1. März 2019 - 12:28 Uhr

Nihad sitzt in Einzelhaft, bewacht von kurdischen Kämpfern

Er ist einer der ranghöchsten deutschen IS-Kämpfer, den stern-Reporter Steffen Gassel in Syrien trifft. Er selbst nennt sich Nihad. Eine Stunde lang spricht der Reporter mit dem Mann aus Niedersachsen, der ihm bestätigt, dass er sich länger in Leipzig aufgehalten hat, bevor es für ihn im November 2014 zum Islamischen Staat ging. Im Video spricht der Deutsche über seine Erfahrungen als IS-Kämpfer, der nun in Einzelhaft sitzt, bewacht von kurdischen Kämpfern.

Einziger Deutscher im IS-Geheimdienst

Der stern geht davon aus, dass es sich bei diesem IS-Kämpfer um den Deutschen Martin Lemke handelt. Bestätigen wollte er es im Interview nicht. Sein arabischer Kampfname lautet "Abu Yasir al-Almani".

Als ihn der stern-Reporter auf seine eigenen Postings anspricht, in denen er das Köpfen eines Menschen verkündet, widerspricht er. "Ich habe niemals einem Menschen den Kopf abgeschlagen", sagt er Steffen Gassel. Bei der islamischen Sittenpolizei sei er nur zehn Tage gewesen, dann ging es dem Mann so schlecht, dass er ins Krankenhaus kam.

Zudem war er beim IS-Geheimdienst, den er "mehr als alle anderen hasst". Gearbeitet hat er im technischen Büro, er hat sich um das Formatieren von Laptops oder Handys gekümmert. Er sei der einzige Deutsche im Geheimdienst gewesen. An den Hinrichtungen in Raqqa war er nicht beteiligt. Er selbst sei im Gefängnis gewesen und wurde dort schlecht behandelt, erzählt Nihad dem Reporter.

Nihad „kaufte“ die deutsche IS-Braut Leonora für 800 Dollar

Nicht nur Nihad, auch zwei seiner drei Frauen wurden in Gefangenschaft genommen. Darunter auch die 19-jährige Leonora aus Sangershausen, die sich mit 15 Jahren dem IS anschloss. Jetzt will sie zurück nach Deutschland. Sie war Nihads dritte Ehefrau.

Nihad möchte mit Deutschland zusammenarbeiten

Jetzt will Nihad zurück nach Deutschland. Weg von den Kämpfern der Syrisch-Demokratischen Einheiten. Seine Botschaft an den deutschen Sicherheitsdienst lautet: "Ich möchte mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeiten, ich möchte helfen, ich möchte dafür arbeiten." Und damit ist Nihad nicht der Einzige. Auch Lukas Gläß, ein deutscher IS-Kämpfer, sitzt in einem Gefängnis in Nordsyrien und möchte zu seiner Familie nach Deutschland zurück.