Ein Tag auf dem deutschen Fußballinternat: "Bei 180 Schülern kannst du dir keinen Minenleger leisten"

30. Juni 2015 - 13:29 Uhr

Erst Schule, dann Training

Wer einmal Profikicker werden will, der muss früh anfangen und vor allen Dingen hart trainieren – so wie Julian. Julian besucht seit drei Jahren das deutsche Fußballinternat im bayrischen Bad Aibling. Für seinen Traum muss der 15-Jährige auf vieles verzichten.

Julian
Julian ist ein Ausnahmetalent.

Der Tagesablauf dort ist hart, denn neben Fußballtraining steht morgens wie bei allen anderen Kindern in diesem Alter auch die Schule auf dem Tagesplan. Der Unterricht findet aber genau wie Training, Essen und Schlafen auf dem Internatsgelände statt. Eltern zahlen für diese Rundumversorgung ihrer Kinder circa 2.500 Euro im Monat. "Der Tag beginnt um sechs mit Aufstehen, dann Frühstück, Zähne putzen und schnell die Sachen für die Schule packen", erzählt Julian. Nachdem am Morgen dann Englisch und Betriebswirtschaftslehre gepaukt worden ist, geht es für die Internatsschüler mittags endlich auf den Sportplatz.

"Jetzt laufen wir zum Individualtraining, dort geht's heute um Vorbereitung und Vollendung des Balls, denn für Stürmer wie mich ist das extrem wichtig", findet Julian. Für seinen Trainer sind über die Fähigkeiten auf dem Platz hinaus aber auch soziale Kompetenz und mentale Stärke wichtig, um ein erfolgreicher Fußballer zu werden. "Absolutes Ausnahmetalent, weil alles passt. Talent am Ball, mental gut gefestigt und sozial hohe Kompetenz. Der wird es noch sehr weit bringen", so Trainer Ogi Zaric über Julians Karrierechancen.

Schattenseiten des Karrieretraums

Um überhaupt auf dem Fußballinternat aufgenommen zu werden, müssen die jungen Bewerber erst mehrere intensive Probetage bestehen. "Bei 180 Schülern kannst du dir keinen Minenleger leisten. Wir gucken uns bei Probetagen die Schüler genau an und sie können sich ein Bild von uns machen. Wenn beide Seiten ein Go geben, können sie hier anfangen", erklärt Thomas Eglinski, Geschäftsführer des Internats.

Außerdem müssen sich die Schüler bei dem vielen Training neben der Schule wohl damit abfinden, dass ihnen nicht viel Freizeit bleibt. Um halb zehn Uhr abends wird das Handy abgegeben, damit die Schüler am nächsten Tag wieder fit sind. Zudem stehen Sie ständig unter Leistungsdruck, um Teil der Elite zu bleiben.