsrate und Infektionsgefahr einige Mitarbeiter wegfallen. Einer, der weitermacht, ist dagegen Bruder Michael Wies vom Frankfurter Liebfrauen-Kloster. Er leitet den "Franziskustreff" in der Innenstadt und versorgt Obdachlose auch weiterhin mit einem Frühstück – außerdem wurde eine mobile Waschstelle aufgebaut, wo sich die Menschen zumindest die Hände waschen und desinfizieren können. "Wir vor Ort müssen Maßnahmen ergreifen für unsere Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, können wir noch unseren Dienstplan stemmen? Können wir jeden Tag noch aufmachen? Finden wir noch fünf Menschen, die mit uns mitmachen? Wir leben in besonderen Zeiten und jeden Tag neu müssen wir bewerten und schauen, was möglich ist", beschreibt Wies die Situation vor Ort.

Liebfrauen-Kloster in Frankfurt
Im Hof des Liebfrauen-Klosters wurde eine Waschstation eingerichtet, damit Obdachlose sich die Hände waschen und desinfizieren können.
© RTL

Berlin will neue Hilfsangebote schaffen

Auch in Berlin stellt die Ausbreitung des Virus die Obdachlosenhilfe vor große Herausforderungen. Die Kältehilfe fährt beispielsweise planmäßig herunter, wenn das Wetter wärmer wird. Doch dadurch fällt ein entscheidendes Hilfsangebot weg - und das mitten in der Krise. Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) will obdachlosen Menschen in der Hauptstadt nach dem Auslaufen der Kältehilfe neue Unterkunftsangebote machen. "Wir brauchen auch für sie einen Rettungsschirm", sagte Breitenbach.

Notübernachtung der Berliner Kältehilfe
Die Berliner Kältehilfe sollte eigentlich planmäßig langsam schließen - doch mitten in der Corona-Krise sind viele Obdachlose auf Hilfe angewiesen.
© deutsche presse agentur

Noch höhere Gefahr für Suchtkranke

Deshalb würden gerade bei drei Unterkünften neue Mietverträge geprüft, weil die aus der Kältehilfe bis Anfang April sukzessive ausliefen. Das Angebot solle allein schon aus Infektionsschutzgründen deutlich über eine Notübernachtung hinausgehen, betonte Breitenbach. "Wir brauchen hier dauerhafte Wohnplätze in Zimmern, hauptamtliche Sozialarbeitende, ein Catering, Security, Drogenhilfe und auch eine extra Betreuung für psychisch kranke Menschen", ergänzte die Senatorin. Gerade für Suchtkranke stellt das Coronavirus eine besondere Gefahr dar – denn ihr Immunsystem ist oft geschwächt, viele haben Vorerkrankungen.

Wie kann man selbst helfen?

Wie man selbst helfen kann? Am besten durch spenden, sagt auch Michael Wies. Man sei in der Obdachlosenhilfe auf Spenden angewiesen. Wegen der Corona-Krise hat auch die evangelische Kirche mit der Diakonie Deutschland bereits eine Spendenaktion für wohnungslose Menschen gestartet. Mit den Spenden sollten beispielsweise Tagesaufenthalte, Wohnungslosenheime und Nothilfemaßnahmen für obdachlose Menschen unterstützt werden.

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