Angst vor Corona-Mutationen

Kanzlerin will Reiseverkehr nur eindämmen: „Niemand will einen Reisestillstand"

Kabinett
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© dpa, John Macdougall, fdt

28. Januar 2021 - 9:07 Uhr

Innenministerium legt Maßnahmen vor

Reiseverbot wegen Corona? Merkel widerspricht entsprechenden Berichten. RTL hat erfahren, dass die Kanzlerin lediglich gesagt haben soll: "Niemand will einen Reisestillstand – oder was ich da schon wieder lese, sondern lediglich, dass durch Reisetätigkeit nicht zu viele Mutationen zu uns kommen". Grundsätzlich seien wir auf einem guten Weg. Die Maßnahmen wirkten, aber wir seien noch nicht am Ziel, ergänzte Merkel.

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Fluglinien missachten reihenweise Corona-Regeln

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht Ernst im Kampf gegen die Corona-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika. Sie soll nach Informationen der "Bild" Bundesinnenminister Horst Seehofer beauftragt haben, Pläne zur Grenzsicherung zu erstellen.

"Die Gefährdung, die von den zahlreichen Virus-Mutationen ausgeht, verlangt von uns, dass wir auch drastische Maßnahmen prüfen und in der Bundesregierung diskutieren", sagte der CSU-Politiker im Gespräch mit "Bild". Dazu gehörten deutlich schärfere Grenzkontrollen, besonders an den Grenzen zu Hochrisikogebieten, aber auch die Reduzierung des Flugverkehrs nach Deutschland auf "nahezu Null". Bei dem Gipfel im Kanzleramt ging es nach "Bild"- Informationen um die Entwicklung europäischer Maßnahmen wie zum Beispiel Einflugverbote für ganz Europa aus Corona-Mutations-Gebieten.

Israel nennt Seehofer als Vorbild bei den Anstrengungen, die Einschleppung der Virus-Mutation nach Möglichkeit zu verhindern.

Zwar gehen die Infektionszahlen aktuell bundesweit seit einigen Tagen kontinuierlich nach unten. Das könnte sich mit einer Ausbreitung der neuen Arten des Virus aber wieder ändern.

Das größte Problem bei der Eindämmung der Virus-Mutationen ist aktuell der Flugverkehr. Immer wieder missachten Fluglinien die geltenden Corona-Regeln. Nach Bild-Informationen wurden allein an einem Tag 250 Verstöße unter anderem gegen die Testpflicht bei der Einreise aus einem Risikogebiet registriert.

Deshalb soll Merkel auf einer Konferenz der CDU auch gefragt haben: "Warum können wir Reisen nicht verbieten?"

Im Gespräch ist offenbar auch ein generelles Einreiseverbot nach Europa aus Risikogebieten, die stark von den neuen Mutationen betroffen sind.

Reiseverband schlägt Alarm

Der Deutsche Reiseverband wendet sich dagegen, das Reisen fast vollständig einzuschränken. Touristische Reisen seien schon jetzt durch die Einschränkungen in der Pandemie fast vollständig zum Erliegen gekommen. Auch der Geschäftsreisesektor liege am Boden.

"Dies sollte auch die Bundesregierung zur Kenntnis nehmen. Sie sollte sich deshalb jetzt nicht darauf konzentrieren, unsere ohnehin stark eingeschränkte Reisefreiheit noch weiter einzuschränken", forderte der DRV. Die Regierung sollte vielmehr die "dramatischen Defizite" beim Impfen beheben und vernünftige Testkonzepte vorlegen. "Zudem sollte sich die Bundesregierung in der öffentlichen Debatte dringend darauf besinnen, dass Reisefreiheit ein Grundrecht ist – kein politisch zu gewährendes Privileg."

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