"Einer wird K.o. gehen - ich nicht"

Alex Leapai
An Selbstbewusstsein mangelt es Klitschko-Herausforderer nicht
Bongarts/Getty Images, Bongarts

Herr Leapai, bei allem Respekt: Sie sind im Schwergewicht ein relativ unbeschriebenes Blatt, Wladimir Klitschko ist seit zehn Jahren ungeschlagen. Ist es nicht vermessen, ernsthaft an eine Chance auf einen Sieg zu glauben?

"Ich komme aus dem Nichts, bin seit Beginn meiner Karriere ständig der Underdog. Aber nach Samstag wird sich alles ändern. Es ist Zeit für einen Thronwechsel im Schwergewicht. Und ich bin der Typ, auf den jeder gewartet hat. Jesus hat mir eine zweite Chance gegeben und mir einen Pfad gewiesen. Glauben Sie mir, ich werde den Titel mit nach Hause nehmen.“

Seit 106 Jahren gab es keinen australischen Schwergewichts-Champion…

„Das zu ändern ist das, worauf ich hinarbeite. Ich will Weltmeister werden. Nach 106 Jahren ist es jetzt an der Zeit für eine Veränderung. Am Samstagabend schreibe ich Geschichte!“

Sie mussten diesmal während der Vorbereitungsphase nicht zusätzlich als LKW-Fahrer arbeiten und konnten sich voll auf den Kampf konzentrieren. Sind Sie körperlich in der Form Ihres Lebens?

"Während der Vorbereitung für meinen letzten Kampf gegen Boytsov musste ich nebenbei arbeiten. Für den Kampf gegen Klitschko konnte ich meine gesamte Zeit investieren. Deshalb bin ich in Bestform und fühle mich gut.“

Sehen Sie Ihre Schlagkraft als ausschlaggebendes Argument für den Sieg?

"Es gibt viele Dinge, die ich gut kann. Ich bin eher ein Boxer der alten Schule mit einer unbändigen Entschlossenheit, so wie Joe Frazier oder Muhammad Ali. Wladimir wird Dinge zu fühlen bekommen wie in den letzten zehn Jahren nicht mehr.“

Leapai: "Werde nicht K.o. gehen"

Ihre Eltern, ihre vier Brüder sowie Tanten und Onkel sind mit nach Deutschland gereist. Ist das eine besondere Motivation für Sie, sich den Weltmeistertitel zu holen?

"Ja, das ist es. Meine Kinder warten darauf, dass ich den Titel nach Hause bringe. Ich habe eine schlimme Vergangenheit, geprägt von Drogen und Alkohol. Aber Jesus Christus hat mir eine zweite Chance gegeben und ich möchte den Kindern und Jugendlichen da draußen beweisen, dass wir uns alle ändern können. Gott hat mir diese Gabe gegeben und jetzt habe ich die Chance, gegen den ungeschlagenen Weltmeister anzutreten.“

Bereuen Sie Ihre problematische Vergangenheit? Sind Sie heute ein neuer Alex Leapai?

"Ich bereue nicht, was in der Vergangenheit geschehen ist. Wenn ich das alles damals nicht durchgestanden hätte, wäre ich heute nicht hier. Ich habe mich inzwischen sehr verändert. Deshalb ist meine Botschaft an alle Kinder und Jugendlichen: Wir können uns alle ändern.“

Sie hatten ein sehr erfolgreiches Jahr 2013 und haben vier Siege in vier Kämpfen geholt. Besonders überrascht waren viele über ihren Sieg gegen Denis Boytsov. War dieser Kampf der beste Ihrer Karriere?

"Nein, ich hatte schon schwerere Kämpfe als den gegen Boytsov. Das hat einfach gezeigt, dass wir alle nur Menschen sind, genauso wie der Weltmeister Wladimir Klitschko. Boytsov war bis dahin ungeschlagen und alle gingen davon aus, dass er der nächste große Champion wird. Aber ich habe bewiesen, dass er nur ein Mensch wie jeder andere ist – mit zwei Beinen und einem Herzschlag. Auch Klitschko ist nur ein Mensch wie du und ich. Und auch er hat seine Schwächen. Es wird Samstagabend nur darauf ankommen, wer den größeren Willen hat. Ich werde mein Bestes geben, um Klitschko zu besiegen.“

Wie lautet Ihre Prognose für den Kampf?

"Ich kann es nicht genau sagen, aber einer von uns wird K.o. gehen und das werde nicht ich sein.“